Stadtgeschichte digital entdecken: das Stadtlexikon Stuttgart

Jiří Hönes
Katharina Beiergrößlein und Günter Riederer

Katharina Beiergrößlein und Günter Riederer vom Stadtarchiv Stuttgart: Mit ihrem digitalen Stadtlexikon wollen sie sich von gedruckten Lexika absetzen und die Möglichkeiten der digitalen Technik ausschöpfen. | Jiří Hönes

Das Stadtarchiv stellte beim Fachtag Geschichte sein Online-Lexikon vor

Per Schieberegler von einer historischen Karte in die Gegenwart überblenden, geschichtlich bedeutsame Orte in der Umgebung aufspüren und frei nutzbare Bildquellen dazu finden – all das geht mit dem Stadtlexikon Stuttgart, das Katharina Beiergrößlein und Günter Riederer vom Stadtarchiv beim siebten Fachtag Geschichte im Stadtmedienzentrum Stuttgart vorgestellt haben.

Ihr Ziel war es, ein digitales Stadtlexikon zu erstellen, das die Möglichkeiten der digitalen Technik nutzt, wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und gleichzeitig einen niederschwelligen Zugang bietet. Dazu holte sich das Stadtarchiv Unterstützung vom Stadtmessungsamt, denn das Herzstück des digitalen Lexikons sind die historischen Karten. „Geschichte spielt sich immer im Raum ab“, betonte Riederer. Das habe man versucht, mithilfe moderner Technik erlebbar zu machen. Jeder Eintrag im Lexikon ist daher an einem Punkt auf der Karte verortet. Bei Personen sind dies in der Regel Geburts- oder Wirkungsorte. Das webbasierte Angebot ist responsiv, also auf allen Endgeräten vom PC über das Tablet bis zum Smartphone nutzbar. Bei mobilen Geräten können über die Ortungsfunktion die Einträge in der direkten Umgebung auf der Karte angezeigt werden.

Auf einer Exkursion im Stadtgebiet werden die 42 historischen Karten besonders spannend. Sie sind als Ebenen in der Website georeferenziert hinterlegt, sodass man die Ansicht wechseln kann: Von der heutigen Karte zum Stadtplan von 1950 oder 1915 oder gar zur Flurkarte der Landesvermessung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit einem Schieberegler lässt sich von der historischen Karte auf die aktuelle überblenden. So schafft es das Lexikon, die Zeitdimension in die ansonsten statische Karte einzubinden. Schaut man sich etwa die Umgebung des Landesmedienzentrums an, so zeigt sich, dass das Gebäude 1926 schon stand. Auf dem Plan von 1915 ist das Gelände dagegen noch unbebaut und es findet sich an dieser Stelle eine geplante Verlängerung der Raitelsbergstraße auf dem Plan. Wegen des Ersten Weltkriegs kam es wohl nie zu deren Realisierung.

Kolonie Ostheim im 1895

So sah es am Ende des 19. Jahrhunderts in der Umgebung des heutigen Stadtmedienzentrums Stuttgart aus: Die Kolonie Ostheim um 1895. | Stadtarchiv Stuttgart | CC BY-SA 3.0

Wissenschaftlicher Anspruch an den Inhalt, intuitive Bedienbarkeit

Bis auf die Flurkarten stammen die Pläne alle aus den Beständen des Stadtarchivs. So dient das Lexikon auch als Schaufenster des Archivs, die Nutzer bekommen eine Vorschau darauf, was es dort alles zu entdecken gibt. Das gilt auch für Bildquellen. Denn jedem Artikel sind Illustrationen beigegeben, die ebenfalls aus eigenen Beständen stammen, sowie Fotos, Postkarten, Gemälde oder Dokumente. Letztere sind, wenn es sich um Handschriften handelt, zudem als Transkriptionen verfügbar.

Das Stadtlexikon versteht sich als wissenschaftliche Publikation und richtet sich gleichermaßen an Historiker, historisch interessierte Personen wie an Bildungseinrichtungen. Man möchte fachliche Qualität mit einem niedrigschwelligen Zugang verbinden. Die Artikel sind allesamt von Fachleuten verfasst. Momentan gibt es 156 Artikel von mehr als 100 Autorinnen und Autoren. Das Redaktionsteam ist bemüht, ausgewiesene Expertinnen und Experten für die einzelnen Themen zu finden. Darin unterscheidet sich das Projekt bewusst von kollaborativen Plattformen wie Wikipedia oder dem Stadtwiki.

Was das Stadtlexikon dagegen mit diesen gemeinsam hat: Es ist kein abgeschlossenes Produkt, sondern soll stetig wachsen. Stadtarchivarin Beiergrößlein kündigte an, dass in Zukunft auch kürzere Artikel aufgenommen werden sollen, etwa zu Kleindenkmalen.

Die den Artikeln beigegebenen Abbildungen sind größtenteils unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA 3.0) veröffentlicht und können daher frei weiterverwendet werden, wenn das Stadtarchiv als Urheber genannt wird und die Verbreitung unter gleichen Bedingungen erfolgt.

Im Unterricht lässt sich das Stadtlexikon hervorragend für Rechercheaufgaben einsetzen. Schülerinnen und Schüler können zum Beispiel anhand des Lexikons die historischen Veränderungen im Stadtraum nachvollziehen und die frühere Nutzung von Gebäuden herausfinden oder die Umbenennung von Straßen erkunden. Aufgrund der freien Lizenzen des Bildmaterials eignet sich das Stadtlexikon auch hervorragend für die Bebilderung von Schülerblogs, Präsentationen oder anderen Veröffentlichungen.

Unter der Adresse www.stadtlexikon-stuttgart.de kann das Lexikon von jedem internetfähigen Endgerät aus abgerufen werden.

Zur Website des Stadtlexikons

Zum Nachbericht des Fachtages

Jiří Hönes

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