YouNow – Aktuelle Bestandsaufnahme zeigt neue Risiken auf

Sascha Schmidt
YouNow-Logo

Was ist YouNow?

Nach der öffentlichen Diskussion im Februar dieses Jahres wurde es medial in den letzten Wochen eher ruhig um die Streaming-Plattform YouNow. In der Kritik standen zu jener Zeit insbesondere die fehlenden Jugendschutz- und Sicherheitsmechanismen des Dienstes. Mit diversen Neuerungen versuchen die Betreiber nun, die Kritik aufzugreifen und an den entsprechenden Stellen nachzubessern. Eine aktuelle Bestandsaufnahme zeigt allerdings, dass YouNow weiterhin mit alten Problemen zu kämpfen hat und durch neue Funktionen versucht, die Nutzer/-innen zu In-App-Käufen zu animieren

YouNow ermöglicht es, eigene Videos ins Internet zu streamen – und zwar in Echtzeit. Für die Übertragung von Videos genügt die Kamera des Smartphones, Tablets oder die Webcam des Computers. Eine wichtige Rolle in YouNow spielt die Chatfunktion: Alle angemeldeten Nutzer/-innen können das beobachtete Geschehen nämlich in einem Live-Chat kommentieren. Nicht selten finden hierbei obszöne und sexuelle Bemerkungen ihren Weg in den Chat. Viele vor allem junge Nutzer/-innen neigen in ihren Streams zudem dazu, den Zuschauer/-innen teils intime Einblicke in ihr Privatleben zu gewähren und unbedacht persönliche Daten von sich preiszugeben. Kritisch zu betrachten ist hierbei auch der Umstand, dass sich jeder Nutzer beziehungsweise jede Nutzerin der App anonym in jeden verfügbaren Live-Stream einklinken und das Geschehen verfolgen kann. Die Nutzungszahlen von YouNow stiegen in den letzten Monaten rapide an und so konnte der Dienst in Deutschland im März bereits über 700.000 angemeldete Nutzer/-innen aufweisen.

Neuerungen

In den Medien wurden Anfang des Jahres vor allem die fehlenden Jugendschutz- und Sicherheitsmechanismen von YouNow kritisiert. In der Zwischenzeit trat das Unternehmen dem Verein Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM) bei und hat oberflächlich an einigen Stellen nachgebessert. Zu den Neuerungen gehört unter anderem, dass eine Infoseite mit allgemeinen Nutzungsregeln eingerichtet wurde. Auch eine Infoseite speziell für Eltern sowie eine Seite, auf der die Nutzungsregeln in einfacher Sprache aufgeführt sind, wurden angelegt. Dort finden sich Regeln wie „Zeige dich nicht nackt.“ oder „Nimm keine Drogen.“ Offiziell ist die Nutzung von YouNow erst ab 13 Jahren gestattet – eine Altersüberprüfung fand bis vor kurzem allerdings nicht statt. Diesbezüglich haben die Betreiber seit wenigen Wochen ein Pop-Up-Fenster eingerichtet, welches beim Start des Dienstes erscheint. Dieses fordert eine Bestätigung per Mausklick, dass man bereits 13 Jahre alt ist. Nach Bestätigung erfolgt eine Weiterleitung zum regulären Angebot. Verneint man das geforderte Mindestalter, so wird man auf die Kindersuchmaschine FragFinn.de verwiesen. In einem Spiegel-Interview im März verwies YouNow-Chef Adi Sideman darauf, dass YouNow in Deutschland mittlerweile über mehr als ein Dutzend Moderatoren verfügt, welche die Handlungen in den Streams sowie Chats überwachen. Bei kurzen Stichproben auf der Plattform stößt man allerdings nach wie vor auf einige Nutzer/-innen, die augenscheinlich jünger sind als die geforderten 13 Jahre.

Partnerprogramm und In-App-Käufe

Eine zentrale Neuerung bei YouNow bezieht sich auf das eigens eingerichtete Partnerprogramm, dessen Ausbau in Deutschland seit März vorangetrieben wird. Ziel des Programms ist es, eine Kooperation mit besonders erfolgreichen Streamer/-innen einzugehen. Für die Kooperation erhalten die Streamer/-innen dann finanzielle Einnahmen, die sich unter anderem an den Zuschauerzahlen und den Likes messen. Vor allem erfolgreiche YouTube-Stars werden dazu animiert, am Partnerprogramm teilzunehmen und möglichst viele Fans für YouNow zu werben. Die Taktik scheint indes aufzugehen, denn seit kurzem streamen die Betreiber einiger erfolgreicher YouTube-Kanäle wie BibisBeautyPalace oder Simon Desue nun auch regelmäßig auf YouNow. Ihnen folgen auch dort bereits teils mehrere hunderttausend meist junge Nutzer/-innen. 

