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Veranstaltung „Hass, Hetze & Halbwahrheiten im Netz“ in Karlsruhe

Madeleine Hankele-Gauß
Sebastian Seitner

Sebastian Seitner, Referatsleiter für Medienpädagogische Unterstützungssysteme am LMZ | Foto: Doreen Edel

Was können Lehrkräfte, Eltern & Pädagogen tun?

„Nicht zuschauen, sondern handeln“ – unter dieses Motto stellte Sebastian Seitner, Referatsleiter für Medienpädagogische Unterstützungssysteme am Landesmedienzentrum (LMZ), die Abendveranstaltung zum Thema „Hass, Hetze & Halbwahrheiten im Netz“. Diese fand am 13. Februar 2020 im Rahmen der Kampagne „Bitte Was?! Kontern gegen Fake und Hass“ im Stadtmedienzentrum Karlsruhe statt. Die 40 anwesenden Lehrkräfte, Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen forderte Seitner als Projektleiter der Kampagne dazu auf, sich gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen für Respekt, Vielfalt und Toleranz im Netz stark zu machen.

Cybermobbing: „Das Internet vergisst nichts“

Im ersten Vortrag des Abends widmete sich die Medienpädagogin Claudia Schumacher dem Thema Cybermobbing. „Cybermobbing ist nicht ‚normales Mobbing‘ im Internet, sondern ein völlig neues Phänomen“, betonte Schumacher. Als virtuelle verbale Gewalt zeichne sich Cybermobbing dadurch aus, dass die Täter häufig anonym bleiben und ihre Äußerungen eine überdimensionale Reichweite erlangen können. Entscheidend ist die subjektive Wahrnehmung des Opfers: Fühlt sich ein Kind oder ein Jugendlicher durch wiederholte Beschimpfungen, Drohungen und Bloßstellungen im Netz emotional belastet, liegt Cybermobbing vor.

Gerade die Tatsache, dass „das Internet nichts vergisst“, mache die langfristigen Folgen von Cybermobbing gemäß der Medienpädagogin schwer absehbar. Gerieten beispielsweise Nacktfotos von Jugendlichen auf diese Weise an die Netzöffentlichkeit, könnte dies bei den Betroffenen Ängste über die Konsequenzen für ihre eigene Zukunft auslösen, z. B. was Berufschancen angeht. Diese Ängste können der Ausgangspunkt für ernstzunehmende psychische Probleme sein.

Claudia Schumacher

Medienpädagogin Claudia Schumacher | Foto: Madeleine Hankele-Gauß

Projekttag mit aktiver Medienarbeit zur Prävention von Cybermobbing

Zur Prävention empfiehlt Schumacher einen Projekttag zu Cybermobbing an Schulen, bei dem der Fokus auf aktiver Medienarbeit liegt. Bei Verdacht auf Cybermobbing sollten Lehrkräfte möglichst sofort handeln, alle Schritte mit dem Opfer absprechen und Beweise unmittelbar sichern. Auch im aktiven Umgang mit sozialen Netzwerken könnten Opfer unterstützt werden, z. B. durch Hilfestellung bei Profileinstellungen, dem Setzen von Passwörtern oder dem Blockieren schädlicher Kontakte. Genauso wichtig ist es allerdings, dem Täter mit Empathie zu begegnen und hinter die „Kulissen“ seines Mobbingverhaltens zu blicken.

Das Hook-Modell: Vielfältige Belohnungen beim Computerspielen

Hinter die Fassade jugendlicher Computerspieler/-innen blickte Fabian Karg, Projektleiter Medienentwicklungsplanung beim LMZ, im zweiten Vortrag des Abends. Dabei drehte sich alles um die „Gretchenfrage“ der modernen Pädagogik: Führen gewalthaltige Computerspiele zu mehr Hass und Gewalt unter Jugendlichen? Karg plädierte dafür, die Debatte um diese Frage weniger schwarz-weiß zu führen als bislang. Für einen pädagogisch sinnvollen Umgang mit Gewaltspielen sollten Lehrkräfte und Eltern Computerspiele – auch Gewaltspiele – als Medium zunächst einmal ernst nehmen. Dabei könne es helfen, zu verstehen, warum gewalthaltige Spiele wie Fortnite unter Heranwachsenden so beliebt sind.

