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„Ein Freund, ein guter Freund“ – Die neue Messenger-App Threads

Madeleine Hankele-Gauß
Influencerin auf sozialen Netzwerken

Pixabay

Fotos, Videos und Stories nur für „enge Freunde“

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn die ganze Welt zusammenfällt.“ Ob dieser Songtext der Berliner A-Cappella-Gruppe Comedian Harmonists aus dem Jahr 1930 heute noch zutrifft, darf in Zeiten ellenlanger Freundeslisten auf Facebook, Instagram und Co. in Zweifel gezogen werden. Ganz in den Dienst der Freundschaft hat Facebook daher sein neuestes Kommunikationsprodukt gestellt: die Messenger-App Threads.

Die neue App für Instagram-Nutzer/-innen baut auf der im Jahr 2018 eingeführten Funktion „Enge Freunde“ auf. Mithilfe dieser Funktion können Mitglieder des sozialen Netzwerks seither Fotos, Videos und Stories nur mit ausgewählten Kontakten teilen, die sie als „enge Freunde“ ausgewählt haben. In der neuen App Threads können die User nun ausschließlich mit diesen erlesenen Kontakten kommunizieren. Sie werden entweder aus Instagram übernommen oder können in der App selbst manuell hinzufügt werden.

Auto-Modus – Der Autopilot für virtuelle Freundschaften

Laut Produktentwickler Bobby Stein zeichnet sich die „einzigartige App“ durch „Privatheit, Schnelligkeit und enge Kontakte“ aus. Damit zwischen die Instagram-Freunde auch wirklich kein Blatt mehr passt, haben sich die Entwickler von Threads ein besonderes Schmankerl ausgedacht: den Auto-Modus. Ist der Auto-Modus aktiv, wird auf dem Statusbildschirm automatisch ein ungefährer Standort oder eine Beschäftigung des/-r Nutzers/-in geteilt. Die App greift hierfür auf Bewegungsprofile, den Standort, Akkustand sowie Netzwerkstatus zurück.

Wem das Pflegen seiner virtuellen Freundschaften also auf Dauer zu anstrengend wird, kann einfach auf Autopilot umschalten. Auch wenn Threads-User diesen aktiv einschalten müssen und die automatisch geteilten Informationen nicht für Werbezwecke genutzt werden, steht der Modus klar im Widerspruch zur beworbenen Privatheit. Und nicht nur dieser.

Zum Verkauf – Influencer als „enge Freunde“

Längst haben findige Influencer/-innen Wege gefunden, um die Enge-Freunde-Listen auf Instagram für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Für 2 bis 6 US-Dollar monatlich verkaufen Instagrammer wie Caroline Calloway, Gabi Abrão oder Ashley Torres ihre „enge Freundschaft“ an Instagram-Nutzer/-innen. Als Freundschaftsdienst erhalten die User exklusive Inhalte wie persönliche Wochenrückblicke, Behind-the-Scene-Videos, Fotos mit Widmung oder personalisierte Sprachaufzeichnungen. Abgewickelt wird die Bezahlung über Crowdfunding-Plattformen für Künstler wie Patreon.

Sollte Threads eine ähnlich hohe Beliebtheit unter Jugendlichen erringen wie Instagram und WhatsApp, dürfte die Freundschaft zwar definitiv wiederbelebt werden. Doch nicht nur im Sinne der Comedian Harmonists, sondern auch im finanziellen Interesse der als Freunde so begehrten Influencer.

 

Madeleine Hankele-Gauß

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