WhatsApp und die Alternativen

Timo Bister
WhatsApp

WhatsApp zählt trotz Bedenken beim Datenschutz zu den meistgenutzten Messengern der Welt. Wir zeigen Ihnen mögliche Alternativen. | GettyImages/stockcam

Warum man über einen Wechsel nachdenken sollte

WhatsApp ist ein zweischneidiges Schwert, in Anbetracht der Nützlichkeit und der datenschutzrechtlichen Bedenken. Der meistgenutzte Messenger der Welt wurde 2014 vom Facebook-Konzern gekauft, damals mit dem Versprechen, dass kein Datenaustausch zwischen den Plattformen ausgeführt werde. 2018 wurde während der Befragung von Mark Zuckerberg durch das EU-Parlament, bedingt durch den Cambridge-Analytica-Skandal, allerdings noch einmal bestätigt, dass WhatsApp-Daten wie Telefonnummer, Kontaktdaten und Chatverläufe an Facebook weitergeleitet und zumindest teilweise verarbeitet werden. So besteht die Möglichkeit, dass Facebook sogenannte Schatten-Profile von Personen erstellen kann, welche unter Umständen über gar kein Facebook-Profil verfügen. Aus diesen Daten können neben Facebook auch Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste Erkenntnisse gewinnen.

Hinsichtlich der Transparenz stößt man bei WhatsApp ebenfalls auf einige Hürden. So hat vor einiger Zeit WhatsApp eine Verschlüsslung für Chats eingeführt, aber diese ist recht undurchsichtig gestaltet. So ist bekannt, dass die Verschlüsselung vom Messenger Signal übernommen wurde, allerding nicht, in welcher Weise sie in WhatsApp implementiert wurde. Der Aufbau der Server- und App-Programmierung ist nicht frei einsehbar und nicht nachvollziehbar. Das heißt, dass außer Facebook und WhatsApp niemand in der einfachen Lage sein sollte, die Funktionsweise des Messengers aufzudecken. Auch hinsichtlich der Monetarisierung von WhatsApp wird der Messenger zukünftig neue Wege einschlagen. Bis kurz nach der Übernahme durch die Facebook-Gruppe war für die Nutzung von WhatsApp eine jährliche Gebühr von 0,89 Euro pro Nutzer notwendig, um den Messenger nutzen zu können. In Zukunft möchte der Mutterkonzern ein ähnliches Modell wieder einführen mit der zusätzlichen Option, dass auch Werbung angezeigt werden könne, statt eine Gebühr zu bezahlen. Dabei stößt man auf weitere datenschutzrechtliche Bedenken, da die Möglichkeit besteht, dass diese Werbung auf die spezifischen Interessen der Nutzer zugeschnitten wird. Dazu müsste WhatsApp beziehungsweise Facebook jedoch auf weitere persönliche Daten zugreifen.

Wer das nicht möchte, kann über Alternativen zu WhatsApp nachdenken:

Telegram

Telegram ist ein nichtkommerzieller Messenger, der vom russischen Team „Telegram LLP“ um Pawel Durow entwickelt wurde. Zwar wird Telegram oft für seine Quelloffenheit gelobt, diese bezieht sich aber nur auf den Quellcode der App selbst. Die cloudbasierte Serverstruktur hingegen ist nicht einsehbar. Auch beim Datenverkehr wird Telegram oft kritisiert. Ähnlich wie beim Messenger WhatsApp verfügt Telegram über eine Ende-zu-Ende Verschlüsslung. Diese ist allerdings standardmäßig deaktiviert. Ist dies der Fall, werden sämtliche Verläufe und Daten auf den cloudbasierten Servern gespeichert. Eine mögliche Weitergabe oder Nicht-Weitergabe der Daten basiert einzig und allein auf dem Vertrauen zu den Betreibern. Nur wenn die Verschlüsselung aktiviert ist, werden Daten einzig auf den Endgeräten gespeichert.

Ein weiterer Punkt, den Kritiker aufbringen, ist die Verschlüsselung als solches. Das Protokoll „MTProto“ wurde vom Team eigenes für Telegram erstellt und ist wie die Serverstruktur nicht einsehbar und entsprechend auch nicht nachvollziehbar. Die Sichtbarkeit für andere ist nicht vollständig verdeckbar. Hinzu kommt, dass auch gespeicherte Kontakte an die Betreiber weitergeleitet werden und, solange ein Telegram-Account existiert, dort auch hinterlegt bleiben. Telegram bietet insgesamt einen besseren, wenn auch laut Datenschutz-Experten ausbaufähigen Datenschutz als WhatsApp.

