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Schrei im Netz – Wie erfolgreich entfernen soziale Netzwerke Hatespeech?

Madeleine Hankele-Gauß
Löschquote illegaler Hatespeech

Grafik: Madeleine Hankele-Gauß, Daten: INACH/sCAN Monitoring Report May-June 2019

Neue Studie zum Verhaltenskodex zur Bekämpfung illegaler Hatespeech

Liest man sich durch die Kommentare unter Texten, Bildern oder Videos auf sozialen Netzwerken, fühlt man sich nicht selten an das Gemälde „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch erinnert. Die „Schreier/-innen“ im Netz greifen mit ihren hasserfüllten Kommentaren willkürlich andere Menschen an und würdigen sie herab – aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, ihres Geschlechts, Glaubens, ihrer sexuellen Orientierung oder politischen Einstellung.

Damit die verletzenden Schreie nur möglichst kurz nachhallen können, haben die sozialen Netzwerke Facebook, Instagram, YouTube und Twitter im Jahr 2016 mit der Europäischen Kommission einen Verhaltenskodex zur Bekämpfung illegaler Hatespeech unterzeichnet. Dem Kodex zufolge müssen sie Verdachtsfällen illegaler Hassrede binnen 24 Stunden nachgehen. In der gleichen Zeitspanne sollen sie Inhalte, die gegen nationales Gesetz oder die Verhaltensregeln des eigenen Netzwerks verstoßen, löschen oder beschränken.

Ob Facebook und Co. sich an den Verhaltenskodex halten, haben das Internationale Netzwerk gegen Hass im Netz (INACH) und die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA) in einer kürzlich veröffentlichten Studie gemeinsam untersucht. In einem Zeitraum von sechs Wochen haben ihre Mitgliedsorganisationen hierfür über 500 Fälle von Hatespeech an die vier sozialen Netzwerke gemeldet.

Musterschüler Facebook – Sorgenkind Twitter

Das überraschende Ergebnis: Facebook, das als Hort der Hassrede gilt, entfernte als einzige der vier Plattformen deutlich mehr als die Hälfte der gemeldeten Inhalte innerhalb der geforderten 24 Stunden. Instagram löschte oder beschränkte im gleichen Zeitraum immerhin fast jeden zweiten, YouTube lediglich jeden vierten und Twitter nur etwa jeden fünften Inhalt, der über allgemeine Nutzerkanäle gemeldet wurde.

Betrachtet man die gesamte Löschquote unabhängig vom Zeitraum, kann YouTube allerdings mit Instagram gleichziehen: Beide löschten etwa 60 Prozent der illegalen Hatespeech, über die sich allgemeine Nutzer/-innen beschwerten. Twitter hingegen bleibt mit 28 Prozent weit abgeschlagen. Als „Musterschüler“ sticht auch hier Facebook heraus. Die Plattform entfernte insgesamt rund vier Fünftel der angezeigten Hasskommentare und hielt den Verhaltenskodex damit am besten ein.

Nachholbedarf beim Feedback an die Nutzer/-innen

Um die Nutzer/-innen sozialer Netzwerke zum Melden von Hatespeech zu motivieren, ist es essentiell, dass sie ein Feedback seitens der Plattformen erhalten. Hier haben Instagram und insbesondere YouTube noch deutlichen Nachholbedarf. So erhielten zwei Drittel der Instagram-User keine Rückmeldung zu ihrem gemeldeten Inhalt – bei YouTube bekam keiner ein Feedback. Die „Mutter der sozialen Netzwerke“, Facebook, antwortete hingegen über 90 Prozent ihrer Nutzer/-innen binnen einer Woche.

Wenn Sie Ihre Schüler/-innen dazu motivieren wollen, selbst gegen Hass im Netz aktiv zu werden, bietet der Wettbewerb „Bitte was?! – Kontern gegen Fake und Hass“ die ideale Gelegenheit. Weitere Informationen zu Hatespeech und möglichen Gegenstrategien finden Sie hier.

Homepage der Kampagne "Bitte was?!"

How to: Melden von Hatespeech bei Facebook und Instagram

How to: Melden von Hatespeech bei YouTube und Twitter

Madeleine Hankele-Gauß

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