Video-App Musical.ly – der nächste große Stern am Social Media Himmel?

Sascha Schmidt

Senkrechtstarter auf dem App-Markt

Facebook war gestern, Snapchat ist heute und was kommt morgen? Laut kürzlich veröffentlichter BRAVO-Studie hat Snapchat Facebook in seiner Gunst bei den Jugendlichen bereits deutlich überholt. Doch was kommt danach? Wenn es nach Einschätzungen von Branchenanalysten geht, gilt Musical.ly als heißer Kandidat, der nächste große Stern am Social Media-Himmel zu werden. Gerade unter Jugendlichen erfreut sich die Video-App dabei bereits besonderer Beliebtheit.

Zahlen sprechen oft eine deutliche Sprache: Obwohl die App Musical.ly  erst seit etwa einem Jahr auf dem Markt ist (die iOS-Version erschien im März 2015, die Android-Variante im Juli 2015), wurde sie weltweit bereits über 40 Millionen Mal heruntergeladen. Aktuell wird von etwa 20 bis 30 Millionen aktiven Nutzerinnen und Nutzern der App ausgegangen. Zum Vergleich: Snapchat konnte ein Jahr nach Veröffentlichung gerade etwa 30.000 Nutzer/-innen aufweisen. Die Entwickler von Musical.ly stammen aus China, das Unternehmen selbst liegt mittlerweile in San Francisco. Doch was steckt hinter der noch jungen und gleichzeitig so erfolgreichen App?

Kinderleicht kurze Musikclips erstellen

„Muser“ – so bezeichnen sich die Nutzer/-innen von Musical.ly. Muser können in der App Kurzvideos mit einer Länge von maximal 15 Sekunden drehen und diese mit Musik unterlegen. Das Drehen von kurzen Videoclips stellt auch bereits die Grundfunktion der App dar. Für die musikalische Untermalung greift Musical.ly dabei auf eine Musikdatenbank mit mehreren Millionen Songs zurück. Muser können ihre selbst gedrehten Kurzvideos entweder mit einem Song aus der Datenbank hinterlegen oder sie drehen sogenannte Lip Sync-Videos. Dies bedeutet, dass sie playback einen ausgewählten Song performen. Dem gleichen Prinzip folgend können mit der App auch berühmte Zitate nachgesprochen werden. Die hierbei entstehenden Clips (in der App „musicals“ genannt) können zudem optisch aufpoliert werden: So bietet die App die Möglichkeit, verschiedene Farbfilter anzuwenden und das Video in Zeitlupe oder mit erhöhter Geschwindigkeit aufzunehmen und abzuspielen. Musical.ly ermöglicht somit mit wenig Aufwand die Erstellung durchaus imposanter Videoclips, was sicherlich einen zentralen Nutzungsgrund darstellt. Das Anwendungsprinzip von Musical.ly ist allerdings nicht neu: Die App Dubsmash verfolgt ein sehr ähnliches Konzept, wurde bereits 2014 veröffentlicht und bietet die Möglichkeit, eigene Videos mit berühmten Zitaten, Geräuschen oder Tonfolgen zu kombinieren. Musical.ly legt seinen Fokus hingegen eindeutig auf die Kombination von Videos und Musikstücken. Likes für Videos können die Nutzer/-innen bei Musical.ly übrigens auch vergeben. Diese werden in der App als Herzen dargestellt.

Öffentlich ist Standard

Die Anmeldung bei Musical.ly erfolgt wahlweise über einen Facebook- oder Twitteraccount oder mit einer E-Mail-Adresse. Wie auch andere Gratis-Apps verlangt Musical.ly bei der Installation eine Vielzahl an Berechtigungen (insgesamt 26), darunter auch durchaus fragwürdige wie das Ändern von Systemeinstellungen oder das Abrufen anderer Apps auf dem Gerät. Bereits beim Starten der App wird den Nutzerinnen und Nutzern direkt ein von der App vorgeschlagenes Video gezeigt. Wer noch mehr ausgewählte Videos anderer Nutzer/-innen sehen möchte, gelangt durch Wischen des Bildschirms direkt zum nächsten Video. Musical.ly bietet auf diese Weise vor allem kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch. Der Überraschungseffekt spielt dabei auch eine wichtige Rolle, denn Muser wissen nie, welches Video ihnen beim Wischen als nächstes gezeigt wird und aus welchem Land es stammt.

