Eine Familie im Homeoffice – Auch ein Handy muss mal schlafen

Julia Heidl
Handy im selbstgebastelten Bett

Foto: Julia Heidl

Aktion 3: Auch ein Handy muss mal schlafen

In ihrer Kolumne berichtet unser Mitarbeiterin und zweifache Mutter Julia Heidl über ihre Familienzeit während den Schulschließungen und geht vor allem einer Frage nach: Wie kann die Familie in dieser Zeit ein gesundes Medienverhalten beibehalten und dabei auch noch die Medienkompetenz fördern?

Es ist kurz nach 8:00 Uhr, ein normaler Morgen. Ich bin bereits im Homeoffice und versuche mich zu konzentrieren. Meine Kinder haben Ferien. Völlig verschlafen und mit dunklen Augenringen kommt meine Tochter ins Wohnzimmer. Kurz überkommt mich der Gedanke, ob das Kind krank sein könnte, doch dann finden wir ins Gespräch. Nein, sie hat nicht bis in die Nacht ferngesehen. Nein, sie ist nicht zu spät ins Bett gekommen. Nein, sie hat heute Nacht nicht schlecht geträumt. Ratlos sehe ich das Häuflein Elend an. Nach einigem Zögern erklärt mir die müde Prinzessin ihr Problem: Der Klassenchat! Ihre Klassenkameraden konnten wohl auch nicht schlafen. Immer wieder kamen Nachrichten und sie war neugierig genug, diese immer wieder mitzulesen.

Manchmal tut es gut, das Handy wegzulegen
Gar nicht so einfach: Mit Freunden austauschen, mit der Oma chatten und sich gemeinsam über Fotos vom letzten Spaziergang freuen – Das möchte ich meinen Kindern in dieser kontaktarmen Zeit auf keinen Fall verweigern. Doch muss auch Zeit sein zum Schlafen, Spielen, Essen und für den Austausch mit der Familie. Dabei nervt das Handy!

Diese Feststellung ist nicht neu. Eine Kollegin hatte mir schon vor einiger Zeit vom „Handybett“ der Auerbach Stiftung erzählt. Die Idee gefiel mir damals schon ausgesprochen gut. Für das Handybett gibt es professionelles Material und digitale Unterstützung, für Eltern und Lehrkräfte. Das begeistert mich wirklich. In einem kindgerechtem Video wird anschaulich erklärt, worum es geht: Einfache Handyregeln – auch für Mama und Papa. Im Mittelpunkt des Unterrichtsmaterials steht ein kleines Pappbett, das man bestellen kann und dann noch selbst zusammenbaut. Auch eine begleitende App steht zur Verfügung.

Unser Bettenlager im Wohnzimmer

Wir nutzen die gute Idee, wollen sie aber mit eigenen Mitteln umsetzen: Meine Tochter plündert das Puppenhaus. Als klar wird, dass auch Mamas und Papas Handy schlafen soll, ist dann auch mein Sohn von der Idee überzeugt. Wir beschließen, dass alle unsere Handys ab sofort im Wohnzimmer übernachten. Auch beim Mittagessen bekommen die Handys eine Auszeit – das war dringend nötig, finde ich. Darüber hinaus werden wir immer mal überlegen, ob die Handys – beziehungsweise wir – zwischendurch mal eine Pause brauchen. Und heute Abend um 20:00 Uhr, wenn alle zur Tagesschau zusammenkommen, fallen alle Handys in den Tiefschlaf…

Wieder zeigt sich: Medienkompetenz funktioniert nur mit echten Vorbildern! Mir ist klar geworden, dass die Kinder ebenfalls oft genervt sind, wenn Freunde und Familie dem Handy mehr Interesse schenken, als einer gemeinsamen Aktivität. Die Schlafecke für Handys ermöglicht es, sich handelnd und bewusst von den Geräten zu distanzieren. Das wird uns gut tun!

Tipp: Broschüre für Eltern

Die Broschüre gibt Orientierung, Handlungsempfehlungen und spielerisch-kreative Anregungen für eine altersgerechte Medienerziehung, die ein gutes Aufwachsen von (Klein-)Kindern in der heutigen Medienwelt zum Ziel hat. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher erhalten wertvolle Tipps zur Medienerziehung von Kindergartenkindern.

Die Autorin ist Pädagogin, Mitarbeiterin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Mutter zweier Kinder.

Seit der Corona-Epidemie ist unsere ganze Familie ständig online: Papa im Homeoffice, die Kinder im Fernunterricht und ich texte diesen Artikel gerade in die Cloud. Und nach den Hausaufgaben immer die gleichen Fragen nach Handy und Tablet. Wie können wir es dabei schaffen, ein gesundes Medienverhalten beizubehalten? Als Lehrerin und Mutter zweier Kinder mache ich mir viele Gedanken, wie das gelingen kann. Trotz Corona-Blues und Kontaktsperren werde ich daher ab sofort meine privaten Medienkompetenzwochen auf die Beine stellen. Ich werde ausprobieren, wie man mit einfachen Mitteln die eigene Medienkompetenz und die von Kindern fördern kann.

Die Welt entdecken – Medien gehören dazu (Broschüre, PDF)

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