Deepfake: Wie Künstliche Intelligenz die Wahrheit auf den Kopf stellt

Sascha Schmidt
Screenshot eines Deepfake-Videos

Screenshot eines Deepfake-Videos | https://vimeo.com/372491634

Gesichtstausch in Bildern und Videos

Sogenannte Deepfake-Videos fluten derzeit das Netz. Doch was steckt eigentlich hinter dem Phänomen und welche Herausforderungen bringt es mit sich?

Deepfake bezeichnet eine Technik, bei der Künstliche Intelligenz Bilder oder Videos errechnet, die so eigentlich gar nicht existieren. So können beispielsweise die Gesichtszüge eines Menschen auf andere Menschen übertragen werden. Hierdurch können Personen Aussagen oder Handlungen tätigen, die so möglicherweise nie stattgefunden haben. Was im Freundeskreis vielleicht noch als Scherz durchgeht, bringt auf politischer Ebene ganz andere Herausforderungen mit sich. Ähnlich wie Fake News können solche Videos gezielt dazu eingesetzt werden, das öffentliche Meinungsbild zu beeinflussen. Die dahintersteckende Technologie ist dabei inzwischen so fortgeschritten, dass viele Deepfake-Videos selbst für geschulte Augen täuschend echt wirken. Zur Erstellung des Videos greift die Künstliche Intelligenz auf Originalaufnahmen der dargestellten Person zurück und kann mit viel Rechenaufwand deren Gestik und Mimik auf andere Bilder oder Videos übertragen. Neben Bildmaterial kann die eingesetzte Technik auch Audioaufnahmen manipulieren. So werden auf Basis von Frequenzanalysen Stimmkopien erstellt, die nahezu beliebige Aussagen treffen können.

So hat sich Deepfake entwickelt

Der Begriff Deepfake geht ursprünglich auf das Jahr 2017 zurück. Bekanntheit erlangte die Technologie bei Reddit (eine Art Online-Forum), wo sich innerhalb kurzer Zeit eine Community bildete, die mit Hilfe von Software Gesichter in Videos tauschte. Die dahintersteckende Technik hat sich seitdem rasant weiterentwickelt. Im Mai 2019 gelang es Forschern, ein Fake-Video nur anhand eines einzelnen Bilds einer Person zu produzieren. Die Technik hinter Deepfakes wird auch bereits in diversen Smartphone-Apps eingesetzt. Die bekannteste dürfte wohl FaceApp sein, in der neben dem Gesichtstausch auch realistisch wirkende Alterungseffekte möglich sind. Zuletzt spielte das Thema Deepfake im Kontext der britischen Parlamentswahlen eine Rolle. Hier veröffentlichte ein britisches Beratungsunternehmen täuschend echt wirkende Deepfake-Videos, in denen britische Spitzenpolitiker jeweils für die konkurrierende Partei werben. Damit zeigen sie eindrucksvoll, welche Möglichkeiten die Technik inzwischen bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt.

Das Phänomen zeigt, wie wichtig es ist, die Informationskompetenz von Kindern und Jugendlichen zu fördern und für Themen wie Fake News und Deepfake zu sensibilisieren. Die Kampagne „Bitte was?! Kontern gegen Fake und Hass“ der Landesregierung Baden-Württemberg bietet Lehrmaterialien zum Thema Informationskompetenz und soll Kinder und Jugendliche für einen respektvollen Umgang miteinander im Netz sensibilisieren. Unterrichtsmaterialien zum Thema Deepfake finden Sie hier.

Sascha Schmidt

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