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Cybermobbing aus Sicht von Heranwachsenden, Eltern und Lehrkräften

Sascha Schmidt
Trauriges Mädchen vor Mauer

GettyImages/LSOphoto

Lehrkräfte sind generell besorgter als Eltern

Welche Sorgen haben pädagogische Fach- und Lehrkräfte sowie Eltern mit Blick auf das Online-Verhalten von Heranwachsenden? Welche Rolle spielt Cybermobbing hierbei und wie nehmen die Heranwachsenden selbst dieses Phänomen wahr? Wir haben zentrale Forschungsergebnisse zusammengefasst.

Der kürzlich veröffentlichte Jugendmedienschutzindex zeigt: Jugendliche selbst haben die geringsten Sorgen hinsichtlich ihres Online-Verhaltens. 42 Prozent der befragten Heranwachsenden geben an, überhaupt keine Sorgen bei der Nutzung von Online-Angeboten zu haben. Bei den befragten Eltern sind es immerhin 27 Prozent, die sorgenlos auf das Thema Jugendmedienschutz blicken. Von den befragten Fach- und Lehrkräften teilen diese Einstellung nur 13 Prozent.

Die Sorge um verstörende oder verängstigende Inhalte spielt vor allem im jüngeren Alter der Heranwachsenden eine Rolle, nimmt dann aber stetig ab. Anstatt dessen gewinnen Sorgen um kontaktbezogene Risiken an Bedeutung, darunter auch das Thema Cybermobbing. Wie in vergleichbaren Studien zeigt auch der Jugendmedienschutzindex einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. So teilen wesentlich mehr Eltern von Mädchen die Sorge um Cybermobbing als Eltern von Jungen. Auch bei den Heranwachsenden selbst spiegelt sich dieses Ergebnis wider: Mädchen haben generell größere Sorgen bezüglich Kontaktrisiken und Cybermobbing als Jungen.

Jeder fünfte Heranwachsende bereits Opfer von Cybermobbing

Wenig überraschend haben Eltern vor allem Angst davor, dass ihre Kinder die Opferrolle einnehmen. 23 Prozent der Eltern geben an, sich darüber zu sorgen, dass ihr Kind von anderen gemobbt wird. Lediglich vier Prozent fürchten, dass ihr Kind andere mobben könnte. Auf Seiten der Heranwachsenden waren 18 Prozent bereits selbst Opfer von Cybermobbing. Dabei ist ein deutlicher Anstieg der Zahl mit zunehmendem Alter festzustellen. Während bei den 9- bis 10-Jährigen 13 Prozent angeben, dass sie online gemobbt wurden, sind es bei den 15- bis 16-Jährigen bereits 25 Prozent. 13 Prozent der Heranwachsenden geben zu, bereits selbst andere Personen online gemobbt zu haben.

Mögliche Hilfsangebote wie Beratungsstellen sind 37 Prozent der Eltern bekannt. Nur fünf Prozent haben sich bisher an eine entsprechende Stelle gewandt. Bei Problemen sind für Heranwachsende die Eltern immer noch die erste Anlaufstelle, gefolgt von Freunden und Lehrkräften.

Lehr- und pädagogische Fachkräfte schätzen das Phänomen Cybermobbing generell als akuter ein als Eltern oder die Jugendlichen selbst. 61 Prozent der Fach- und Lehrkräfte geben an, dass die von ihnen betreuten Heranwachsenden (sehr) oft online gemobbt werden oder selbst mobben. Den Unterstützungsbedarf nehmen sie als groß wahr: Nahe zu alle Befragten stimmen zu, dass Jugendliche Unterstützung bei der Selbstdarstellung im Internet und beim Umgang mit kontaktbezogenen Risiken benötigen. Die Hauptverantwortung für den Jugendmedienschutz schreiben alle befragten Fachkräfte den Eltern zu.

Lehrkräfte wünschen sich höheren Stellenwert der schulischen Medienbildung

Die Selbsteinschätzung der eigenen Online-Kompetenz auf Seiten der Fachkräfte fällt zurückhaltend aus: Nur 43 Prozent schätzen ihre Fähigkeiten, Heranwachsenden in Sachen Online-Risiken zu helfen, als (sehr) gut ein. Hilfsangebote sind den Fach- und Lehrkräften wesentlich bekannter als den Eltern, dennoch besteht auch hier Nachholbedarf. 65 Prozent der befragten Fach- und Lehrkräfte wünschen sich zudem einen höheren Stellenwert der Medienbildung und Medienpädagogik in der Schule.

Der Jugendmedienschutzindex wurde vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und dem Institut für Medienpädagogik Jugend Film Fernsehen (JFF) im Auftrag der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) erstellt. Bei den Fach- und Lehrkräften wurden insgesamt 296 Personen befragt, die an schulischen oder außerschulischen Einrichtungen in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein tätig sind.

Bei Fragen zum Thema Cybermobbing und Gewaltprävention können Sie sich an unsere medienpädagogische Beratungsstelle wenden. Weitere Informationen rund um das Thema Cybermobbing finden Sie hier.

 

Sascha Schmidt

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