wahrewelle.tv – Einmal Verschwörungstheorie zum Mitnehmen

Timo Bister
Screenshot der wahrewelle.tv-Website

Screenshot der wahrewelle.tv-Website | Wahrewelle.TV

Verschwörungstheorien haben Konjunktur im Internet

Von Verschwörungstheorien werden viele schon gehört oder auch gelesen haben: Die Mondlandung sei eine Fake-Inszenierung der US-Regierung, der 11. September 2001 wäre kein Anschlag, sondern ein Inside Job der CIA gewesen oder die Bundesrepublik Deutschland werde nach wie vor von den Siegermächten kontrolliert und sei in Wahrheit sogar eine GmbH. Das zumindest ist nur eine kleine Auswahl an Verschwörungstheorien, die aber wohl zu den Bekanntesten gehören dürften. Die Bandbreite der Themen ist riesig. Von Ereignissen, die die Welt erschütterten, der Theorie, dass die Erde flach sei, über Staatsgründungen bis hin zu global umfassenden Schattenregierungen durch kleine elitäre Gruppen. Im Netz ist dazu im Juni 2018 eine kleine aber merkwürdige Seite online gegangen, die sich mit solchen Themen auseinandersetzt: wahrewelle.TV. Das Online-Angebot  behandelt in vierminütigen Clips solche Verschwörungstheorien. Dabei bedient sich die Seite in der Konzeption dieser Videos bei bekannten und etablierten Fernsehformaten, allen voran „Berlin Tag und Nacht“ oder auch „Frontal 21“. Die Formate von wahrewelle.TV ähnlich dabei den Vorbildern so sehr, dass man bis auf die kleinen Namensänderungen kaum einen Unterschied erkennt.

Endcard der YouTube-Clips

Endcard der YouTube-Clips | YouTube.com/Wahrewelle.TV

Aufklärungsarbeit kann Probleme mit sich bringen

Wenn man sich das Impressum oder auch die End Card der Videos ansieht, erkennt man, dass wahrewelle.TV ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung  (BpB) ist. Ziel ist es, mit einem niederschwelligen Angebot die Netzcommunity zu erreichen und das Thema Verschwörungstheorie aufzugreifen. Der Pressemitteilung  zufolge möchte man im Internet das Thema explizit ansprechen und dafür sensibilisieren. Dazu nutzt die Bundeszentrale die erwähnten Formate auf satirische Art und setzt die Clips gekonnt in Szene. Die Videos werden sowohl auf der eigens dafür kreierten Seite , auf der Website der BpB, als auch auf dem eigenen YouTube-Kanal präsentiert. Auf diesem Kanal wird allerdings nicht darauf hingewiesen, dass es sich um in Satire gekleidete Aufklärung handelt. Dadurch ergibt sich allerdings ein Problem für die Zuschauer/-innen, die nicht mit dem Stilmittel der Satire vertraut sind. Die Intention der Videos kommt in den Videos selbst schlecht zum Ausdruck. Bis zum Ende hin ist im Grunde nicht klar, was die eigentlichen Ziele der Clips sind. Sollen Verschwörungstheorien verbreitet, erklärt oder für das Thema als Ganzes sensibilisiert werden? Erst am Ende, in der sogenannten End Card, wird klar, dass man aufklären möchte. „Lass dir keinen Scheiß erklären“ titelt die Bundeszentrale für politische Bildung groß auf den letzten zehn Sekunden und verweist gleichzeitig auch auf die Seite über Wahre Welle auf der Internetpräsenz der Bundeszentrale. Dort findet man weitere Information und eine ausführliche Aufklärung darüber, was eigentlich Sinn und Zweck der Videos ist und vieles zu Verschwörungstheorien selbst.

Vorschlag zum Umgang mit wahrewelle.TV

Wie schon erwähnt, kursieren eine schier unüberblickbare Anzahl an Verschwörungstheorien im Web und eine noch höhere Anzahl ihrer Anhänger. Das Projekt, welches im Juli 2018 nach sechs Videos beendet wurde, mag dem Ganzen kaum entgegenwirken. Allerdings kann man die Produktionen des Projekts dazu nutzen, um als Pädagogin oder Pädagoge gegen diese obskuren Theorien zu arbeiten, auf das Thema aufmerksam zu machen und Jugendliche zu sensibilisieren. Im Deutschunterricht lassen sich die Videos nutzen, um mittels einer kleinen Filmanalyse nicht nur die verwendeten „Genres“, sondern auch die verwendeten Stilmittel zu analysieren, und damit auch das Thema „Verschwörungstheorien“ aufzugreifen. So erkennen die Schülerinnen und Schüler die Charakteristika von Verschwörungstheorien und fallen nicht so leicht auf deren scheinbar logische Konsistenz herein.

Mehr zum Thema Filmbildung und Filmanalyse finden sie hier

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Timo Bister

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