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Studie zur Digitalkompetenz: Deutsche Achtklässler nur internationales Mittelmaß

Sascha Schmidt

Ein Drittel der Schüler auf den untersten Kompetenzstufen

Die deutschen Schülerinnen und Schüler der achten Klassenstufe sind im Umgang mit Computern nur mäßig fit. Zu diesem Ergebnis kommt die International Computer and Information Literacy Study 2018 (ICILS), die nach 2013 zum zweiten Mal die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Achtklässlerinnen und Achtklässlern im internationalen Vergleich untersucht.

Die Ergebnisse von ICILS 2013 hatten bereits zahlreiche Entwicklungsbedarfe hinsichtlich der Digitalisierungsprozesse im deutschen Bildungswesen aufgezeigt. Diese Bedarfe, sowohl bezogen auf die schulischen Rahmenbedingungen (beispielsweise die IT-Ausstattung) als auch auf die Kompetenzstände der Schüler/-innen, zeigen sich gleichermaßen in den Ergebnissen von ICILS 2018. Die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen der Achtklässlerinnen und Achtklässlern 2018 (518 Leistungspunkte) unterscheiden sich dabei kaum in Bezug auf die Ergebnisse aus 2013 (523 Leistungspunkte). Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Ergebnisse über dem europäischen Mittelwert von 509 Punkten, aber deutlich hinter Spitzenreiter Dänemark mit 553 Punkten.

Die Studie ordnet die Kompetenzniveaus insgesamt fünf Stufen zu. Die höchste Kompetenzstufe erreichen lediglich 1,9 Prozent der deutschen Schüler/-innen. Die unteren beiden Kompetenzstufen weisen hingegen einen auffällig hohen Anteil von 33,2 Prozent auf. Schüler/-innen, die diesen beiden Kompetenzstufen zugewiesen werden, verfügen nur über äußerst rudimentäre computer- und informationsbezogene Kompetenzen.

Innerhalb Deutschlands ist eine auffallende Heterogenität bei den Kompetenzniveaus festzustellen. So erreichen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums durchschnittlich 568 Leistungspunkte, während die restlichen Schularten der Sekundarstufe I mit 493 Punkten deutlich darunter liegen. Zudem fallen Unterschiede hinsichtlich der Herkunft der Schüler/-innen auf: Jugendliche aus sozioökonomisch weniger privilegierten Elternhäusern erreichen im Vergleich wesentlich geringere Leistungsniveaus in Sachen computer- und informationsbezogene Kompetenzen. Gleiches gilt für Jugendliche mit Zuwanderungshintergrund, bei denen beide Elternteile im Ausland geboren sind. Generell erzielen Mädchen in Deutschland mit durchschnittlich 526 Leistungspunkten höhere Werte als Jungen (511 Punkte).

Mangelnde IT-Ausstattung an Schulen

Das durchschnittliche IT-Ausstattungsverhältnis Schüler/-innen zu digitalen Endgeräten beträgt in Deutschland 10:1. Etwa 15 Prozent der Achtklässler/-innen in Deutschland besuchen eine Schule, bei der sie selbst digitale Endgeräte in den Unterricht mitbringen. Zum Vergleich: In Dänemark liegt dieser Wert bei 91 Prozent. In nur drei Prozent der deutschen Schulen sind alle Lehrkräfte mit einem eigenen, tragbaren digitalen Endgerät ausgestattet (Dänemark: 91 %, internationaler Mittelwert: 24 %). Lediglich 26 Prozent der deutschen Schulen verfügen über ein eigenes WLAN-Netzwerk. Der internationale Durchschnitt liegt hier bei 65 Prozent.

Die schulische IT-Ausstattung in Deutschland wird von den schulischen Akteuren 2018 noch kritischer eingeschätzt als 2013. Dennoch empfinden mehr als zwei Drittel der Schulleitungen digitalisierungsbezogene Zielsetzungen der Schule als wichtig. Defizite sind nach wie vor in der Lehrerausbildung festzustellen: Nur etwa ein Viertel der befragten Lehrkräfte gibt an, im Rahmen der Lehrerausbildung gelernt zu haben, wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden können.

Ein deutlicher Unterschied zu 2013 zeigt sich in der generellen Nutzung digitaler Medien durch Lehrkräfte: 2018 nutzen 60 Prozent der Lehrkräfte digitale Medien mindestens wöchentlich, während es 2013 nur etwa 34 Prozent waren. Die häufigste Nutzungsform von digitalen Medien im Unterricht ist das Präsentieren von Informationen im Frontalunterricht. Etwa 23 Prozent der Achtklässlerinnen und Achtklässler nutzen zumindest wöchentlich digitale Medien für schulische Zwecke. Am häufigsten kommen digitale Medien im Fach Informatik zum Einsatz, am wenigsten im Mathematikunterricht. Fast doppelt so viele Schüler/-innen geben allerdings an, digitale Medien außerhalb der Schule beispielsweise für Hausaufgaben heranzuziehen.

Im Rahmen der ICILS-Studie 2018 wurden insgesamt 3.655 Schüler/-innen der achten Jahrgangsstufe und 2.386 Lehrkräfte, die in der achten Klassenstufe unterrichten, befragt und computerbasierte Kompetenztests durchgeführt.

DigitalPakt Schule und Medienentwicklungsplan

Auch wenn sich nach wie vor erhebliche Entwicklungsbedarfe zeigen, wird im Vergleich zu den Befunden aus ICILS 2013 deutlich, dass sich das Engagement auf der Schulebene sowie im Fortbildungsbereich verändert hat. Auch das Lernen und Lehren mit digitalen Medien sowie die Förderung auf Ebene der Bundesländer nimmt inzwischen eine größere Rolle ein. Mit dem DigitalPakt Schule stellt der Bund aktuell Fördergelder bereit, um die Digitalisierung an den Schulen voranzubringen. Der Erhalt der Fördergelder setzt für Schulen in Baden-Württemberg das Durchlaufen eines Medienentwicklungsplans voraus. Mehr Informationen zum DigitalPakt Schule und zum Medienentwicklungsplan finden Sie hier.

Sascha Schmidt

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