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Kinderleicht zu bedienen – ein Familien-Tablet zu Weihnachten?

Christian Reinhold
Junge schaut mit zwei Teddys auf ein Tablet

Getty/Avalon_Studios

Was ist im Vorfeld zu beachten?

Der große Bruder vom Smartphone kann im Prinzip all das, was ein Smartphone auch kann: E-Mail-Kommunikation, Internet, Fotos und Videos. Nur das Display ist größer, was das Betrachten von Videos, Texten und Spielen komfortabler macht. Das haben auch Eltern erkannt, zumal das Tablet ein pädagogisch besseres Image hat als das Smartphone.

Aber auch hier gilt der gleiche Leitsatz vom Kinderpsychologen Georg Milzner: „Kleinkinder vor ein Tablet abzustellen ist total daneben. Kinder dagegen partizipieren zu lassen, wenn man selber ein Gerät nutzt, ist hingegen natürlich.“ Georg Milzner meint, dass Smartphones und Tablets in den ersten drei Lebensjahren allenfalls nebensächlich sein sollten. Vor allem bei Kleinkindern stehen die Entwicklung motorischer Fähigkeiten und der Bindungsfähigkeit im Vordergrund. Diese lassen sich kaum mit einem Tablet vermitteln, auch wenn sie noch so kinderleicht bedienbar sind.

Für Tablets und Smartphones existiert eine ganze Reihe von Apps für Kinder. Damit sollen Kinder das Zählen lernen, virtuell mit Puppen spielen, Englisch sprechen lernen, besser einschlafen und an klassische Musik herangeführt werden.

Wichtig ist die Frage nach der Nutzungsdauer. Bei der Faustregel „pro Lebensjahr eine Bildschirmzeit von maximal 10 Minuten pro Tag bzw. 1 Stunde pro Woche“ sollte ein Dreijähriger maximal eine halbe Stunde pro Tag am Tablet verbringen. Das hört sich nach viel Zeit an. Zieht man aber hier noch die Zeit ab, die ein Kleinkind täglich vor dem Fernseher sitzt, bleibt nicht mehr viel übrig, um sich mit einer App zu beschäftigen. Eltern sollten hier Prioritäten setzen.

Da mithilfe des Tablets der Zugang zum Internet möglich ist, gilt es, das Tablet mithilfe von Apps und Einstellungen sicherer zu machen. Auch hier gilt, dass technische Lösungen nicht die Erziehung des Kindes ersetzen können. Eltern sollten je jünger das Kind, umso intensiver die Mediennutzung begleiten. Im Gespräch über die Inhalte – vor allem problematische – sollte man den Kindern vermitteln, dass die Eltern der erste Ansprechpartner sind, wenn Trost und Orientierung nötig sind.

Tablet-PCs gehören mittlerweile zum Familienalltag so wie der Fernseher oder die Kaffeemaschine. Besonders Eltern überlegen, ob sie ihren Sprösslingen mit einem Tablet was Gutes tun. Tablets haben anders als Desktop-PCs den Ruf, dass sie für die Bildung der Kinder förderlich sind. Besonders zu überzeugen scheinen die kinderleichte Benutzerbedienung der Geräte sowie die Fülle an Kinder- und Bildungs-Apps.

Wie mache ich das Tablet kindertauglich?

Ob Tablets überhaupt kindertauglich sind und in geringen Dosen sogar einen positiven Effekt auf Kinder haben, wird heiß diskutiert. Sozialwissenschaftler haben starke Zweifel daran, ob bereits Kleinkinder und Vorschüler mit dem Computer loslegen sollen. Bis zur Grundschule hätten die Kinder noch genug Zeit für Outdoor-Aktivitäten, Malen und Basteln. Computer sollten dagegen erst später eingesetzt werden.

Viele Eltern sehen das anders und wollen unbefangen ihren Nachwuchs an der technischen Innovation teilhaben lassen – ganz kindgerecht natürlich. Und investieren fleißig in Apps für Kinder. Wie können Eltern aber den Balance-Akt zwischen Medienverwahrlosung und Totalverweigerung meistern? Für die Eltern scheint der Balance-Akt z.T. einfacher zu sein als gedacht. Bilderbuch-Apps werden als Ergänzung zum Buch betrachtet und nicht als Ersatz. Gerade lesefaule Väter werden von den Apps dazu angeregt, doch mal ihren Kindern was vorzulesen, auch ohne Buch. Der Trend geht jedenfalls dazu, dass die mobilen Geräte stärker den Familien-Alltag beherrschen werden.

Welches Gerät eignet sich für Kinder?

Der Markt an Tablets oder PCs speziell für Kinder ist unüberschaubar. Für jede Altersklasse werden wasserfeste, stoßfeste und schmutzresistente Geräte angeboten. Häufig sind sie mit einer kindgerechten Oberfläche sowie mit Benutzerverwaltung ausgestattet, damit auf dem Gerät nur für Kinder bestimmte Inhalte abrufbar sind. Einen wirklichen Mehrwert bieten Kinder-Tablets aber nicht. Genauso gut lässt sich auch ein normales Tablet mit einer speziellen Gummihülle und einer speziellen Kindersicherung ausstatten.