Wer gezielt nach bestimmten Videoinhalten suchen möchte, kann die Trendhashtags der App verwenden, gezielt nach Musikkünstlern oder auch nach anderen Musern suchen. Das eigene Profil wird bereits bei der Anmeldung als öffentlich dargestellt, erstellte Videos können wahlweise lokal oder auf den Servern des Dienstes abgespeichert werden. Um das eigene Profil nicht für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, müssen die Privatsphäre-Einstellungen ähnlich wie bei Facebook zunächst im Menü geändert werden (Menüpunkt "privates Konto" aktivieren). Die Entwickler von Musical.ly arbeiten zudem aktuell an dem Ausbau eines Messaging-Bereichs innerhalb der App, um die Funktionen zu erweitern und so die Nutzer/-innen auch längerfristig an die App zu binden.

Muser – die Youtube-Stars von morgen?

Innerhalb kurzer Zeit hat sich unter den Musern eine beachtenswerte Community gebildet. So haben Top-Nutzer/-innen wie z.B. die Amerikaner Jacob Sartorius oder BabyAriel innerhalb der App bereits Follower in Millionenhöhe. Auch deutsche Nutzer/-innen konnten sich via Musical.ly bereits eine große Fangemeinde aufbauen. Zu den erfolgreichsten deutschen Musern gehört derzeit Lukas Rieger mit knapp einer Million Followern. Bis die erfolgreichen Muser über die App auch vermarktet werden, ist angesichts der hohen Nutzer- und Follower-Zahlen sicherlich nur eine Frage der Zeit. Amerikanische Musical.ly-Stars dienen jedenfalls bereits als Werbegesichter für Produkte wie beispielsweise Make-Up. Für die Musikindustrie bietet die App die Möglichkeit, Künstler und Songs viral zu vermarkten, wenn die entsprechenden Musikstücke in der Musical.ly-Datenbank auffindbar sind und in der App prominent platziert werden.

Musical.ly im Unterricht

Da Musical.ly gerade unter Jugendlichen großen Zuspruch erfährt, ist der Einsatz der App auch im Unterricht denkbar, z.B. mit Tablets. Neben den von der App bereitgestellten Musikstücken und Zitaten bietet Musical.ly die Möglichkeit, eigene Musik oder Zitate zu importieren. Im Deutsch- und Englischunterricht ist es so z.B. vorstellbar, Szenen aus literarischen Stücken von einer Schüler/-innen-Gruppe vertonen zu lassen, während eine andere Gruppe die entsprechenden Szenen visuell nachstellt. Im Sportunterricht bietet die Choreografie und anschließende Videoaufnahme von Tänzen eine Möglichkeit, für mehr Motivation aufseiten der Schülerinnen zu sorgen. Beachtet werden muss in jedem Fall die USK-Altersempfehlung von mindestens zwölf Jahren im Google-Play-Store und dass sich auf den verwendeten Endgeräten der Schule keine schützenswerten Daten befinden. Vor dem Einsatz von Musical.ly im Unterricht müssen zudem die Privatsphäreneinstellungen der App so verändert werden, dass das verwendete Profil nicht öffentlich zugänglich ist. Dies geschieht durch das Aktivieren des Menüpunkts „privates Konto“ unter Einstellungen. Nach dem Aufnehmen des Videos kann zudem das Feld „als privat speichern“ ausgewählt werden. Auf diese Weise wird das Video nur lokal auf dem Speicher des mobilen Endgeräts abgelegt und nicht auf die Server von Musical.ly hochgeladen. Für den privaten Gebrauch der App sollten Kindern und Jugendlichen diese Möglichkeiten des nicht-öffentlichen Gebrauchs der App-Funktionen in jedem Fall aufgezeigt werden.

Sascha Schmidt

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