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Erstwähler im Jahr 2019: Bedeutung und Herausforderungen von digitalen Medien

Sascha Schmidt
Wahlzettel

GettyImages/no_limit_pictures

Digital ist überall

Wenn am 26. Mai 2019 die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg zur Wahlurne schreiten, dürfen Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme für die Kommunalwahlen abgeben. Doch Jugendliche sind für politische Botschaften auf klassischen Wegen wie örtlichen Wahlkampfauftritten oder Podiumsdiskussionen inzwischen kaum mehr zu erreichen. Ihr mediales Leben spielt sich in der digitalen Welt ab und dort lauern neben Information auch Desinformation, Fake News, Filterblasen und Social Bots. Wer somit heute Erstwähler wird, benötigt neben der politischen Kompetenz auch Medienkompetenz, um mit den Informationen im Internet rund ums Thema Wahlen sachgerecht umgehen zu können.

Das Smartphone ist ständiger Begleiter im Alltag, online sein ist vielfach Normalzustand. Mögen jene Veränderungen für ältere Generationen noch etwas Besonderes sein: Kinder und Jugendliche wachsen in dieser zunehmend digitalisierten Welt auf und all die damit verbundenen Angebote sind für sie selbstverständlich.

Die Digitalisierung spielt dabei auch im Hinblick auf Wahlen eine wichtige Rolle. Jugendliche als Zielgruppe werden über „klassische“ Medien wie Print oder das Fernsehprogramm inzwischen kaum mehr erreicht. Für Informationen zu den Wahlen, aber auch für den Wahlkampf selbst werden Online-Medien immer relevanter. 

Wie nutzen Jugendliche digitale Medien?

Das klassische Fernsehprogramm war lange Zeit ein Leitmedium, wenn es um Informationen zu politischen Programmen im Rahmen von Wahlkämpfen ging. TV-Sendungen verlieren für Jugendliche bis auf wenige Ausnahmen jedoch immer mehr an Relevanz. Stattdessen gewinnen Video-Plattformen wie YouTube oder Streaming-Dienste an Bedeutung. Dies hat auch die Politik erkannt. So nahm beispielsweise Angela Merkel in den vergangenen Jahren mehrfach an Interviews mit bekannten YouTubern teil.

Zu den beliebtesten Online-Diensten unter Jugendlichen zählen aktuell WhatsApp, YouTube und Instagram. Das soziale Netzwerk Facebook spielt unter Kindern und Jugendlichen inzwischen kaum mehr eine Rolle. 

Eine wichtige Rolle im Online-Verhalten Jugendlicher spielen heutzutage die sogenannten Influencer. Dies sind junge Menschen, die mit ihren Beiträgen in sozialen Netzwerken teilweise ein Millionenpublikum erreichen und so zu Online-Persönlichkeiten werden. Mit politischen Meinungen halten sich die meisten Influencer zurück, denn es kann schnell viele gegenläufige Haltungen geben und damit potenziell weniger Fans. Dabei können Influencer für politische Prozesse eine wichtige Rolle einnehmen – auch ohne eine konkrete Wahlempfehlung auszusprechen – zum Beispiel wenn es um die Bekanntmachung von Wahlen und die Vermittlung von Informationen zum Wahlprozess geht. Influencer können Sachverhalte in einer Form präsentieren, die den Jugendlichen geläufig ist und somit potenzielle Jungwähler/-innen ansprechen, sie zum Wählen motivieren und sie dazu ermutigen, politische Partizipation zu betreiben. Daher ist es wichtig und wünschenswert, dass Influencer ihrer Vorbildrolle gegenüber Jugendlichen auch im Hinblick auf ein demokratisches Miteinander nachkommen.

Herausforderungen und Risiken von digitalen Medien

Der Zugang zu Informationen war noch nie leichter als heute. Das Internet schafft es, uns nahezu orts- und zeitunabhängig mit Informationen zu versorgen. Doch gleichzeitig fällt es uns immer schwerer, zu unterscheiden, welche Informationen wahr und welche gefälscht sind. Gezielt verbreitete Falschinformationen werden auch als Fake News bezeichnet.

Im politischen Kontext werden Fake News häufig von Gruppen eingesetzt, um die eigene Anhängerschaft zu vergrößern. Bei der Verbreitung solcher Falschmeldungen kommen dabei häufig sogenannte Social Bots zum Einsatz. Das sind Computerprogramme, die in sozialen Netzwerken so agieren sollen wie echte Menschen. Sie können eigenständig Nachrichten verbreiten oder auf andere Nachrichten reagieren. Gezielt eingesetzt können sie das Meinungsbild der Allgemeinheit verfälschen und so ungefestigte Wählerinnen und Wähler möglicherweise beeinflussen.

Wenn man nur mit Meinungen konfrontiert wird, die der eigenen entsprechen und nie die Gegenseite dargestellt bekommt, wenn somit immer nur die eigene Meinung bestätigt und nie in kontroversen Diskussion hinterfragt wird, dann lebt man in einer sogenannten Meinungsblase. Online kann es zu einem ähnlichen Phänomen kommen, wenn Informationen bei Suchmaschinen oder Feeds in sozialen Netzwerken gefiltert werden. Diese Blase nennt sich Filterblase. Filterblasen basieren auf Algorithmen, also einer Programmierung, die das Verhalten von Computerprogrammen bestimmt. Filterblasen entstehen durch den Versuch, News-Feeds oder Suchergebnisse zu personalisieren. Uns werden durch Algorithmen ausgewählte Themen angezeigt, die unsere zuvor registrierten Interessen bestätigen oder ihnen ähneln. Dieser einseitige Newsfeed kann neben einer verzerrten Wahrnehmung und einem verzerrten Meinungsbild schlimmstenfalls auch Einfluss auf Einstellungen der Nutzer/-innen nehmen. Durch eine einseitige Berichterstattung wird die eigene Weltansicht verstärkt, andere hingegen ignoriert. Ein ähnliches Phänomen beschreibt auch der Echokammer-Effekt, wenn es durch den verstärkten virtuellen Kontakt mit Gleichgesinnten zu einer Verengung der Weltsicht kommt.

Medienkompetenz wird immer wichtiger

Mit Blick auf die Herausforderungen der Online-Welt wird vor allem eines deutlich: Jugendliche und auch Erwachsene benötigen eine grundlegende Medienkompetenz. Eltern und Bildungseinrichtungen müssen Kinder und Jugendliche dazu befähigen, die zahlreichen digitalen Angebote reflektiert zu nutzen und die dort verbreiteten Informationen kritisch zu hinterfragen. Ein zentraler Bestandteil der Medienkompetenz ist also die Fähigkeit, Informationen zu recherchieren und Quellen kritisch zu überprüfen. Wurde eine Meldung von einem vertrauenswürdigen und objektiven Nachrichtenkanal verfasst? Oder verbergen sich dahinter womöglich Personen oder Gruppierungen, die versuchen, mit Falschmeldungen das Meinungsbild zu verzerren? Zudem ist es wichtig, die Funktionsweise von Effekten wie der Filterblase zu verstehen und zu reflektieren, wie solche Phänomene die Inhalte in sozialen Netzwerken beeinflussen können.

Mehr Informationen zum Thema Recherchieren finden Sie hier.

Sascha Schmidt

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