FaceApp – Trendige Fotofilter-App mit fragwürdiger Datenverarbeitung

Sascha Schmidt

FaceApp und der Datenschutz

Eine neue App mit dem simplen Titel FaceApp dominiert derzeit die Charts der App-Stores. Doch was steckt hinter der App, die per Filter Alterungseffekte und andere Spielereien auf Portrait-Fotos anwendet?

FaceApp erschien bereits 2017 im Google Play sowie im Apple App Store. Aktuell erlebt die App einen regelrechten Hype, was vor allem an den sozialen Medien liegen dürfte. Dort werben zahlreiche Influencer für die App, während der Hashtag #FaceAppChallenge in den Trends weit vorne liegt. Dabei sind die Funktionen der App nicht unbedingt neu: FaceApp wendet Filter auf Fotos an und lässt die darauf abgebildeten Personen beispielsweise jünger oder älter aussehen. Darüber hinaus bietet die App die Möglichkeit, beispielsweise neue Frisuren auszuprobieren oder Gesichtszüge zu ändern. So kann einer ernsten Miene per Knopfdruck sprichwörtlich ein Lächeln ins Gesicht gezaubert werden. Die Filter funktionieren dabei erstaunlich gut. Besonders Effekte wie der Alterungsfilter sind häufig erst bei genauerem Hinsehen als Fake zu erkennen.

Kritisch ist bei FaceApp hingegen vor allem das Thema Datenschutz zu betrachten. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen zeigt, dass sich das russische Unternehmen Wireless Lab durch die Nutzung der App zahlreiche Berechtigungen sichert. Zunächst durchsucht die App die gesamte Galerie des Smartphones nach verwendbaren Portrait-Bildern. Zum Anwenden der Filter werden die ausgewählten Fotos anschließend auf Amazon- und Google-Servern hochgeladen und dort gespeichert. In einem Forbes-Interview begründet der Unternehmenschef diesen Schritt mit einer besseren Filter-Performance in der Cloud. Wireless Lab räumt sich zudem das Recht ein, die Metadaten der Fotos abzurufen. Dazu können beispielsweise Daten wie Aufnahmezeit, -datum oder -ort gehören. Darüber hinaus ist das Unternehmen berechtigt, die hochgeladenen Bilder sowie die zugehörigen Nutzernamen für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Dies ist vor allem deshalb kritisch, weil FaceApp gut gemachte Portraitfotos für die Anwendung der Filter benötigt. Die darauf abgebildeten Personen sind somit stets gut zu erkennen und eindeutig identifizierbar. Nutzer/-innen haben aktuell zwar die Möglichkeit, über den Support das Löschen der Bilder zu beauftragen. Ob dies wirklich geschieht, kann jedoch nicht nachgewiesen werden. Nutzer/-innen sollten vor der Installation also abwägen, ob ihnen die ungewisse Weiterverarbeitung ihrer zuordenbarer Portrait-Bilder das kurze Filter-Vergnügen wert ist. Wireless Lab gibt an, keinerlei Fotos oder Nutzerdaten an Dritte weiterzugeben.

Mehr Informationen zum Thema Datenschutz finden Sie hier.

Sascha Schmidt

E-Mail senden

Diese Seite teilen:

Weitere Informationen

Kategorien: