Eine Familie im Homeoffice – Plakat zur Medienethik

Julia Heidl

Kerkez/iStock/Getty Images Plus

Aktion 4: Plakat zur Medienethik

In ihrer Kolumne berichtet die LMZ-Mitarbeiterin und zweifache Mutter Julia Heidl über ihre Familienzeit während den Schulschließungen und geht vor allem einer Frage nach: Wie kann die Familie in dieser Zeit ein gesundes Medienverhalten beibehalten und dabei auch noch die Medienkompetenz fördern?

In den letzten Wochen konnten wir in unserer Familie schon einiges in Sachen Medienbildung tun: Wir haben Regeln für die Mediennutzung aufgestellt und nehmen uns bewusst Auszeiten von den Geräten. Das war ein großer Schritt. Dennoch bleibt bei mir Unsicherheit: Was tun meine Kinder, wenn sie allein im Netz unterwegs sind? Klar: Sie spielen, lernen, chatten. Doch wissen sie, wo mögliche Gefahren und Risiken lauern?

Eigenverantwortung im Umgang mit Medien

Wenn meine Kinder im Netz unterwegs sind, kann ich nicht immer danebensitzen. Langfristig sollen sie ja auch eigenverantwortlich und mit der nötigen Vorsicht online gehen. Dass es nicht nur freundliche und ihnen wohlgesonnene Menschen gibt, weiß mein Nachwuchs inzwischen. Spätestens mit der Einschulung und dem selbstständigen Schulweg habe ich versucht, ihnen beizubringen: Lass dich nicht von Fremden ansprechen, steige in keine fremden Autos und gehe nie mit Fremden mit. Genau diese Gespräche gilt es nun auf das Netz zu übertragen.

Mit kleinen Schritten in die richtige Richtung

Gut verständliche Regeln zum Verhalten im Netz finde ich auf der Seite der Hochschule für Medien: Die zehn Gebote der digitalen Ethik. Hinter dem sperrig klingenden Namen verbergen sich zehn kindgerechte Handlungsempfehlungen, die ich gerne auch meinen Jüngsten vermitteln möchte. Mithilfe des Unterrichtsmaterials der Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“ können sich Kinder und Jugendliche eingehender mit den zehn Geboten auseinandersetzen.

Die Idee: Familienplakat zur Medienethik

Doch es bleibt eine Frage offen: Wie sollen sich jetzt meine beiden Nachwuchs-Medienpädagogen die Regeln merken? Am besten gelingt dies anhand praktischer Beispiele, die sie aus eigener Erfahrung kennen. Zu jeder Regel sollen sie ein Beispiel (er-)finden und Verhaltensvorschläge formulieren. Um die Beispiele visuell festzuhalten, schlage ich vor, unser persönliches Medienethik-Plakat gestalten. Schnell haben meine beiden Kinder erste Ideen, wie man die Regeln in die Praxis umsetzen kann.

Gebot 1: „Erzähle und zeige möglichst wenig von dir.“
Meine Tochter möchte ihr Online-Profil bearbeiten: Statt ihres Namens und eines Fotos ihrer Person soll ein Emoji und ein lustiges, ansprechendes Foto zu sehen sein.

Gebot 2: „Akzeptiere nicht, dass du beobachtet wirst und deine Daten gesammelt werden.“
Mein Sohn schlägt vor, den Standort seines Smartphones generell auszuschalten. Wenn er es selbst möchte, kann er ihn im Einzelfall aktivieren. Immer wieder nutzt er auch den Flugmodus, wenn er das Handy nicht braucht oder in der Schule ist.

Gebot 4: „Lasse nicht zu, dass jemand verletzt oder gemobbt wird.“
Während unseres Gesprächs werden auch schwierige Themen angesprochen, die mich aufhorchen lassen. Beispielsweise erfahre ich, dass manche Kinder fiese Sprüche in den Klassenchat schreiben und Fotos von anderen Kindern gegen deren Willen versenden. Meine Kinder schlagen vor, bei Feindseligkeiten frühzeitig einzuschreiten und auch die Lehrer/-innen zu informieren, wenn es rabiat zugeht. Mir wollen sie auch weiterhin davon erzählen, damit sie mit der Situation nicht alleine sind.

Fazit: Lösungen finden ist eine Daueraufgabe

Das Thema „Medienethik“ war nicht einfach, aber es ist uns gelungen, über ein paar einfache Regeln ins Gespräch zu kommen und abstrakte Regeln mit Leben zu füllen. Wir werden unser Plakat gut sichtbar aufhängen und immer weiter mit Beispielen füllen. Mein Fazit: Praxisnahe Medienethik funktioniert nur als Entwicklungsprozess. Ein weiterer „Medienkompetenztag“ geht zu Ende. Doch mein Lieblingsgebot lautet weiterhin: Einfach mal abschalten!    

Die Autorin ist Pädagogin, Mitarbeiterin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Mutter zweier Kinder.

Seit der Corona-Epidemie ist unsere ganze Familie ständig online: Papa im Homeoffice, die Kinder im Homeschooling und ich texte diesen Artikel gerade in die Cloud. Und nach den Hausaufgaben immer die gleichen Fragen nach Handy und Tablet. Wie können wir es dabei schaffen, ein gesundes Medienverhalten beizubehalten? Als Lehrerin und Mutter zweier Kinder mache ich mir viele Gedanken, wie das gelingen kann. Trotz Corona-Blues und Kontaktsperren werde ich daher ab sofort meine privaten Medienkompetenzwochen auf die Beine stellen. Ich werde ausprobieren, wie man mit einfachen Mitteln die eigene Medienkompetenz und die von Kindern fördern kann.

Julia Heidl

E-Mail senden

Diese Seite teilen:

Weitere Informationen

Kategorien: