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Laute Modems und teure Minutenpreise – Ein Exkurs ins Internet der 1990er

Sascha Schmidt
Alter Macintosh Plus

Der Macintosh Plus Computer (1986-1990)

Die Online-Welt der 1990er war männlich

Nur etwa 6,5 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren nutzen regelmäßig Online-Dienste. Dabei verbringen sie durchschnittlich etwa eine Stunde am Tag im Internet. Klingt komisch? Das liegt möglicherweise daran, dass die Zahlen aus dem Jahr 1997 stammen. Eine Zeit, in der das World Wide Web noch in seinen Kinderschuhen steckte und fast ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wurde. Wir haben interessante Fakten der Online-Nutzung in den 1990er-Jahren für Sie zusammengefasst.

Wir schreiben das Jahr 2019: Nahezu alle Jugendlichen besitzen ein eigenes Smartphone mit Internetzugang. Knapp 80 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren sind täglich online und verbringen am Tag durchschnittlich 3,5 Stunden im Netz. Bei den unter 30-Jährigen liegt die tägliche Online-Nutzungszeit sogar bei sechs Stunden. Soziale Netzwerke spielen eine große Rolle, während Messenger-Dienste als vorrangiges Kommunikationstool dienen. Selbst eingekauft wird inzwischen zu einem großen Teil in der digitalen Welt.

Doch werfen wir nochmals einen Blick auf die Online-Nutzung im Jahr 1997: Die Online-Welt war hier insgesamt (noch) sehr männlich. Frauen machten nur etwa ein Viertel der Online-Nutzer/-innen aus. Auffällig ist neben dem starken Geschlechterungleichgewicht auch ein Altersgefälle. Bei Kindern und Jugendlichen spielten Online-Welten nämlich nahezu gar keine Rolle. Stattdessen nutzten vor allem Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren das Internet. Das Altersgefälle macht deutlich, dass das Internet in dieser Zeit vorrangig für berufliche Zwecke eingesetzt wurde. So gingen etwa 60 Prozent der deutschen Internet-Nutzer/-innen ausschließlich am Arbeitsplatz online. Zudem war das Internet in den 1990ern ein Medium für Menschen mit formal höheren Bildungsabschlüssen: 62 Prozent der Internet-Nutzer/-innen hatten Abitur oder ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen.

Der PC als Leitmedium

Wenn es um das Thema Internet ging, war in den 1990er-Jahren der PC das Leitmedium. Die Ausgaben für die PC-Hardware waren dabei erstaunlich hoch: Im Schnitt gaben private Online-Nutzer/-innen mehr als 4.600 DM im Jahr für PC-Hardware aus. Heutzutage spielt der PC diesbezüglich nur noch eine geringfügige Rolle. Das Smartphone ist inzwischen zum Leitmedium für Online-Dienste geworden. Lediglich 17 Prozent der Deutschen nutzen heute noch regelmäßig einen stationären PC als Internetzugang.  

Die Zukunft des Internets wurde von der Bevölkerung in den 1990ern größtenteils optimistisch gesehen. Jedoch gingen die meisten Nutzer/-innen nicht davon aus, dass sich das Internet in Form von Unterhaltungsangeboten, sondern vor allem als funktionales Werkzeug für Schule, Studium und Beruf etablieren würde. 

Nachts surfte man günstiger als tagsüber

Internet-Flatrates für Privatanwender gab es in den 1990ern nahezu keine. Man bezahlte stattdessen pro Nutzungseinheit. Die Preise lagen meist zwischen fünf und 15 Pfennig pro Online-Minute, das Versenden von E-Mails kostete teils extra. Zudem gab es häufig sogar unterschiedliche Preise je nach Uhrzeit der Internetnutzung. Zu später Stunde waren die Preise für Online-Einheiten generell günstiger als tagsüber. Heute sind Flatrates nicht mehr wegzudenken, Minutenpreise für das Internet oder tageszeitliche Preisunterschiede hingegen kaum mehr vorstellbar.

Die in diesem Beitrag aufgeführten Zahlen stammen aus der ARD-ZDF-Onlinestudie, die seit 1997 jährlich die Internetnutzung der Deutschen untersucht. Mehr historische Informationen zum Thema Computer und Internet finden Sie hier. Zum Beitrag über die Geschichte des World Wide Web gelangen Sie hier.

Sascha Schmidt

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