Mit dem Ausbau des Partnerprogramms in Deutschland nimmt auch die bisher eher nebensächliche Funktion der digitalen Währungen eine wichtigere Rolle ein: Das System von YouNow arbeitet nämlich mit zwei virtuellen Währungen. Zum einen sind dies die Coins bzw. Münzen: Diese erhält man ausschließlich für die regelmäßige und intensive Nutzung von YouNow. Die Nutzer/-innen sollen also durch ein Belohnungssystem dazu animiert werden, möglichst viel Zeit in der Streaming-Plattform zu verbringen. Die erhaltenen Münzen können die Nutzer/-innen dann gegen Belohnungen wie zum Beispiel zusätzliche Likes für ihren Kanal eintauschen.

Die zweite von YouNow verwendete Währung sind die Goldbarren. Diese können ausschließlich gegen echtes Geld per In-App-Kauf erworben und anschließend gegen sogenannte Premium-Geschenke eingetauscht werden. Zu diesen Premium-Geschenken gehören unter anderem „Heiratsanträge“, die man an seine YouNow-Stars richten kann. Die „Heiratsanträge“ werden prominent im Chatverlauf platziert, sodass sich die Fans von den restlichen aktiven Nutzer/-innen abheben können und ihrem persönlichen YouNow-Star damit augenscheinlich näher stehen. YouNow selbst beschreibt den Vorteil der Premium-Geschenke damit, dass sie den Nutzerinnen und Nutzern helfen, „im Chat besser wahrgenommen zu werden“. Besonders ins Auge sticht hierbei auch das Premium-Geschenk „Chat-cool-down-bypass“: Dieser gibt den Nutzer/-innen die Möglichkeit, auch in überfüllten und überlasteten Chats weiterhin Nachrichten senden zu können, die auch garantiert angezeigt werden. Bei angesagten Streamingkanälen wie etwa dem von BibisBeautyPalace (in YouNow nur BibisBeauty genannt), den im Schnitt etwa 20.000 Zuschauer/-innen verfolgen, erscheint dies also sicherlich als reizvolle Funktion für „echte“ Fans. Diejenigen Nutzer/-innen, die ihren persönlichen YouNow-Stars am meisten Goldbarren gespendet haben, werden zudem in einer Rankingliste platziert und als „#1 Fan“ und so weiter bezeichnet.
 

Verlagerung der Risiken

Insgesamt haben die Betreiber seit Februar von YouNow an einigen kritischen Stellen oberflächlich nachgebessert. Mechanismen wie die Altersabfrage beim Start des Dienstes oder die Erhöhung der Zahl der Moderatoren sowie zusätzliche Regelwerke mögen zwar erste Schritte in die richtige Richtung sein – eine umfassende Eindämmung der Risiken bieten sie allerdings noch nicht. Kurze Stichproben zeigen, dass nach wie vor viele Kinder unter 13 Jahren den Dienst nutzen und nach wie vor teils bedenkliche Einblicke in ihr Privatleben gewähren. Besonders kritisch betrachtet werden müssen seit Kurzem auch das Partnerprogramm und die damit verknüpfte Funktion der In-App-Käufe. Das reizvolle Gefühl, seinem persönlichen YouNow-Star näher zu stehen als andere, verleitet sicherlich viele junge Nutzer/-innen dazu, sich durch den Kauf von Goldbarren und Premium-Geschenken hervorzuheben. Gerade für Kinder und Jugendliche als eine der Hauptzielgruppen stellt der Umgang mit den virtuellen Währungen dabei eine große Herausforderung dar, da sie die Höhe digital getätigter Ausgaben oft nicht richtig abschätzen können.

Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs

Ein verantwortungsvoller und vernünftiger Umgang mit dem virtuellen Angebot ist unabdingbar und deshalb sollten mögliche Risiken und die verwendeten Systeme der In-App-Käufe mit Kindern und Jugendlichen besprochen werden. Auch wenn die App YouNow unter Kindern und Jugendlichen einen riesigen Hype erfährt, ist sie unter Erwachsenen nach wie vor noch relativ unbekannt. In diesem Sinne ist es wichtig, als Schule auch für die Eltern Aufklärungsarbeit zu leisten. Dies ist beispielsweise in Form eines Infobriefs oder im Rahmen von Elternabenden möglich.

Um finanzielle Risiken einzudämmen bietet es sich an, In-App-Käufe auf den mobilen Endgeräten nach Möglichkeit generell zu deaktivieren. Um dies zu tun, muss bei Android-Geräten im Google-Play-Store unter „Einstellungen“ der Punkt „PIN für Käufe verwenden“ ausgewählt werden. Anschließend wird vor jeder Transaktion ein vorher festgelegter PIN-Code abgefragt. Ähnlich bieten auch mobile Endgeräte mit Windows-Betriebssystem im Windows Phone Store unter „Einstellungen“ die Möglichkeit, einen „Brieftaschen-PIN“ für das Tätigen von In-App-Käufen festzulegen. Bei iOS-Geräten können in den Einstellungen unter „Allgemein“ die In-App-Käufe vollständig deaktiviert werden.
 

Sascha Schmidt

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