Wenn die Puppe zuhört – Smartes Spielzeug als Privatsphäre-Risiko?

Madeleine Hankele-Gauß
Ein Mädchen hält eine Puppe hoch und schaut sie erwartungsvoll an.

Getty/YakobchukOlena

Arbeitspapier der Berlin-Group zu smartem Spielzeug veröffentlicht

Es ist ein Horrorszenario für alle Eltern: Ein Kind kommuniziert über eine smarte Puppe mit einem/-r Verbrecher/-in. Diese/r gewinnt das Vertrauen des Kindes und gelangt so ins Elternhaus. In der aufsehenerregenden Folge des Münchner Tatorts, „Wir kriegen euch alle“, endet diese Kontaktaufnahme über das Spielzeug tragisch – mit dem Mord an den beiden Eltern des Kindes.

Damit intelligente Spielzeuge in der Realität nicht zu Gefahrenquellen werden, hat die sogenannte Berlin-Group vor Kurzem zwei Arbeitspapiere zur Privatsphäre von Kindern veröffentlicht. Eines der Arbeitspapiere der „Internationalen Arbeitsgruppe zum Datenschutz in der Telekommunikation“, kurz Berlin-Group, befasst sich dabei mit smartem Spielzeug.

Vier verschiedene Arten von smartem Spielzeug

Bei smartem Spielzeug handelt es sich um Spielzeug mit integrierter technischer Hardware, das auf seine kindlichen Nutzer/-innen reagieren kann. Über eingebaute Sensoren, Mikrofone und Kameras sammeln Smart Toys Informationen über ihre Umgebung. Unvernetzte Smart Toys verarbeiten diese lokal. Im Gegensatz dazu senden vernetzte Smart Toys Daten über eine Funk- oder WLAN-Schnittstelle an externe Server und verarbeiten diese dort.

Laut Verbraucherzentrale gibt es vier verschiedene Arten von intelligenten Spielgeräten: Spielfiguren mit Spracherkennung, per App ferngesteuerte Spielzeuge, Roboterspielzeuge und elektronische Lernspielzeuge wie Lern-Tablets oder interaktive Lernglobusse.

Privatsphäre-Risiken von smartem Spielzeug

Die smarten Spielzeuge erfassen dabei unter anderem den Standort des Kindes, aufgenommene Fotos, Videos oder Audios, personenbezogene Daten wie den Namen oder sogar Gesundheitsdaten. In ihrem Arbeitspapier machen die Datenschützer/-innen daher auf folgende Privatsphäre-Risiken aufmerksam:

  • Sicherheit: Einige smarte Spielzeuge haben Sicherheitslücken, die ausgenutzt werden können, um Daten auszulesen oder in Kommunikation mit dem Kind zu treten. Dies hängt damit zusammen, dass beim Verbinden dieser Smart Toys mit mobilen Endgeräten via Bluetooth keine Authentifizierung erfolgt.
  • Datenschutz: Viele Hersteller intelligenter Spielzeuge lassen ihre Kunden weitgehend im Unklaren darüber, in welchem Ausmaß und für welche Zwecke Daten verwendet, gespeichert oder an Dritte weitergegeben werden. Manche Smart Toys greifen dabei sogar auf Daten aus Kontaktlisten zu. Die Speicherdauer ist zum Teil sehr lang oder unbegrenzt.
  • Geschäftsbedingungen: Die Geschäftsbedingungen vieler Smart Toys sind weder produktspezifisch noch in eindeutiger, verständlicher Sprache verfasst. Zudem behalten sich die Herstellerfirmen häufig vor, die Geschäftsbedingungen jederzeit ändern zu können.

Empfehlungen für Hersteller und Eltern zum Umgang mit smartem Spielzeug

Um die Privatsphären von Kindern in Zukunft besser zu schützen, fordern die Datenschützer/-innen der Berlin-Group die Hersteller von intelligenten Spielgeräten dazu auf, ein Mindestmaß an Sicherheitsstandards einzuhalten. Dazu gehören aus ihrer Sicht verschlüsselte und passwortgeschützte Bluetooth- und WLAN-Verbindungen. Über ein Dashboard – ein digitales Armaturenbrett – sollen Eltern den Überblick über gespeicherte Daten und Privatsphäre-Einstellungen behalten. Im Spielzeug integrierte Sensoren, Mikrofone und Kameras sollten ausschließlich manuell aktivierbar sein und z. B. durch ein leuchtendes Lämpchen angezeigt werden.

Smarte Geräte sollten standardmäßig nicht mehr Daten sammeln, als für die Funktionalität des Gerätes unbedingt notwendig ist. Eltern achten am besten bereits beim Kauf auf den Umfang der technischen Hardware und der damit erfassbaren Daten – und halten diesen möglichst gering. Ausschalten lautet die Devise, wird das smarte Spielzeug nicht genutzt.

Den Herstellern empfiehlt die Berlin-Group darüber hinaus, ihre Geschäftsbedingungen produktspezifisch, in überschaubarer Länge und in verständlicher Sprache zugänglich zu machen. Zusätzlich sollte es für Kinder eine grafisch aufbereitete Version der Geschäftsbedingungen in einfacher Sprache geben.

Zum Arbeitspapier über smartes Spielzeug der Berlin-Group

Zur Studie „Vernetztes Kinderspielzeug“ der Verbraucherzentrale

Madeleine Hankele-Gauß

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