Einen traurigen Trend offenbart das große Angebot an Kinder-Tablets: Eltern lassen ungern die Kinder mit dem eigenen Tablet alleine – zu groß die Gefahr, dass was „Wichtiges“ kaputtgeht. Und ein weiterer Vorteil für die Eltern: sie brauchen nicht ständig ihr eigenes Tablet aus der Hand geben. Die Vorstellung, dass man zusammen mit den Kindern ein Tablet nutzt kann, unterliegt der eigenen Bequemlichkeit.

Aus Kindersicht macht ein Gerät speziell für Kinder keinen Sinn. Erstens sind die Geräte mit der blauen oder pinken Schutzhülle spätestens ab der Grundschule uncool und zweitens sind „richtige“ Tablets für Erwachsene viel spannender. Dass schon Kleinkinder die "Erwachsenen-Geräte" bedienen können steht außer Frage.

Worauf man beim Kauf eines Familien-Tablets achten muss:

  • Müssen bestimmte Anwendungen auf dem Tablet laufen? Nicht jede App gibt es für jedes Betriebssystem! Vorher informieren.
  • Will man das Gerät die meiste Zeit im Haushalt nutzen, dann reicht ein WLAN-Tablet. Die UMTS-Version ist meist etwas teurer.
  • Auf ein aktuelles Betriebssystem achten (Stand Ende 2016: Android 5 oder iOS 9).
  • Sollen Daten mit anderen Rechnern in der Familie synchronisiert werden, muss man auf das gleiche Betriebssystem achten.
  • Wer Musik und Videos auf dem Gerät speichern will, benötigt einen Festplattenspeicher von mindestens 16 GB, darunter wird es eng.

Wie konfiguriere ich das Tablet kindgerecht?

Anstatt sich ein spezielles Gerät für die Kinder anzuschaffen, sollte man sich besser nach geeigneten Apps für Heranwachsende umsehen und sein Tablet über die Systemeinstellungen kindertauglich machen. Wie das funktioniert, wird in folgenden Artikeln ausführlich beschrieben:

Wir wollen die wichtigsten Schritte kurz zusammenfassen:

  • Je nach Alter ihres Kindes mag es sinnvoll sein, den Internet-Browser, Apps wie Youtubesowie die Möglichkeit weitere Apps herunterzuladen (iTunes) zu sperren.
  • Für die einzelnen Programme lässt sich auch bestimmen, ab welchem Alter die Inhalte abgerufen werden können.
  • Will man vermeiden, dass während eines Spiels ein Kaufprozess angestoßen werden kann (In-App-Käufe), sollte die entsprechende Funktion ausgeschaltet werden. Viele Gratis-Apps finanzieren sich über In-App-Käufe.
  • Wer komplett verhindern will, dass sein Kind online geht (was auch über andere Apps als den Internet-Browser oder Youtube möglich ist), schaltet am Gerät die WLAN-Verbindung aus. Noch besser: die Zeitschaltung am Router aktivieren.
  • Wenn man ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte man bei der Inbetriebnahme des Gerätes bei der Vergabe der Apple-ID auf die Angabe der Kreditkartennummer verzichten und ein entsprechendes Häkchen setzen. Entsprechendes empfiehlt sich auch für Android-Tablets.

Komplett abgeriegelte Computer sind oft nicht der medienpädagogisch letzte Schluss. Gerade älteren Kindern kann so Misstrauen signalisiert werden und das Risiko, dass bei „guten Freunden“ alles Verbotene nachgeholt wird, steigt. Angenommen ihr Kind soll mit dem Gerät Hausaufgaben erledigen und im Internet über ein Thema recherchieren. Wenn Sie jetzt nicht jedes Mal das Gerät mit ihrem Passwort entsperren wollen, können Sie als Alternative ein Jugendschutzprogramm einsetzen. Damit lassen sich unerwünschte Inhalte filtern und gewünschte Seite freigeben. Damit der Nachwuchs das Jugendschutzprogramm nicht entfernt, sollte man zuvor die Option Apps zu installieren und deinstallieren sperren.

Welche Apps eignen sich für Kinder?

Sind alle Sicherheitsfragen geklärt, geht es um die Auswahl der „richtigen“ Apps. Wenn Sie beim Kauf der Apps zu sehr auf den Preis schauen, erleben Sie gerade bei Gratis-Apps eher negative Überraschungen. Entweder werden die kostenlosen Versionen über integrierte Werbung finanziert oder die App ist nur durch einen In-App-Kauf voll funktionstüchtig. Sollten In-App-Käufe auf Ihrem Gerät aktiviert sein, wird früher oder später jemand den Bezahlen-Knopf ausprobieren.

Doch woran erkennt man eine gute App? GooglePlay und der iTunes-Store sind bei der Suche nach geeigneten Programmen nicht sehr hilfreich, da das Angebot überwältigend groß ist. Wir empfehlen, ruhig etwas Zeit in die Suche zu investieren. Lesen Sie die Kommentare anderer Eltern aufmerksam durch und fragen Sie sich, was Sie sich von der App versprechen. Mittlerweile haben engagierte Eltern eigene Internetseiten auf die Beine gestellt, auf denen Kinder-Apps getestet und rezensiert werden:

Christian Reinhold

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