Corona und Grundschulunterricht

Anja Würdinger
Mädchen lernt das Alphabet am Tablet

Mädchen lernt das Alphabet am Tablet | gpointstudio/iStock/GettyImages Plus via Getty Images

Erfahrungen der Kastanienhof Grundschule Oberhausen

Die Schulschließungen im März waren für alle eine Überraschung. Schnell mussten auch in den Grundschulen Baden-Württembergs digitale Lösungen für das Lernen und Unterrichten von zu Hause gefunden werden.

Die Kastanienhof Grundschule Oberhausen, Referenzgrundschule für Medienbildung im Kreis Karlsruhe-Land, stellte ihre Lösungen im Rahmen eines Online-Seminars des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) am 13. Juli 2020 vor. Als Referentinnen zu Gast waren die Rektorin Andrea Lotz sowie die Multimedia-Beraterin der Schule Silke Knebel.

Als erste Maßnahme nach den Schulschließungen im März wurden in der Kastanienhof Grundschule eilig Materialpakete in Papierform für alle Schülerinnen und Schüler zusammengestellt. Anschließend konnten die Aufgaben in Taschen oder Kisten verpackt auf dem Schulhof abgeholt werden. Mindestens zwei Lehrkräfte waren bei diesen Übergaben anwesend. Dadurch konnte ein unmittelbarer Austausch zwischen Lehrer/-innen und Eltern stattfinden. Selbstverständlich unter Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen wie Sicherheitsabstand oder Maske tragen. Nach den Osterferien wurde schnell deutlich, dass die Schulschließung doch länger anhalten würde, als zuerst angenommen. Deshalb musste ein zusätzlicher digitaler Weg gefunden werden, um Hilfestellungen zu neuen Inhalten, Erklärvideos und sonstige Informationen an die Schülerinnen und Schüler heranzutragen.

Um digitales Lernen überhaupt möglich zu machen, wurden die schuleigenen Laptops mithilfe von Leihverträgen an Schülerinnen und Schüler ausgegeben, die entweder keinen Zugriff auf eigene Hardware hatten oder bei denen die familieneigenen Geräte von den Eltern für eigene Arbeitszwecke gebraucht wurden.

Der Versuch der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler mithilfe von E-Mails ihre Unterstützung anzubieten, entwickelte sich schnell zu einer unübersichtlichen „Mailflut“ in den Postfächern der Eltern. Deshalb entschied sich das Lehrerkollegium zur Verwendung der Online-Plattform „Padlet“.Dabei handelt es sich um ein Online-Tool, mit dessen Hilfe digitale Pinnwände und Merklisten erstellt und geteilt werden können.

Damit Padlet in „Betrieb“ genommen werden konnte, waren im Vorfeld viele Online-Lehrerkonferenzen nötig. Lehrkräfte ohne Vorkenntnisse wurden von Kolleginnen und Kollegen dahingehend geschult, sodass auch sie allmählich mit dieser Plattform vertraut wurden. Schnell wurde klar, dass es in Padlet eine Pinnwand nur für die Lehrerschaft geben muss. Diese wurde als Ideensammlung genutzt und half dabei, untereinander im Kontakt zu bleiben.

In sogenannten „Tandems“, bestehend aus einer medien-affinen Lehrkraft und einer weniger erfahrenen, fand außerdem ein reger Wissensaustausch statt. Weitere Lehrkräfte aus dem Kollegium besuchten zudem Online-Seminare zu interessanter Software und gaben ihr Wissen an das gesamte Kollegium weiter.

Da alle Klassen einheitlich arbeiten sollten, wurde auf der Plattform Padlet jeweils eine Klassen-Pinnwand angelegt, die von den Lehrkräften vor allem sonntagabends gepflegt wurde. Auf diesen Pinnwänden können Materialien wie Links, Erklärvideos, Wochenpläne und vieles mehr abgelegt werden. Auch Erklärvideos, Erläuterungen zu neuen Unterrichtsinhalten oder Bewegungstipps konnten dort hochgeladen werden. Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Lösung mit den digitalen Pinnwänden sehr gut an und kamen damit gut zurecht.

Für erledigten Aufgaben und Erklärvideos wurde eine „Archiv-Pinnwand“ erstellt, auf die jede Lehrkraft Zugriff hatte.  Dort können abgelegten Materialien jederzeit wieder „hervorgeholt“ werden. Laut Rektorin Andrea Lotz sowie Multimedia-Beraterin Silke Knebel hat sich dies bereits jetzt bewährt.

Auch nach der schrittweisen Schulöffnung, nutzt die Kastanienhof Grundschule die Plattform Padlet weiterhin. Beispielsweise werden Tafelanschriebe abfotografiert und dort hochgeladen. Kinder, die während des Unterrichts nicht mit ihren Aufgaben fertig werden, können von Zuhause nochmals die Anschriebe ansehen und ihre Aufgaben fertigstellen. Auch kranke Kinder, die den Unterricht nicht besuchen können, haben somit Zugriff auf die bearbeiteten Unterrichtsthemen. Der Präsenzunterricht wird durch diese digitale Möglichkeit bereichert, da auch das Nacharbeiten von Unterrichtsinhalten möglich wird. Die Schüler/-innen sind nach wie vor regelmäßig auf den Pinnwänden unterwegs.

Durch dieses Vorgehen könnte bei erneuten Schulschließungen der digitale Unterricht leichter umgesetzt werden, als dies im März der Fall war.

 

Anja Würdinger

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