Für angehende Programmierer – Roboter unter dem Weihnachtsbaum

Christian Reinhold, Madeleine Hankele-Gauß
Kleiner Junge programmiert mit dem Tablet einen Spielzeugroboter

Getty/Nadezhda1906

Programmieren als Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts

Manche Zeitgenossen behaupten, Programmieren sei die Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. Was liegt da näher, als unsere Kinder so früh wie möglich an diese Technik heranzuführen? Das bevorstehende Weihnachtsfest ist die ideale Gelegenheit, um Ihren Kindern mit programmierbaren Lernrobotern eine Freude zu machen. Bei diesem Thema taucht nur ein großes Fragezeichen in Ihrem Kopf auf? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Lernroboter für Sie zusammengestellt:

Programmieren, wozu?

Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist von Programmiersprache umgeben. In Waschmaschinen, Autos, oder Smartphones funktioniert nichts mehr ohne Code. Die Fähigkeit, per Programmiersprache Informationen zu verarbeiten oder Maschinen zu steuern, wird für den Arbeitsmarkt der Zukunft immer wichtiger.

Beim Programmieren wird mehr verlangt, als nur eine Abfolge von Befehlen zu verketten. Logik, Abstraktion, soziale Kompetenz und Teamfähigkeit sind bei der Softwareentwicklung unverzichtbar. Als Programmierer/-in muss man in der Tat ein Tausendsassa sein, benötigt man doch Kenntnisse in vielfältigen wissenschaftlichen Disziplinen wie Mathematik, Physik, Psychologie und Ethik.

Hinzu kommt: Nur wer lesen kann, kann Literatur verstehen. Folglich kann auch nur derjenige, der die Grundlagen des Programmierens beherrscht, die digitale Welt verstehen und aktiv mitgestalten. Wenn Codes darüber entscheiden, welche Informationen uns erreichen und welche nicht, sollten wir als selbstbestimmte Bürger verstehen, wie diese Codes funktionieren.

Wozu ein Roboter?

Programmiersprachen bestehen aus Code und Syntax, sind für Kinder folglich sehr abstrakt und schwer verständlich. Wie Codes funktionieren, kann mit einer grafischen Oberfläche wie Scratch anschaulich dargestellt werden. Die Codes können in Blöcken verschoben und miteinander verknüpft, Variablen und Grafiken beliebig ausgetauscht werden. Mit wenigen Klicks kann so eine virtuelle Katze zum Bellen oder Miauen gebracht werden. Noch anschaulicher wird das Programmieren, wenn per Code und den daraus generierten Befehlen ein haptisches Objekt, wie ein Spielzeugroboter, gesteuert werden kann.

Welche Art von Roboter?

Beim Kauf eines Spielzeugroboters sollten Eltern darauf achten, dass es sich tatsächlich um einen programmierbaren und nicht lediglich um einen Roboter mit Fernsteuerung handelt. Letztere verfügen ausschließlich über vorprogrammierte Bewegungsabläufe, die in einer bestimmten Reihenfolge abgespeichert und miteinander kombiniert werden können. Eigenständig programmiert werden können diese nicht.

Ein anderes Konzept verfolgen die Hersteller von programmierbaren Lernrobotern wie Dash, Lego Boost oder Sphero SPRK+. Alle drei Roboter haben gemein, dass sie über zugehörige Apps gesteuert und innerhalb der App mithilfe von grafischen Codeblöcken programmiert werden können. Per Programmierbefehl fahren, sprechen, lachen, tanzen, blinken oder greifen die Roboter. Die Befehle lassen sich über Wenn-Dann-Ketten miteinander verknüpfen. Den Dash-Roboter kann man beispielsweise so programmieren, dass er stehen bleibt, wenn man ihn von vorne schubst, und dass er losfährt, wenn man ihn von hinten schubst.

Um die einzelnen Befehle besser kennenzulernen, bieten die zu den Robotern gehörenden Apps Kurse an, in denen Kinder Level für Level die einzelnen Funktionen kennenlernen und ausprobieren können. Die Kurse sind wie Spiele aufgebaut: Die Kinder werden dadurch motiviert, alle Funktionen zu erkunden. Danach können sie den Roboter eigenständig über Befehle steuern, ihn über Hindernisparcours lotsen oder ihn auf einem Labyrinth aus Klebeband fahren lassen. 

Wer seinen Kindern das Innenleben eines Roboters näherbringen will, ist mit einem Roboter wie dem Makeblock mBot gut beraten. Ausgehend von einem kleinen Metallkasten können Platinen, Sensoren, Räder und Metallarme selbst zu einem Roboter zusammengebaut und verschraubt werden. Lernroboter wie der Makeblock können mithilfe der Programmiersoftware Scratch gesteuert werden. Dadurch sind sie in ihren Programmierbefehlen sehr flexibel und vielfältig. 

Sind Roboter nicht „typisches Jungenspielzeug“?

Die im Artikel vorgestellten Roboter sind für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet. Ihr neutrales Design vermeidet bewusst geschlechtsspezifische Klischees. Besonders beim Roboter Dash haben die Entwickler darauf geachtet, dass sein äußeres Erscheinungsbild auch Mädchen anspricht. Nach mehreren Anwendertests haben die Designer des Roboters sich dazu entschlossen, dessen Räder unten im Gehäuse zu verstecken. Seine Eigenschaft als Lebewesen mit eigenem Charakter wird dadurch hervorgehoben.

Für welches Alter sind die Roboter geeignet?

Nach Angaben der Hersteller ist Dash für Kinder ab 5 Jahren und Lego Boost ab 7 Jahren geeignet. Für Kinder ab 8 Jahren werden die Roboter Sphero SPRK+ und Makeblock mBot empfohlen.

Welche Alternativen gibt es?

Neben den im Artikel vorgestellten Robotern existieren unzählige Varianten im Form von Bienen, Drohnen oder Baukästen. Preislich liegen diese zwischen 100 und 200 Euro. Bei der Anschaffung ist zu überlegen, was im Vordergrund stehen soll: Basteln und Bauen, Programmieren und Bedienen oder Spielen und Spaß. Jeder Hersteller setzt hier andere Schwerpunkte.

 

Lernroboter im Überblick

Marktübersicht Roboter: Vom Spielzeug bis Hightech

SPIEGEL-Tipps für spannendes Roboter-Spielzeug

Christian Reinhold, Madeleine Hankele-Gauß

E-Mail senden

Diese Seite teilen:

Weitere Informationen

Kategorien: