Warnung für Eltern: Alexa birgt Risiken für Kinder

Ulrike Boscher
Produktwerbung Alexa

GettyImages/Bild-Nr. 699758980

Gutachten des Bundestages: Schwachstelle Datenschutz

Für Skeptiker von „Big Data“ kommt die ganze Diskussion um den Sprachassistenzen von Amazon, Alexa, nicht wirklich überraschend. Nun hat sich auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages mit der Frage beschäftigt: Darf Amazon die Mitschnitte der Sprachsoftware Alexa auswerten und speichern? „JEIN“, lautet die Antwort. Einerseits ist Amazon seiner Informationspflicht gemäß der Datenschutzordnung in hinreichendem Maß nachgekommen. Andererseits gibt es zwei Personengruppen, die man noch stärker schützen müsste: Minderjährige und unbeteiligte Dritte, die gar nicht wissen, dass sie abgehört werden. Sie sollten von einer Datensammlung ausgenommen sein, fordert der Wissenschaftliche Dienst in seinem Gutachten. Nur wie?

Hier bietet Amazon noch keine zufriedenstellende Lösung. Mit einem Haken „Ich stimme zu“ ist es jedenfalls nicht getan, meint der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann: Er fordert eine Einwilligungserklärung mit detaillierten Angaben zu möglichen Risiken, die der Nutzer eingeht, wenn er Daten von einzelnen Personen oder von unbeteiligten Dritten über seine Spracherkennung weitergibt, so Fokus Online.

Kinderversion ohne richtige Kindersicherung

Wo liegt das Problem? Kinder sind im Umgang mit Sprachassistenten arglos, neugierig und experimentierfreudig. Mit ihrer Spracheingabe könnten sie Informationen preisgeben, die nicht für andere bestimmt sind, oder kinder- und jugendgefährdende Inhalte im Internet abrufen. Außerdem würden Sprachassistenten immer wieder versehentlich im Raum aktiviert. Dadurch können Gespräche von Kindern und Dritten ohne deren Wissen mitgeschnitten und ausgewertet werden.

Amazon bietet zwar eine Kinderversion für den Sprachassistenten, die verschiedene Stimmen unterscheiden kann, es gibt jedoch noch keine Möglichkeit, „Kinder von der Nutzung auszuschließen oder deren Zugriff auf bestimmte Inhalte zu beschränken“, berichtet Spiegel Online in einer Meldung vom 9. Juli 2019. Einkäufe per Sprachbefehl funktionieren zwar mit Pin-Code-Schutz, alle anderen Funktionen sind jedoch für Kinder frei zugänglich.

Was passiert mit den Daten in Zukunft? Keine Antwort.

Amazon speichert alle Sprachbefehle auf seinen Servern und wertet diese aus. Kritisch merkt der Wissenschaftliche Dienst an, dass es in den Nutzungsbedingungen von Amazon keine Angaben zur Speicherungsdauer gibt. Damit geben die Nutzer ihre Daten zunächst unbefristet ab, ohne zu wissen, was damit passieren wird. Schon heute liegen in der Amazon Cloud gigantisch große Datenmengen, die täglich um ein Vielfaches anwachsen. Amazon ist darauf angewiesen, denn Sprachassistenten sind selbstlernende KI-Systeme, die kontinuierlich Datenfutter brauchen. Je mehr Sprachbefehle ausgewertet werden können, desto besser für den Algorithmus und die qualitative Verbesserung der Spracherkennung. Nur was würde bei einem Hackerangriff passieren? Bisher gab es zum Glück noch keine Sicherheitslücken, das Risiko eines Datendiebstahls bleibt - mit nicht absehbaren Folgen.

Vor einem Jahr gab es eine Panne in den USA, berichtet der General Anzeiger. Eine Serie von Hörfehlern führte dazu, dass das Gespräch eines Paares aufgenommen und versehentlich an Dritte verschickt wurde.

Mit Alexa lassen sich Sprachnachrichten verschicken, die sensible Daten berühren können. Mit dem Befehl „Alexa, lerne meine Stimme“ können alle Nutzer, also auch Kinder, persönliche Stimmprofile einrichten. Die Stimmerkennung ermöglicht es Eltern allerdings nicht, das Gerät für ihre Kinder oder Mitbewohner zu sperren. Mögliche Risiken des Datenmissbrauchs sieht die Grünen Abgeordnete Renate Künast auch darin, dass die Daten der Stimmerkennung mit Social-Media-Profilen verknüpft werden können.

„Alexa, lösche, was ich gerade gesagt habe“

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann die Aufzeichnungen auf den Servern löschen lassen.

  • Folgen Sie diesem Link
  • Melden Sie sich an Ihrem Konto an.
  • Wählen Sie in der oberen Leiste „Alexa-Datenschutz“ aus.
  • Klicken Sie auf „Sprachaufnahmen-Verlauf überprüfen“.
  • Entfernen Sie alle oder ausgewählte Aufzeichnungen. Das geht übrigens auch per Sprachbefehl.

Alexa ist kein Geschwisterchen zur Unterhaltung

Zurück ins Kinderzimmer. Eltern sollten sich gut überlegen, ob der Sprachassistent Alexa ins Kinderzimmer gehört. Besser wäre eine gemeinsame, familiäre Nutzung unter Aufsicht. Trotz der genannten Risiken landet der kleine, beliebte Sprachassistent mit dem Elefantengedächtnis immer noch häufig bei Kindergeburtstagen auf dem Gabentisch. „Alexa, wie hat der VfB heute gespielt?“, „Alexa, wie funktioniert Photosynthese?“, „Alexa, spiele mir „Old Town Road“ von Lil Nas X … oh Alexa, ist so süß!

Ulrike Boscher

Diese Seite teilen:

Weitere Informationen

Kategorien: