Voll die Realität – Dokumentarfilm im Unterricht

Constantin Schnell
SWR-Doku-Festival: Diskussion

Diskussion beim SWR-Doku-Festival | LMZ

Filmpädagogischer Fachtag beim DokuFest in Stuttgart

Das DokuFest in Stuttgart, gegründet 2017, widmet sich ausschließlich dem Dokumentarfilm. Gleich bei der zweiten Festivalausgabe fand in diesem Jahr ein Filmpädagogischer Fachtag statt. Damit sollen Lehrerinnen und Lehrern sowie Filmpädagogen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man Dokumentarfilm im Unterricht einsetzt.

Der Fachtag – der übrigens kostenfrei besucht werden konnte – bestand aus drei Teilen. Zunächst wurde am Vormittag die 30-minütige Schulfassung von „Democracy“ im Kino gezeigt, daran anschließend konnten die Schülerinnen und Schüler mit den Machern des Films ein Filmgespräch führen. Der Nachmittag begann mit zwei Impulsvorträgen von Filmpraktikern. Anschließend wurden ganz praxisnah vorgestellt, welches Material man wie im Unterricht einsetzen kann. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

Filmgespräch „Democracy – Im Rausch der Daten“

Es liegt für jeden, der schon einmal ein Filmgespräch mitgemacht hat, auf der Hand, wie wertvoll eine Diskussion nach dem Film ist. Ganz besonders spannend und informativ ist sie, wenn dabei die Macher des Films direkt befragt werden können. In diesem Fall war nicht der Regisseur anwesend, sondern der Produzent Arek Gielnik und die SWR/Arte-Redakteurin Dr. Gudrun Hanke El-Ghomri, und beide hatten jede Menge spannende Geschichten rund um die Entstehung des Films auf Lager. Im Filmgespräch ging es somit auch weniger um inhaltliche Aspekte (die im Idealfall mit Hilfe des pädagogischen Begleitheftes im Unterricht vor- und nachbereitet werden), sondern um Aspekte der Filmherstellung. Um es kurz zu machen: Was Gielnik und Hanke El-Ghomri über die Entstehung des Filmes erzählt haben, waren Hintergrundinfos, von denen man als Schülerinnen und Schüler (und Lehrkräfte) normalerweise nicht hört. Zahlreiche Fragen der Schülerinnen und Schüler zeigten, dass sie aufmerksam zuhörten.

SWR Doku Festival 2018: Hans Beller

Hans Beller: „Wer vom Dokumentarfilm redet, darf vom Fernsehen nicht schweigen“. | LMZ

Impulsvortrag von Hans Beller: Dokumentarische Formate

Der Nachmittag wurde – nach einem kleinen Mittagsimbiss – von zwei Filmpraktikern (und Filmdozenten) eröffnet. Sie gaben Einblicke ganz eigener Art in den Dokumentarfilm – sehr lohnenswerte Einblicke für alle jene, die sich mit dem Format auseinandersetzen (oder auch nur beschäftigen).

Hans Beller, Dokumentarfilmer, Buchautor, und Filmakademie-Dozent (und zudem Filmreferent des LMZ), gab einen kleinen, mit amüsanten Abschweifungen versehenen Überblick über die dokumentarischen Fernsehformate. Fernsehformate? Ja, sagte Beller, denn „wer vom Dokumentarfilm redet, darf vom Fernsehen nicht schweigen“.

Was ist eigentlich „dokumentarisch“?, fragte er zunächst. Die Bandbreite zeigte Beller anhand des Fußballs auf. Eine Live-Fußballübertragung dokumentiert das Geschehen unmittelbar. Aber es gibt auch Dokumentarfilme über den Fußball, wie „Die Borussen kommen“ (Wilhelm Bittorf, 1964), „Fußball wie noch nie“ (Hellmuth Costard, 1970) oder „The Final Kick“ (Andi Rogenhagen, Alberto Signetto 1994). Leicht zu sehen: Ein Dokumentarfilm sieht ganz anders aus als eine Live-Übertragung. Und nicht anders ist es bei den sogenannten dokumentarischen Formaten, die Beller vorstellte.

Das kürzeste ist der NiF – das Akronym steht für „Nachrichten im Film“, meist zwischen einer und drei Minuten lang. „Die Scherbenwelt der NIFs hat Hans Magnus Enzensberger schon 1962 kritisiert“, stellte Beller fest. „Die Kürze kann keine ausreichende Information liefen.“ Und nicht selten werde in den NiFs zudem ein Kausalzusammenhang hergestellt, der möglicherweise gar nicht existiert.

Etwas länger, aber „immer mehr an einem Zwang zur dramaturgischen Schematisierung leidend“, ist der Magazinbeitrag. Dort brauche es stets einen Protagonisten, einen Antagonisten, Plotpoints und eine Heldenreise – und das in sieben Minuten. „Der Punkt ist nicht, dass es schlecht wäre, dramaturgischen Prinzipien zu haben, sondern dass sie der Realität übergestülpt werden. Die Wirklichkeit wird getrimmt auf Schemata der Dramaturgie. Was hat das noch mit der vorgefundenen Realiktät zu tun?“

Das Feature nennt Beller dann pointiert ein „Faktenhack aus Statements, Vox Pop, Archivbildern und Schnittbildern mit Scheißegal-Shots“. Die Problematik liege in der Heterogenität des Formats. Dessen Einheit sei meist nur in der Thematik, nicht aber in der Form aufzufinden. Was ist überhaupt einheitsstiftend? Mit dieser Frage leitete der erfahrene Filmemacher und Filmlehrer zu den längeren Formaten über.

In der Reportage ist es die Einheit der Zeit, die das Format prägt. Ursprünglich wurde in einer Reportage ein Ereignis dokumentiert, mit einem klar definierten Anfang und Ende, empathisch ging der Filmemacher mit den Protagonisten mit. Heute sei der Spruch „Mach’s mal reportagig“ oft nur noch die Aufforderung dazu, „mit der Kamera situativ zu wackeln und mit rauen, aber herzlichen Schritten dynamisch voranzukommen“.

Die Reportage teilt sich in unterschiedliche Subgenres, wie zum Beispiel die Backstage-Reportage. Man folgt einem Menschen, beispielsweise dem Kanzlerkandidaten, und verspricht dem Zuschauer, er bekäme etwas zu sehen, was die offiziellen Medien nicht sehen. Oft funktionieren Porträts, als weiteres Subgenre, nach dem Prinzip der Rubber Duck: Weil du mir meine Quitscheente weggenommen hast, bin ich Präsident, erfolgreicher Künstler, Firmengründer oder was auch immer geworden. Das Format Reportage, so Beller, sei inzwischen ziemlich aufgeweicht, man finde Musik oder Flashbacks, vom Credo des direct cinemas (no tripod, no light, no question) ist nichts mehr übrig.

Der Dokumentarfilm schließlich, als „grand format“ hatte einst seine höheren Weihen bekommen, wenn er 90 Minuten lang war und kein Kommentar zu hören war. Wenn eben nicht ständig eine „Voice of God“ erzählte, was man ohnehin sieht oder fühlt. Als Dogma seien diese Vorgaben aber nicht akzeptabel.

Was also macht einen Dokumentarfilm aus? Hans Beller benutzt hier den Begriff der Einstellung. „Im übertragenen Sinne wie eine Kameraeinstellung; die Kamera steht auf einem Fleck, auf einem Stativ oder nicht.“ So ermöglicht Dokumentarfilm Einsicht, Übersicht, neue Erfahrung und Einfühlung. Leider herrsche im Dokumentarfilm aber ein gewisser Fiktionalisierungsdruck: Die aus dem Erzählkino stammenden Schemata würden den Dokumentarformaten oft überstülpt. Dieser „Terror durch den Zwang zum Storytelling kann bis zum Formatstalinismus führen“, merkte Beller an, absichtlich eine provokative Vokabel nutzend, um eine Diskussion anzustoßen.

Zuletzt mahnte Hans Beller das Übergewicht von Spiel- und Fernsehfilmen an. Es sei eine „selbstverschuldete Unmündigkeit, wenn eine reiche Gesellschaft wie die unsrige die Fiktion dem Dokumentarischen vorzieht und uns damit von der Wirklichkeit entfernt“. Fehle eine „gescheite Rückkopplung mit der Umwelt, dann bringt das jeden Organismus um“. Er endete mit einem arabischen Sprichwort, das wohl jeder Dokumentarfilmer liebt: „Der Geist schläft, bis das Auge ihn mit einer Frage weckt.“

Impulsvortrag von Marcus Vetter: Das Geheimnis guter Dokumentarfilme

Markus Vetter, erfahrener und mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilmer aus Stuttgart („Das Herz von Jenin“, „Das Versprechen“, „The Forecaster“), verriet in seinem Vortrag einige „Geheimnisse“, wie man gute Dokumentarfilme macht. Interessanterweise lassen sich seine Tipps, die er stets anhand eigener Dreherfahrungen illustrierte, auch im schulischen Kontext leicht umsetzen. Zudem setzte er sich damit auseinander, in wie fern ein Dokumentarfilm manipulieren darf. Hier eine Zusammenfassung:

Die Kamera: „Der Erfolg von Dokumentarfilmen hat viel mit der Kameraarbeit zu tun“, ist Markus Vetter überzeugt. „Wesentlich dabei ist das Einbeinstativ. Denn nur das Einbeinstativ lässt die unterschiedlichsten Perspektiven zu – im Gegenteil zur Schulterkamera, die immer leicht von oben dreht.“ Vetter berichtet von einem Meeting mit Donald Trump in Davos. Vier Kamerateams drehten dort von der Schulter, filmten also die Sitzenden von oben. Nur das Team von Vetter nahm sich die Freiheit, Über-die-Schulter-Schüsse der Runde zu drehen, also auf Augenhöhe der Protagonisten. „Das gibt eine völlig andere Szene.“

In Dialog und Interviewsituation benutzt Hollywood schon immer eine klassische Auflösung mit Überschulter-Schuss, Gegenschuss, 2er-Einstellung und Großaufnahmen. So etwas auch beim Dokumentarfilm zu machen, sei bei uns erst in den letzten zehn Jahren aufgekommen. Und dazu gehört eben auch die Arbeit mit dem Einbeinstativ. „Wenn nicht vom Stativ gedreht wird, sondern der Film lebt, das zeigt dem Zuschauer, dass er sich nicht gegen den Film wehren muss. Dass er eintauchen kann. Wird vom Dreibein-Stativ gedreht , dann wird das sehr antiseptisch, dann glaubt es der Zuschauer nicht mehr.“

Der Schnitt: In jedem Interview wird geschnitten. Natürlich gibt es Puristen, die nicht schneiden wollen, weil sie denken, das manipuliere den Zuschauer, sagt Vetter. „Die Kamera ist dann minutenlang auf den Protagonisten, da wird nicht geschnitten. Allderings muss man dann sehr lange drehen, um die 1,5 bis 2 Minuten zu bekommen, die man braucht. Und die Protagonisten müssen sehr gut reden können.“ Im Fernsehen wird eine Interviewsituation meist mit Zwischenschnitten geschnitten. „Diese ‚Zwischnis‘, die Zwischenschnittbilder, die braucht kein Mensch. Der Zwischni macht den Film kaputt.“ Vielmehr sei es nötig, die Zuhörenden zu beobachten und zu drehen. „Nicht nur der Sprechende ist wichtig, sondern auch der Zuhörende.“ So kann man sich die Zwischenschnitte holen, indem man den Zuhörenden zeigt. Nur leider, klagt Vetter, kleben viele Kameraleute auf dem Sprechenden. „Manchmal ist der andere, der Zuhörende, aber viel spannender.“

