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Eine Familie im Homeoffice – Wald und Wackelpudding

Julia Heidl

Imgorthand/E+ via Getty Images Plus

Über die neue Normalität und alte Herausforderungen

In ihrer Kolumne berichtet die LMZ-Mitarbeiterin und zweifache Mutter Julia Heidl über ihre Familienzeit während den Schulschließungen und geht vor allem einer Frage nach: Wie kann die Familie in dieser Zeit ein gesundes Medienverhalten beibehalten und dabei auch noch die Medienkompetenz fördern?

„Mama, ich brauche ein Pausenbrot!“. Diesen Satz habe ich lange nicht mehr gehört. Aber heute Morgen ist er tatsächlich gefallen  – trotz Corona! Ich genieße ihn in vollen Zügen. Routine, Normalität und ein paar Stunden Homeoffice ohne Kindergeschrei. Die Schule hat begonnen: Natürlich online!

Die Corona-Pandemie prägt unseren Alltag nun schon seit Wochen. Ich selbst habe mich allmählich an die Arbeit zu Hause und das Nebeneinander von Homeoffice und Familienleben gewöhnt. Das ist nicht immer leicht – aber ganz ehrlich: Auch vor der Corona-Ausnahmesituation war der Alltag meist eine Improvisation. Denn wann läuft Familienleben schon nach Plan? Daran hat auch die neue Situation nichts geändert.

Digitaler Unterrichtsalltag: Bildschirmarbeit ist anstrengend

Für meine Kinder jedoch hat sich nach den Osterferien einiges geändert: Während der Zeit der Schulschließung vor den Ferien, kämpften beide Kinder mit wöchentlichen Aufgabenpaketen und selbstorganisiertem Lernen. Nun existiert wieder ein gut funktionierender Unterrichtsalltag. In Videokonferenzen und Arbeitsgruppen nehmen die Lehrer/-innen Kontakt zu den Kindern auf, holen die Klassengemeinschaft wieder zusammen und erarbeiten Unterrichtsinhalte. Die auflebenden Kontakte und die Struktur machen den Kindern Spaß, geben Halt und lassen wieder einen echten Alltag einkehren – bis hin zum Pausenbrot.

Dennoch läuft nicht alles rund. „Voll langweilig... das dauert alles so ewig. Bis alle dabei sind, ist die halbe Unterrichtsstunde schon zu Ende! Die zweite Hälfte brauchen wir, um alle das gleiche Dokument zu öffnen.“, klagt unser Jüngster, der jetzt täglich viele Stunden vor dem PC kauert. „Ich hab Kopfweh!“, jammert meine Tochter nun öfters. Das stundenlange Arbeiten vor dem Bildschirm ist für die Kinder eine Herausforderung und kann ganz schön anstrengend sein.

Kreative Entspannungsübungen für den Ausgleich

Entspannung muss her! Und eins ist klar: Kinder brauchen Bewegung, um konzentriert Lernen zu können. Morgens beginnen wir deshalb mit einer „Schulweg-Simulation“: Bereits vor dem Frühstück scheuche ich nun täglich die ganze Familie für eine halbe Stunde durch den Wald. Trotz dieses Bewegungsauftakts ist der virtuelle Schulvormittag lang. Ich suche daher nach einfachen Übungen, welche die Kinder selbst umsetzen können. Ausführliches Hintergrundwissen zur Gesundheitserziehung und entsprechendes Material für Eltern und Lehrer finde ich beim Kinderschutzbund Nordrhein-Westfalen. Wir haben daraus Anregungen gesammelt, eigene Ideen ergänzt und ausprobiert.

