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Eine Familie im Homeoffice – Internetrecherche will gelernt sein

Julia Heidl

paperstock/iStock/Getty Images Plus

Von ungebetenen Hausgästen und einem Referat über Spatzen

In ihrer Kolumne berichtet die LMZ-Mitarbeiterin und zweifache Mutter Julia Heidl über ihre Familienzeit während den Schulschließungen und geht vor allem einer Frage nach: Wie kann die Familie in dieser Zeit ein gesundes Medienverhalten beibehalten und dabei auch noch die Medienkompetenz fördern?

Kontaktsperre hin oder her: Unsere Hausspatzen wollen sich einfach nicht daran halten. Unter unserem Dach haben sie sich auf engstem Raum eingenistet und täglich können wir ihr munteres Treiben beobachten. Unsere Tochter war letztes Jahr so von unseren gefiederten Untermietern angetan, dass sie sich zu Schuljahresbeginn zu einem Referat über das Thema Spatzen bereiterklärte.

Mittlerweile ist es Ende April, doch von dem Referat weit und breit keine Spur. Nun drängt die Zeit: Eine Internetrecherche soll es richten. Nachdem sie eine Stunde lang Google-Suchergebnisse durchforstet hat, gibt meine Tochter entnervt auf: „Da gibt es nur Unmengen von Bildern irgendwelcher Vögel. Keine Ahnung, ob das Spatzen sind. Ansonsten nur komplizierte Texte, die ich nicht verstehe und viel Werbung für Nistkästen. Mit dem Referat wird es nichts, das Thema ist viel zu schwer!“

Aktion 6: Die Informationsflut mit einem Leitfaden zu Internetrecherche bändigen

Zunächst beruhige ich meine Tochter: „Du schaffst das! Wenn du weißt, wie man bei der Internetrecherche richtig vorgeht, findest du auch gute Ergebnisse.“ Um meiner Tochter beizubringen, wie eine zielgerichtete Onlinerecherche funktioniert, mache ich mich selbst kurz schlau. Im Internet finde ich recht schnell Recherche-Tipps für Kinder. Besonders gut gefallen mir die Broschüre „Recherchieren lernen mit dem Internet“ von Klicksafe und das Unterrichtsmaterial zu Informationskompetenz der Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“. Mein Plan: Mithilfe dieser Informationen verfasse ich einen bündigen „Recherche-Leitfaden“ für meine Tochter.

Den Spatz in der Hand: Wir probieren den Recherche-Leitfaden aus

Angesichts der ernsten Lage – meine Tochter hat soeben verzweifelt die Türe zugeknallt – bereite ich ihren Lieblingsdrink zu: einen Vanille-Erdbeer-Smoothie. Den Recherche-Leitfaden bekommt sie als Nachtisch dazu. Durch die Unterstützung, oder den steigenden Blutzuckerspiegel, ist meine Kleine deutlich motivierter. Den Leitfaden in Form einer Karte hänge ich gut sichtbar über dem Schreibtisch auf. Zusammen probieren wir Schritt für Schritt den neuen Recherche-Leitfaden aus:

  1. Zunächst überlegen wir gemeinsam, welche Suchbegriffe die richtigen sind. Sie müssen sich genau auf das Thema beziehen und grammatikalisch korrekt geschrieben werden. Eingrenzen ist wichtig: Beim Suchbegriff „Spatz“ fällt uns auf, dass es unglaublich viele Spatzenarten gibt. Daher konzentrieren wir uns auf den Begriff „Haussperling“ und suchen ausschließlich danach.
  2. Nun testen wir Kindersuchmaschinen. Meine Tochter findet das uncool: „Das ist doch was für Babys!“ Doch nach einiger Zeit versteht sie, dass sie hier durchaus interessante Inhalte in gut verständlicher Form finden kann. Wir suchen auf www.blinde-kuh.de und www.fragfinn.de. Manche Informationen sind für unsere Zwecke tatsächlich zu kindlich oder oberflächlich. Davon abgesehen finden wir aber auch interessante und tiefergehende Fakten, die verständlich bleiben.
  3. Der Leitfaden scheint zu funktionieren. Dennoch bremse ich etwas und erinnere meine Tochter daran, dass nicht alles, was im Netz steht, unbedingt der Wahrheit entsprechen muss. Um die Inhalte zu prüfen, schauen wir im Impressum nach, wer der Urheber unserer Informationsseiten ist, und vergleichen mehrere Rechercheergebnisse.
  4. Nun kann sich die junge Dame an die Ausarbeitung ihres Referats machen. Bevor ich sie in Ruhe arbeiten lasse, gebe ich ihr noch einen weiteren Tipp: Sie kann Online-Lexika nutzen, um bestimmte Begriffe nachzuschlagen. Damit die Ergebnisse verständlich bleiben, schlage ich ihr www.wissenskarten.de der Medienwerkstatt und www.schuelerlexikon.de von Duden vor.
  5. „Guck mal Mama, dieses Spatzenbild ist so süß! Das möchte ich unbedingt als Startbild für meine Präsentation nutzen.“ Meine Tochter will nun endlich ihr Referat in Stein meißeln. Ich erkläre ihr, dass es auch bei Bildern Urheberrechte gibt. Bei www.fragfinn.de finden sich gute und verständliche  Informationen zur Bildnutzung. Auf der sicheren Seite ist man mit selbst geknipsten Fotos. Da unsere „Spatzen-Models“ fröhlich im Garten zwitschern, wird sich meine Tochter nachher mit der Kamera auf die Lauer legen.

Schritt für Schritt zu guten Rechercheergebnissen

Mein Fazit: Eigentlich erledigt meine Tochter ihre Schulsachen größtenteils selbstständig. Doch ohne mein „Meta-Wissen“ zu Internetrecherche wäre sie schnell an ihre Grenzen gestoßen. Zwar ist das Internet als Informationskanal für Kinder selbstverständlich und unersetzlich. Doch leider führt die Fülle an Informationen nicht automatisch zu guten Ergebnissen und damit zur Wissensvermittlung. Wie man Inhalte sucht, filtert und auswertet, will gelernt sein. Diesem Ziel sind wir heute erfreulicherweise einen Schritt nähergekommen: Nachdem die Spatzenfotos im Kasten waren, hat meine Tochter das Referat recht schnell fertiggestellt.

Die Autorin ist Pädagogin, Mitarbeiterin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Mutter zweier Kinder.

Seit der Corona-Epidemie ist unsere ganze Familie ständig online: Papa im Homeoffice, die Kinder im Homeschooling und ich texte diesen Artikel gerade in die Cloud. Und nach den Hausaufgaben immer die gleichen Fragen nach Handy und Tablet. Wie können wir es dabei schaffen, ein gesundes Medienverhalten beizubehalten? Als Lehrerin und Mutter zweier Kinder mache ich mir viele Gedanken, wie das gelingen kann. Trotz Corona-Blues und Kontaktsperren werde ich daher ab sofort meine privaten Medienkompetenzwochen auf die Beine stellen. Ich werde ausprobieren, wie man mit einfachen Mitteln die eigene Medienkompetenz und die von Kindern fördern kann.

Julia Heidl

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