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WhatsApp statt Telefon – Die Ergebnisse der 18. Shell Jugendstudie

Madeleine Hankele-Gauß
Teenagerinnen mit Smartpones unter Sonnenschirm

Getty Images/Valeriy_G

Wie 12- bis 25-Jährige medial ticken

Zwei junge Frauen sitzen an einer U-Bahn-Haltestelle und starren gebannt auf ein Smartphone. Eine der beiden hat soeben eine Sprachnachricht an ihren Freund versendet. Ungeduldig meint die Jugendliche zu ihrer Freundin: „Zum Glück sieht man an den Häkchen, wann er die Nachricht abgespielt hat. Noch besser wäre es aber, wenn man sofort auf die Nachricht antworten müsste.“

Die in Stuttgart beobachtete Szene könnte nicht charakteristischer dafür sein, wie die Generation der Stunde ihr Smartphone nutzt: Nicht zum Telefonieren, sondern zum Versenden von WhatsApp-Nachrichten. Dies ist auch eines der zentralen Ergebnisse der 18. Shell Jugendstudie, die vor kurzem in Berlin veröffentlicht wurde. Um herauszufinden, wie die 12- bis 25-Jährigen im Jahr 2019 unter anderem medial ticken, befragte das Marktforschungsunternehmen Kantar im Frühjahr 2019 über 2.500 Jugendliche in der ganzen Bundesrepublik.

Smartphone als verlängerter Arm, WhatsApp als Daumen

Für drei Viertel aller Befragten ist ihr Smartphone das unangefochtene Medium für Onlineaktivitäten. Laptop, Tablet und Desktop-PC sind ihm gegenüber weit abgeschlagen. Mit ihrem „verlängerten Arm“ verbringen Jugendliche dabei durchschnittlich 3,7 Stunden am Tag online. Spinnt man die Metapher vom Smartphone als verlängertem Arm weiter, ist WhatsApp eindeutig der Daumen, während YouTube und Google als digitale Zeigefinger dienen.

Denn WhatsApp, YouTube und Google sind nicht nur die drei wichtigsten Online-Anwendungen der Teens und jungen Twens. Sie spiegeln auch wider, zu welchen drei Hauptzwecken die Jugendlichen ihr Internet täglich nutzen: Kommunikation (96 %), Unterhaltung (76 %) und Informationssuche (71 %). In allen drei Bereichen ist deutlich erkennbar, dass die 12- bis 25-Jährigen zugunsten von digitalen Medien immer stärker auf klassische Medien verzichten: Messenger-Dienste statt Telefon, Streaming von Serien, Filmen und Musik statt TV und Radio, Nachrichten-Websites statt Tageszeitung.

Mehr Vertrauen in klassische als in digitale Medien

Trotz dieses Trends genießen klassische Medien unter den Jugendlichen deutlich mehr Vertrauen als digitale Medien. Während 70 bis 80 Prozent der Studienteilnehmer/-innen ARD und ZDF sowie den überregionalen Tageszeitungen vertraut, hält lediglich jede/-r Zweite YouTube und sogar nur jede/-r Vierte Facebook und Twitter für vertrauenswürdig.

Eine ähnlich zwiespältige Einstellung lässt sich gegenüber WhatsApp beobachten. Hierzu meint die Sozialforscherin Hilde Utzmann, eine der Autoren/-innen der Studie: „[E]s ist ein Must-have. Und auch diejenigen, die Vorbehalten haben aus Datenschutzgründen […] und zum Beispiel lieber Signal verwenden würden, fühlen sich praktisch gezwungen, auch WhatsApp zu nutzen.“

Vier Typen von Internetnutzern

Wie sich die 12- bis 25-Jährigen in ihrer Internetnutzung unterscheiden, hat die Shell Jugendstudie ebenfalls untersucht. Dabei hat sie vier Typen von Internetnutzern/-innen ausgemacht. Der/die tendenziell junge „Unterhaltungs-Konsument/-in“ nutzt aktiv soziale Medien und hat weniger Datenschutzbedenken als der Durchschnitt. Im Gegensatz dazu sind es Messengerdienste und Informationen, die die eher weibliche und vorsichtigere „Funktions-Nutzerin“ ins Internet locken. Der tendenziell männliche, ältere und gebildete „Intensiv-Allrounder“ informiert sich im Netz vorwiegend politisch, gesellschaftlich und beruflich. Eine Minderheit der Jugendlichen, die sogenannten „Uploader/-innen“, inszenieren sich selbst in den sozialen Netzwerken mithilfe eigener Fotos, Videos, Musik- oder Blogbeiträge.

Zu den Infografiken der 18. Shell Jugendstudie

Zum Podcast #dieseJugend: Mediennutzung mit Sophie Passmann

Video: Stimmen der Jugendlichen

Madeleine Hankele-Gauß

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