„Du bist, was du liest“ – Vorlesen mit Kinderbuch-Apps

Madeleine Hankele-Gauß
Vater liest Tochter am Tablet vor

Insbesondere Väter – die ihren Kindern laut Vorlesestudie 2019 deutlich seltener vorlesen als Mütter – lassen sich durch Kinderbuch-Apps zum Vorlesen motivieren. | Getty/svetikd

Lesekompetenz als Startkapital für schulischen und beruflichen Erfolg

In einer modernen Informationsgesellschaft, in der permanent neues Wissen angehäuft wird, genügt Allgemeinwissen nicht mehr als Startkapital für Kinder und Jugendliche. Lesekompetenz lautet die neue Währung, in der schulische und berufliche Erfolge gemessen werden. Man könnte auch sagen: „Du bist, was du liest“.

Lesen Eltern ihren Kindern vor, wirkt das wie ein Katalysator auf deren spätere eigene Lesefähigkeit. In die Rolle der selbstständigen Leser/-innen schlüpfen laut Vorlesestudie 2018 die Kinder am leichtesten, die als Zwei- bis Achtjährige täglich Geschichten ihrer Eltern lauschen durften. Diesen fällt es fast doppelt so häufig leicht, selbst lesen zu lernen, wie Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wurde. Genau aus diesem Grund findet diesen November wieder der bundesweite Vorlesetag statt.

Kinderbuch-Apps motivieren Wenig-Leser

Um Kinder durch Vorlesen für das eigene Lesen zu begeistern, stehen Eltern sowie Lesepatinnen und -paten heute neben den klassischen Kinderbüchern auch Kinderbuch-Apps zur Verfügung. Gegenüber ihren gedruckten Pendants zeichnen sie sich durch Bildanimationen, sprechende Figuren, integrierte Geräusche, aufklappbare Zusatzinformationen oder ergänzende Zusatzspiele aus. Manche Geschichten-Apps bieten zudem eine Vorlesestimme für alle Texte sowie Aufnahmemöglichkeiten.

Mit ihrem Mix aus analogen und digitalen Elementen schlagen Kinderbuch-Apps insbesondere eine Brücke zu Kindern, die wenig Interesse am Lesen zeigen. Die Neugier an den „technischen Spielereien“ fördert dabei die Motivation der Wenig-Leser. Auch Kinder mit geringen Sprachkenntnissen profitieren vom Vorlesen mit Apps. Sowohl die interaktiven und multimedialen Elemente, als auch die Möglichkeit zur Anpassung der Schriftgröße und Informationsmenge unterstützen das Textverständnis dieser Kinder.

Empfehlungen für die Auswahl und Nutzung von Kinderbuch-Apps

Damit das Vorlesen mit Geschichten-Apps zum Erfolg wird, sollte man bei der Auswahl und Nutzung der Apps Folgendes beachten:

  • Die Kinderbuch-App sollte keine Werbung, In-App-Käufe oder Internetlinks enthalten.
  • Eltern oder Lesepatinnen und -paten sollten die App stets gemeinsam mit ihren Kindern betrachten und den Kindern viel Raum für Kommentare, Nachfragen oder Gespräche bieten.  
  • Falls eine Vorlesestimme vorhanden ist, ist es empfehlenswert, diese zunächst nicht zu nutzen. Die Kinder nehmen die App sonst nicht wie ein digitales Buch, sondern eher wie einen erzählten Trickfilm wahr. Die Variante mit der Vorlesestimme kann später zur Verdeutlichung der Unterschiede bei den Medienarten eingesetzt werden.
  • Vor dem Vorlesen sollten Eltern oder Lesepatinnen und -paten alle interaktiven und multimedialen Elemente daraufhin prüfen, ob sie für die erzählte Geschichte handlungstragend oder sinnvoll mit ihr verbunden sind. Ist dies nicht der Fall, ist es ratsam, sie wegzulassen.
  • Die Vorleseaktivität sollte nicht durch Zusatzspiele unterbrochen werden. Auch Punkte oder Gegenstände werden besser erst in einem zweiten Lesedurchgang gesammelt.

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Madeleine Hankele-Gauß

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