Hier unsere Lieblingsübungen, die auch während des Online-Unterrichts funktionieren:

  • Augen entspannen: Bequem hinsetzen, Arme aufstützen und die Augen locker mit den Händen bedecken und halten. In den wohlig warmen Höhlen machen die Augen eine echte Pause.
  • Ohrenmassage: Locker hinstellen, Schultern fallen lassen und mit Daumen und Zeigefinger die Ohrmuscheln durchkneten. Das entspannt und regt die Durchblutung auch im Nackenbereich an.
  • Wackelpudding: Im Stehen locker hüpfen dabei Arme und Beine kräftig schütteln. Diese Übung kommt dem Bewegungsdrang meiner Kinder besonders entgegen. Ganz nebenbei wird gesamte Muskulatur gelockert.
  • Draußen-Pause: Auch wenn meine Kinder nur sehr kurze Pausen zwischen dem Arbeitsphasen haben, gehen sie dabei vor die Haustür: Eine Runde Roller fahren, rennen oder Seilhüpfen. Bewegung und Tageslicht helfen ihnen, durchzuhalten.

Fazit meiner Medienkompetenzwochen: Reden ist Gold

Beginnend mit den Osterferien haben wir unseren privaten Medien-Crashkurs gestartet. Rückblickend waren unsere familiären Medienkompetenzwochen eine gute Vorbereitung; auch auf die neue digitale Unterrichtssituation. Wir haben einen Familiencomic zum Medienverhalten erstellt, unseren persönlichen Medienvertrag abgeschlossen, eine Ruhezone für die Handys eingerichtet. Wir machten uns Gedanken zur Medienethik, haben uns mit den Problemen im Klassenchat beschäftigt und erfolgreich im Netz recherchiert. Die ganze Familie hat über ihr Medienverhalten reflektiert und dazugelernt. Eine wirklich tolle Erfahrung. Nun, da der Unterricht auf seine neue Art und Weise begonnen hat, läuft es medientechnisch sehr viel geordneter ab und alle profitieren davon.

PCs, Tablets und Handys sind aus unserer Familie nicht wegzudenken; sie sind einfach da. Das bringt viele Vorteile, besonders auch während der Kontakteinschränkungen. Die bewusste Auseinandersetzung mit unserem digitalen Familienleben hat uns vorangebracht. Das war ein guter Anfang, bleibt jedoch ein dauerhafter Entwicklungsprozess. Wir bleiben dran! Aus den Erkenntnissen der letzten Wochen nehme ich auch für die Zukunft einiges mit:

  1. Kinder sollten zu selbständigen und verantwortungsvollen Mediennutzern heranwachsen. Dafür brauchen sie die Freiheit, sich selbst auszuprobieren zu können und die Sicherheit, mit Problemen nicht alleine gelassen zu werden. Dafür werden wir weiterhin im Gespräch bleiben.
  2. Kompetente Mediennutzung ist kein Kinderspiel und ist kein Selbstläufer. Wie auch bei anderen Lernprozessen, brauchen Kinder an den richtigen Stellen Unterstützung und Begleitung, damit sie ihr Ziele erreichen.
  3. Herausforderungen und Probleme lassen sich am besten im entspannten Umfeld besprechen. Gerade beim Sport, beim Spazierengehen oder auch Eisessen kann man mit Kindern gute und ernsthafte Gespräche führen. Meine Kinder genießen diese Art ehrlicher Zuwendung und wachsen daran.
  4. Beim Umgang mit Medien gibt es immer wieder neue Schwierigkeiten und Stolpersteine. Auch andere Familien haben sich schon mit diesen Themen auseinander gesetzt. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Im Netz finden sich tolle Materialien und Anregungen.

Die Autorin ist Pädagogin, Mitarbeiterin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Mutter zweier Kinder.

Seit der Corona-Epidemie ist unsere ganze Familie ständig online: Papa im Homeoffice, die Kinder im Homeschooling und ich texte diesen Artikel gerade in die Cloud. Und nach den Hausaufgaben immer die gleichen Fragen nach Handy und Tablet. Wie können wir es dabei schaffen, ein gesundes Medienverhalten beizubehalten? Als Lehrerin und Mutter zweier Kinder mache ich mir viele Gedanken, wie das gelingen kann. Trotz Corona-Blues und Kontaktsperren werde ich daher ab sofort meine privaten Medienkompetenzwochen auf die Beine stellen. Ich werde ausprobieren, wie man mit einfachen Mitteln die eigene Medienkompetenz und die von Kindern fördern kann.

Julia Heidl

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