Der Computer als alltägliches Werkzeug

Jiří Hönes
Ulf Neumann, Leiter des KMZ Main-Tauber-Kreis

Ulf Neumann, Leiter des KMZ Main-Tauber-Kreis | LMZ/Meyer

Das LMZ-Grundschulprojekt an der Turmbergschule in Lauda-Königshofen

An der Turmbergschule in Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) bereichern seit dem Schuljahr 2011/12 Computer den Unterrichtsalltag: Die Schule ist Teil des vom Landesmedienzentrum durchgeführten Pilotprojekts für den Computereinsatz an Grundschulen. Nach einem Jahr des Sammelns von Erfahrungen machten wir uns auf den Weg ins liebliche Taubertal, um den Kolleginnen und Kollegen vor Ort über die Schulter zu schauen.

Wie das ganze ins Rollen kam, erfahren wir von Ulf Neumann. Er ist Leiter des Kreismedienzentrums im nur wenige Kilometer entfernten Tauberbischofsheimer Stadtteil Distelhausen und unterrichtet selbst drei Stunden in der Woche an der Turmbergschule. Als er Ende 2010 von dem Pilotprojekt erfuhr, fragte er direkt im Kollegium nach, ob man sich eine Teilnahme vorstellen könne. Die Schule war kurz zuvor noch eine Grund- und Werkrealschule gewesen und die Grundschule hatte teilweise schon die Computer der Hauptschule mitgenutzt. „Da waren eigentlich alle sehr offen dafür, wir sagten dann aber im Schulleitungsteam: Wenn wir schon etwas Neues bekommen, dann ergänzen wir das gleich aus unseren eigenen Haushaltsmitteln.” Die Grundausstattung durch das LMZ umfasste 15 sogenannte Thin Clients und einen Server, auf dem die Datenverarbeitung erfolgt.
Die Thin Clients an den Arbeitsplätzen dienen dabei lediglich als Benutzerschnittstelle. Zudem stellt das LMZ drei Notebooks. Neumann: „Mir war wichtig, dass wir weitere Notebooks bekommen, um sie flexibel im Klassenzimmer einzusetzen, da habe ich Peter Klein gefragt, welche Geräte das LMZ anschaffen will und wir haben uns dann von den gleichen nochmals zwölf bestellt.”
 

Interaktive Whiteboards mit grünen Seitenflügeln

„Danach habe ich das Kollegium ins Kreismedienzentrum eingeladen und habe ihnen die verschiedenen Arten von Interaktiven Whiteboards vorgestellt.” Bei einem pädagogischen Nachmittag wurden selbst anfänglich skeptische Lehrkräfte von den Vorteilen überzeugt: „Ich kann Bilder aus dem Internet brillant zeigen, kann Filme mit Zusatzmaterialien wie interaktiven Arbeitsblättern aus dem KMZ zeigen, da war das Kollegium auch Feuer und Flamme”, so Neumann. So wurde beschlossen, zunächst einmal drei der elektronischen Tafeln anzuschaffen, um die Jahrgänge 3 und 4 auszustatten. „Da kamen gleich die Kolleginnen aus Klasse 1 und 2 und fragten, warum sie keine bekommen.” Jetzt wird es so gehandhabt, dass die unteren Klassen die mit Whiteboards ausgestatteten Räume nutzen, wenn die Dreier und Vierer zum Beispiel in der Sporthalle sind.

Wichtig war dem Kollegium, dass bei Ausfall der Whiteboards noch eine klassische Tafel zur Verfügung steht. Deshalb wurden die Boards mit Seitenflügeln ausgestattet: „Und zwar in grün so wie früher, wo man mit Kreide schreibt. Da kommt auch keiner auf die Idee, da in den mittleren Bereich reinzuschreiben. In der Mitte ist der Arbeitsbereich und auf die Flügel kommen Hausaufgaben oder Merksätze, was eben länger stehen bleiben soll.”

Die vielbeschworenen Probleme mit Kreidestaub und Beamerlampen gab es dabei bislang nicht. Allerdings habe man den Kindern klar machen müssen, dass sie beim Wischen der Tafel auf die Laptops Acht geben sollten.

„Auf Blinde Kuh findet man wenig über Aserbeidschan.”

Die Technik läuft mittlerweile recht störungsfrei. Neumann: „Die Tafel in der 4a hat offensichtlich ‘ne Macke, die lässt sich nicht richtig kalibrieren, aber sonst ist alles bestens. Anfangs gab es wegen der Fernwartung des Servers Probleme mit der DSL-Verbindung, aber seit die Telekom ein altes Kabel ausgetauscht hat, ist das auch behoben. Die 6.000 Mbit/s reichen aus.”
Zum Einstieg wurde mit den Klassen zunächst ein Computerführerschein gemacht, also grundlegende Dinge im Umgang mit dem PC geübt. Neumann unterrichtet im Fächerverbund Mensch-Natur-Kultur, hier wurden anfangs Steckbriefe zu Tieren oder Ländern in Word erstellt: „Jeder musste auf ein DIN-A-4-Blatt möglichst viel drauf kriegen über ein Land, von der Flagge über die Sprache bis zu interessanten Besonderheiten. Da fingen sie an zu recherchieren und sind auch mal auf Google gegangen, nicht nur auf Blinde Kuh – denn auf Blinde Kuh findet man beispielsweise wenig über Aserbeidschan.” Später wurden dann Präsentationen zur Geschichte des Fahrrads erstellt. „Die kann man in einem Buch nachlesen, man kann aber auch sagen, ‘Das finden wir jetzt selber raus!’ Da haben sie umfassend recherchiert und es kamen ganz unterschiedliche Ergebnisse heraus, das hätte man selber gar nicht so gut zusammenstellen können, wie das die unterschiedlichen Schülergruppen gemacht haben.” Bei Versuchen im naturwissenschaftlichen Bereich diente das Whiteboard als Fläche für die Dokumentation von Beobachtungen.
 

medienpädagogische BeraterInnen unterstützen Schulen bei der Medienbildung

medienpädagogische BeraterInnen unterstützen Schulen bei der Medienbildung | LMZ/Meyer

Stetige Begleitung durch die medienpädagogische Beraterin

Unterstützt wird das Team der Turmbergschule von Martina Häfner. Sie ist medienpädagogische Beraterin am KMZ und selbst Grundschullehrerin. Einmal in der Woche schaut sie an der Schule vorbei und unterstützt, hilft und gibt Anregungen rund um den Einsatz der Computer und Tafeln. „Dadurch, dass ich in diesem Schuljahr ‚nur‘ am KMZ war, konnte ich das recht flexibel handhaben und war nicht auf einen bestimmten Tag festgelegt.” Beispielsweise initiierte sie eine Einheit zur Fotografie, die die Wirkung von Perspektiven und Einstellungen thematisierte: Mit einem Satz Digitalkameras vom KMZ fertigten die Kinder verschiedene Detailaufnahmen von Gegenständen im Schulgebäude. „Die haben wir dann in PowerPoint eingefügt und Bilderrätsel daraus gemacht, so lernten sie auch den Umgang mit PowerPoint, das ist für sie schon ein ganz normales Werkzeug.”

Im Rückblick kann sie von einer sehr positiven Entwicklung sprechen: „Am Anfang war natürlich alles neu, das Kollegium hatte mit der Technik zu kämpfen, da habe ich Sachen vorgestellt und gezeigt. Inzwischen sind die Lehrerinnen und Lehrer hier so weit, dass sie das selber machen können. Das war ein Jahr des Ausprobierens und jetzt, glaube ich, muss das konkret festgelegt werden”, womit sie ein verbindliches Mediencurricumlum meint. Sie ergänzt: „Auch für die Kinder ist die Arbeit schon selbstverständlich, das ist ganz normal, dass wir das Whiteboard haben, das ist motivierend und schön, aber kein Highlight in dem Sinne mehr.” Durch die kurzen Wege im Schulgebäude lässt sich auch der PC-Raum recht flexibel einsetzen. Dessen Nutzung ist zur Normalität geworden, man kann auch ‘mal nur für 15 Minuten dort arbeiten, wenn er gerade frei ist. „Von der Ausstattung her ist es ein Traum hier”, so Häfner.

Thorsten Gründel, Lehrer und Mitentwickler des Curriculum für die Medienbildung

Thorsten Gründel, Lehrer und Mitentwickler des Curriculum für die Medienbildung | LMZ/Meyer

Referendarin hilft beim Mediencurriculum

An der Verstetigung des Medieneinsatzes arbeiteten im Laufe des Schuljahrs die Referendarin Rebecca Lembcke, Ulf Neumann und Kollege Thorsten Gründel. Sie entwickelten in Anlehnung an das Mediencurriculum des LMZ ein schuleigenes Curriculum für die Medienbildung in Klasse 3 und 4. Gründel ist Klassenlehrer in der 4b und setzt die PCs in Deutsch, Mathematik und im Fächerverbund Mensch-Natur-Kultur ein. „In Deutsch und Mathematik sind die Lernprogramme recht gut, wenn man den Unterricht etwas offener gestalten will. Da kann man die Kinder schaffen lassen, das entlastet mich und ich kann mich gezielt um einzelne kümmern.” Er machte die Beobachtung, dass es den Kindern meist völlig egal war, ob die Lernprogramme grafisch aufwändig gestaltet waren oder nicht. „Das war denen wurst, die waren immer total begeistert.“

Einen Vorteil der Interaktiven Whiteboards sieht Gründel in der Möglichkeit, schnell auf das Internet zugreifen zu können: „Wenn da eine Frage aufkommt, schaut man einfach kurz nach und bekommt zumindest einen groben Eindruck davon, was man ohne die Tafel nicht hätte.” Technische Probleme gab es nur marginal in den ersten zwei Wochen und auch die Schülerinnen und Schüler bereiten wenig Grund zur Sorge: „Ganz am Anfang, als die Mechanismen noch nicht so da waren, hat einer trotz Verbot öfters auf YouTube geschaut. Aber sonst haben sie einfach gearbeitet und selten Mist gebaut.” Einige Kinder hatten schon vertieftes Vorwissen, die konnte er einsetzen, um anderen zu helfen. Andere waren zunächst skeptisch gegenüber den Computern eingestellt und hatten dann nach und nach mehr Lust etwas damit zu machen, auch an der Tafel. Es gibt aber auch zwei oder drei Kinder, die nach wie vor Berührungsängste haben.

In der Schule wird der Computer zum spielerischen Lernen und zur Recherche genutzt

In der Schule wird der Computer zum spielerischen Lernen und zur Recherche genutzt | LMZ/Meyer

Behutsamer Beginn in Klasse 2

Das Curriculum soll nun ab Klasse 3 verpflichtend sein, doch steht es auch den Lehrerinnen und Lehrern der jüngeren Kinder offen, die Infrastruktur zu nutzen: „Ich habe BK in der 2. Klasse unterrichtet, da haben wir einen Raum mit Whiteboard für Bildbetrachtungen genutzt. Das ist total unkompliziert im Gegensatz zu Folien, ich kann zum Beispiel Ausschnitte vergrößern”, so Gründel. Kolleginnen haben im Deutschunterricht in der 2. Klasse teilweise auch mit dem Leseförderungsprogramm Antolin gearbeitet, der PC-Einsatz bahnt sich also da schon an und wird in der 3. Klasse dann zu einem ganz normalen Bestandteil des Unterrichts. Man ist sich jedoch einig, dass der Einsatz der Rechner in Klasse 1 und 2 eher die Ausnahme als die Regel sein sollte.

Als wir vor Ort waren, war Sabine Hellmuth mit ihrer Klasse 4a im Computerraum. „Wir machen hier gerade einen Text, wo die Kinder teilweise Bilder zwischen den Buchstaben haben, da müssen sie überlegen, was das Bild bedeutet und das Bild dann durch das entsprechende Wort ersetzen. Das regt die Kinder an, zu überlegen, wie man das Wort schreibt. Das hat mit dem Computer ganz gut geklappt, schriftlich im Klassenzimmer kamen die Kinder nicht so schnell auf die Lösung als mit dem Computer, wo man es Buchstabe für Buchstabe eintippt”, so die Lehrerin. Zur Internetrecherche nutzt sie sowohl den Laptop mit angeschlossenem Whiteboard im Klassenzimmer als auch die PCs im Computerraum: „Wenn die Kinder jeder für sich etwas spezielles recherchieren sollen, dann gehen wir spontan ‘rüber in den Computerraum.”

Ein Werkzeug unter vielen

Die Kinder zeigen sich offenbar sehr begeistert: „Als alles neu war, war morgens das erste, was die Kinder wissen wollten, ob wir heute in den Computerraum gehen. Und wenn wir mal einen Tag nicht im Computerraum waren, dann war das kein guter Schultag für die Kinder.” Mittlerweile hat es sich eingependelt, dass die Klasse etwa zwei Mal in der Woche dort ist und die Schülerinnen und Schüler sind zufrieden. „Der Computer wurde zu einem alltäglichen Werkzeug – einem unter vielen”, so Ulf Neumann.

Eva-Maria Derr unterrichtet in der 3. Klasse, bei ihr kommen Laptop und Whiteboard vor allem im Fächerverbund Mensch-Natur-Kultur zum Einsatz: „Wir hatten die Tiere im Winter, da haben wir zum Beispiel bei Hamsterkiste und Blinde Kuh recherchiert und somit gleich gelernt, wie die Suchmaschinen so aufgebaut sind.” Beim Thema „Mein Heimatort” wurde auf Google Maps zurückgegriffen und eine Geocaching-Tour durchgeführt. Auch bei Frau Derr sind die Kinder durchweg begeistert: „Sie arbeiten auch selbst gerne am Board.” Schade ist es nur um die bereits in anderen Programmen erstellten Präsentationen: „Oft ist es schneller neu gemacht als konvertiert.”

Wie die Schüler das Pilotprojekt sehen und was sie so alles mit Computer und Whiteboard im Unterricht gemacht haben, hören sie hier.

WMV

Jiří Hönes

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