Threema

Threema ist ein weiterer Instant-Messenger, der vor allem Bekanntheit erlangte durch die NSA-Affäre rund um den Inlands-Geheimdienst der Vereinigen Staaten und dem Whistleblower Edward Snowden. Der Quellcode ist prinzipiell nicht frei zugänglich, da es sich bei Threema nicht um ein Open-Source Projekt handelt. Entwickelt wurde Threema von der Firma Threema GmbH. Als Verschlüsselung nutzt Threema das quelloffene Protokoll NaCl. Die Implementierung als solches ist, wie bei WhatsApp und Telegram, nicht einsehbar. Bei der Datenweitergabe an die eigenen Server handelt Threema im Vergleich zu anderen Anbietern bedeutend sicherer. Hier besteht die Möglichkeit, dass das Adressbuch des Nutzers mit den Servern abgeglichen werden kann. Dabei werden die Daten allerdings nicht als solches abgeglichen, sondern als verschlüsselte Prüfsummen. Das heißt, dass Kontaktdaten in einer stark veränderten Anordnung, bestehend aus mehreren möglichen Zeichen, weitergeleitet werden. Diese werden zum Abgleich temporär gespeichert, solange ein Abgleich der Daten durchgeführt wird. Anschließend werden die übermittelten Daten wieder gelöscht. Dazu ist es allerdings nötig, dass Nutzer/-innen einen Account erstellen, welcher von rein optionaler Natur ist.

Anders als bei WhatsApp und Telegram ist Threema auch ohne einen hinterlegten Account mit dazugehöriger Telefonnummer und/oder E-Mail-Adresse nutzbar. Ebenfalls anders als bei den anderen Messengern ist die Option der „Secure Chats“, also Chats mit Ende-zu-Ende Verschlüsselung, standardmäßig aktiv. Dabei werden die Daten nur auf den Endgeräten entschlüsselt und bleiben auch in der Cloud, sofern angegeben, verschlüsselt. Ein kleiner Wermutstropfen besteht in der Anschaffung des Messengers. Da Threema ein kommerzielles Produkt ist, wird beim Download der App im PlayStore oder im AppStore von Apple ein Preis von 3,99 Euro angegeben. Dafür verzichtet der Konzern laut eigener Aussage auf die weitere Verarbeitung von Daten und legt mittelweile auch in einem Transparenzbericht offen, wie oft und welche Art von Daten, beispielsweise an staatliche Behörden etc. weitergeleitet wurden.

Signal

Signal ist ein weiterer Messenger der ein ähnliches Repertoire an Funktionen bietet wie die anderen vorgestellten Produkte. Diese App wurde von der gemeinnützigen Stiftung „Open Whisper Systems“ entwickelt, deren Aufgabe es sein soll, Open-Source-Software zu herzustellen, um eine sichere Kommunikation zu ermöglichen und die Meinungsfreiheit zu unterstützen. Da es sich bei Signal um ein reines Open-Source Projekt handelt, ist der Quellcode frei einsehbar. Anders als bei den vorangegangenen Apps sind bei Signal die Quellcodes für die App-Versionen Android, iOS und Desktop sowie auch der Quellcode für die Server verfügbar.

Signal wird von Datenschutz- und IT-Experten oft als der sicherste Instant-Messenger bezeichnet, da die Verschlüsselung auf verschiedenen Ebenen auch auf lange Sicht Daten sichert. So verfügt Signal wie alle anderen vorgestellten Apps über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und greift dabei auch auf die sogenannte „Perfect Forward Secrecy“ zurück. Das bedeutet, dass selbst im Falle einer erfolgreichen Entschlüsselung die Daten weiterhin sicher sind, da anhand der eigentlichen Verschlüsselung weitere Verschlüsselungen erstellt werden, um einzelne Daten selbst zu schützen. Das resultiert auch darin, dass Benutzer sich gegenseitig anhand dieser Verschlüsselung authentifizieren und gleichzeitig anonym bleiben können. Eine Registrierung mit einer E-Mail-Adresse oder Telefonnummer wird nicht angeboten. Zusätzlich lassen sich für Dritte anhand der verschlüsselten Daten keine Rückschlüsse auf den Absender und den Empfänger der Daten ziehen. Ähnliche wie Telegram ist Signal kostenfrei, sowohl in der Anschaffung und im weiteren Betrieb.

Fazit

Es gibt mittlerweile eine Reihe von möglichen und guten Alternativen zu WhatsApp. Dabei erfüllen alle Messenger verschiedene Standards und haben jeweils ein eigenes Repertoire an Möglichkeiten, um möglichst viele Daten zu schützen. Bei der Wahl wird es also vorranging darum gehen, welche Apps welche persönlichen datenschutzbezogene Bedürfnisse bedienen. Eine nicht wesentliche Rolle dürfte auch der Bekanntheitsgrad der Messenger spielen. Die wohl bekanntesten Alternativen zu WhatsApp werden Telegram und Threema sein. Diese haben mittlerweile eine Nutzerzahl im zweistelligen Millionenbereich.

Signal bietet im Vergleich zu allen anderen Apps den besten Datenschutz, da hier Daten doppelt verschlüsselt und auch im Falle eines Hackerangriffs nicht ohne weiteres entschlüsselt werden können. Die mögliche Anonymisierung durch die Nutzung von Google-Servern wird zwar von Datenschützern kritisiert, kann aber optional (de-)aktiviert werden und ist laut Entwicklern vor allem dazu gedacht, um Meinungsaustausch gerade in restriktiven Ländern zu sichern oder generell erst zu ermöglichen. Wem also ein Datenschutz, der den von WhatsApp übertrifft, genügt, wird mit Telegram oder Threema zufrieden sein können. Für ein höchstes Maß an Datenschutz dürfte Signal eine bessere Wahl sein.

Timo Bister

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