Anhaltspunkte liefert beispielsweise das Hook-Modell des Produktdesigners Nir Eyal. Im Falle von Fortnite kann ein interner Trigger, wie z. B. Langeweile, dazu führen, dass ein/-e Jugendliche/-r das Spiel installiert und eine erste Runde „Battle Royale“ spielt. Bei der Aktion, dem Spielen, erhält die/der Jugendliche vielfältige Belohnungen: Sie/er chattet mit Freunden, füllt die eigene Freundesliste, erreicht höhere Level oder sogar den Länderaufstieg. Je häufiger sie/er Fortnite spielt oder sogar Geld für Spielausrüstung ausgibt, desto größer die Investition. Damit sich diese lohnt, kehrt die/der Jugendliche möglichst häufig zum Spiel zurück.

Fabian Karg

Fabian Karg, Projektleiter Medienentwicklungsplanung am LMZ | Foto: Doreen Edel

Offene Kommunikation über Computerspiele

„Du spielst Gewaltspiele. Du bist brutal.“ – Laut Karg sind es verallgemeinernde Aussagen solcher Art, die eine offene Kommunikation darüber verhindern. Dabei ist eine Vielzahl von Variablen, wie z. B. das Gewaltklima in der Familie, das Alter, das Aggressionslevel oder Selbstbewusstsein, entscheidend für den Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Computerspielen und Gewaltausübung. „Wir müssen dahin kommen, dass Kinder und Jugendliche zu uns Eltern und Lehrkräften kommen, um Fragen zu stellen und über Gewaltspiele zu sprechen“, so der LMZ-Projektleiter.

Generell sollte ein Einstieg in den Gewaltkonsum mittels Altersgrenzen so spät wie möglich erfolgen. Auch sollten Eltern die Folgen des Konsums von Gewaltspielen beobachten und dadurch eine mögliche Vorliebe ihrer Kinder für gewalttätige Inhalte früh erkennen. Wer als Elternteil oder Lehrkraft die Computerspielwelt in ihren Facetten kennt, kann konstruktive, kreative Spielalternativen aufzeigen, wie z. B. Minecraft oder Scratch. „Was ist der Unique Selling Point der Schule?“, fragt Fabian Karg zum Abschluss seines Vortrags. „Ganz klar: Dass wir zeigen, dass es Probleme gibt, und wir aufzeigen, wie man sie löst, und das ohne Gewalt.“

Die Kampagne „Bitte Was?!“: Sofort gegen Hass und Hetze aktiv werden

Wie man sofort gegen Hass, Hetze und Halbwahrheiten im Netz aktiv werden kann, erläuterte Sebastian Seitner zum Abschluss der Abendveranstaltung anhand der Kampagne „Bitte Was?!“. Hierzu präsentierte er die vier Bausteine der Kampagne der Landesregierung Baden-Württemberg:

  1. ein Kreativwettbewerb für Kinder und Jugendliche in ganz Baden-Württemberg, der noch bis 31.03.2020 läuft,
  2. Schüler/-innen-Workshops, Fachtage für Lehrkräfte, Abendveranstaltungen für Eltern rund um die Themen Fake News, Hatespeech, Cybermobbing und Netzkultur,
  3. direkt einsetzbare Unterrichtsmaterialien für die Grundschule und die Sekundarstufe I sowie
  4. eine Informations- und Sensibilisierungskampagne mit dem Ziel, über Instagram direkt mit den Jugendlichen zu kommunizieren.

Zur Kampagne „Bitte Was?!“

Madeleine Hankele-Gauß

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