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Medienethik – Navigationsinstrument in der digitalen Welt

Prof. Dr. Petra Grimm
Mädchen posiert mit einer Katze für ein Smartphone-Video

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Höhere Verletzlichkeit durch digitale Medien

Digitale Medien sind das tägliche Brot für Schülerinnen und Schüler: unverzichtbar, mit anderen teilbar und manchmal auch schwer verdaulich. Der digitale Kosmos, in den Kinder und Jugendliche hineingeboren wurden, erscheint ihnen heute selbstverständlich, denn sie kennen ja keine andere Welt.

Damit sind auch die Regeln und ökonomischen Prinzipien, die die Geschäftsmodelle der amerikanischen Digitalmonopole wie Facebook, Amazon, Alphabet (Google, YouTube etc.) vorgeben, für sie „natürlich“. Die Strukturen der digitalen Medien prägen das Verhalten der Kinder und Jugendlichen, wenn sie sich austauschen, informieren, unterhalten, spielen oder in den Sozialen Medien präsentieren. So werden sie auch dazu veranlasst, ihre persönlichen Informationen und Bilder preiszugeben und damit Einblick in ihre Privatsphäre zu gewähren. Damit erhöht sich aber auch ihr Verletzungsrisiko.

Mangelnder Schutz der Privatsphäre: Das Beispiel TikTok

Ein Beispiel hierfür ist die relativ neue und beliebte App TikTok, die in Deutschland bereits 3,5 Millionen Nutzer/-innen hat (Stand August 2020). Hier präsentieren sich Kinder und Jugendliche in Musikvideos, die sie mit der Community teilen. Da die Voreinstellungen zum Schutz der Privatsphäre nicht Standard sind, werden die Videos, wenn sich die Jugendlichen keine Gedanken über ihre Privatheit machen, für jeden einsehbar. Das macht die Nutzerinnen und Nutzer wiederum verletzlich, sei es für Belästigungen, Cybergrooming oder Cybermobbing.

Besonders problematisch ist, wenn sich zudem Influencer/-innen auf YouTube, die für viele Jugendliche eine Vorbildfunktion haben, über „die peinlichsten TikTok-Videos“ lustig machen und die darin gezeigten Personen bloßstellen. Denn damit wird die Demütigung anderer Personen als scheinbar legitimes Verhalten geadelt und den Opfern die Schuld gegeben: „Die sind selber schuld, wenn sie sich so zeigen.“

Wie können Schüler/-innen dafür sensibilisiert werden, dass es sich eigentlich um empathische Kurzsichtigkeit und Respektlosigkeit handelt, die hier zutage treten? Und wie können sie befähigt werden, sich eine reflektierende Haltung anzueignen? Das ist eine zentrale Aufgabe der Medienethik.

Was ist Medienethik?

[…] Medienethik befasst sich mit der menschlichen Kommunikation via Medien und deren Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Ihre Aufgabe ist es, medial und digital vermittelte Kommunikation und die mit dieser Technologie verbundenen ethischen Implikationen zu reflektieren und als „Navigationsinstrument“ zu fungieren. Die Medienethik muss wissen, wie die empirische Realität aussieht, sie muss begründen, was richtig ist, und sie kann zu ethischem Handeln befähigen.

Das Ziel der Medienethik ist es, eine ethische Digitalkompetenz zu fördern. Dazu gehört sowohl ein technisches, ökonomisches und rechtliches Wissen als auch eine wertebasierte Kompetenz. Letztere umfasst im Wesentlichen drei Aspekte:

  1. Die Befähigung des Menschen, sein eigenes Handeln (oder Unterlassen) in digitalen Umgebungen reflektieren und bewerten zu können.
  2. Das Prinzip der Verantwortung. Es steht im Mittelpunkt angemessenen digitalen Handelns.
  3. Sich eine Wertehaltung anzueignen: Das heißt zum Beispiel, achtsam miteinander im Netz umgehen, Empathie für Schwächere entwickeln, digitale Courage zeigen, wenn andere verletzt werden, für das Recht auf Privatheit eintreten und die der anderen respektieren.


Dieser Text ist ein Auszug aus dem Artikel „Medienethik – Befähigung zu einer reflektierten Haltung“, der für die Online-Veröffentlichung aufbereitet wurde. Prof. Dr. Petra Grimm ist Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart und Leiterin des Instituts für Digitale Ethik (IDE).

Unterrichtsmaterialien zu Medienethik

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Prof. Dr. Petra Grimm

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