Allerdings: der Ton. „Wenn das Team aus Kameramann und Tonmann nicht eingespielt ist, passiert folgendes: Die Kamera geht zu dem, der nicht redet, und der Ton geht auch zu dem der nicht redet! Weil der Ton immer der Kamera folgt. Da muss man erset mal verstanden haben, dass der Ton da bleibt, wo geredet wird. Das liegt daran, dass die Hierarchie zwischen Kamera und Ton klar festgelegt ist: Ton folgt Kamera.“ Der Ton muss natürlich beim Sprechenden bleiben. „Der Ton ist wichtig. Das Bild kann man zur Not auch mit einem Handy machen, aber ohne Ton kein Film.“

Das Thema: „Das allerwichtigste ist das Thema. Ein gutes, ein relevantes Thema. Durch ein gutes Thema hat man Rückenwind, man wird quasi geschoben. Aber was sind gute Themen für 90 Minuten? Ich frage oft meine Studenten danach. Am öftesten kommt die Idee, einen Künstler zu begleiten. Es würde mich wundern, wenn es da eine Geschichte gäbe. Eine Dokumentarfilmreihe des Süddeutschen Rundfunks hieß einst „Zeichen der Zeit“. Was sind Zeichen der Zeit? Themen, die man im hier und jetzt machen muss. 1999 waren das zum Beispiel die Aktienmärkte. Die Aktien kannten damals nur noch eine Richtung. 1999 gab es die ersten Börsenspielhallen, also Orte, wo jedermann mit Aktien handeln konnte. Vier Jahre später hätte man das gar nicht mehr drehen können, denn dann gab es diese Börsenspielhallen nicht mehr. Allerdings wollte das Thema damals keiner haben, denn das zeichnet ja solche Zeichen der Zeit aus, dass jeder denkt: Das ist doch alles ganz normal, das interessiert doch den normalen Menschen nicht. Diese Themen, die auf der Hand liegen, sind also gar nicht so einfach zu verkaufen.“

Manipuliert ein Dokumentarfilm? Vetter berichtet von einem 2,5-stündigen Interview mit einem älteren Mann, bei dem so viele Ähs und unvollständige und komplizierte Sätze gesprochen wurden, dass man es im Film nicht verwenden konnte. „Das wäre nicht zu ertragen gewesen.“ Im Endeffekt konnte Vetter nur acht On-Statements verwenden. Der Rest des Interviews musste zusammengeschnitten und konnte damit nur im Off verwendet werden. „Und schon habe ich manipuliert!“ Nicht nur der Zuschauer wurde manipuliert, stellt Vetter fest, auch der Gesprächspartner. „Man hätte seiner Rede nicht folgen können. Also haben wir manipuliert, um das, was er eigentlich sagen wollte, auch so zu präsentieren.“ Es liegt auf der Hand: „Als Filmemacher können wir alles machen. Und wenn wir es geschickt machen, dann manipulieren wir so, dass es der Zuschauer nicht einmal mitbekommt.“ Es geht, so seine Schlussfolgerung, beim Filmemachen also um Redlichkeit. Der Zuschauer muss dem Filmemacher vertrauen. Denn der Zuschauer urteilt beim Schauen: Kann ich dem Film vertrauen? Ein gut gemachter Film bringt den Zuschauer dazu, dem Film zu vertrauen und in ihn einzutauchen. „Manipuliert das?“ fragte Vetter schließlich, um klar zu stellen: „Da ist eine Grenze, die sollte man nicht übertreten.“Material für den Unterricht: Planet Schule

Material für den Unterricht: Planet Schule

Rund 30 Lehrkräfte und Pädagogen besuchten den Fachtag, und die Resonanz war durchgängig positiv: Alle wollen den filmpädagogischen Fachtag im nächsten Jahr weiterempfehlen. Allerdings wurde in so manchem Feedback festgestellt, dass mach doch mehr unterrichtspraktische Anleitungen mitnehmen wolle. Genau die gab es schließlich im dritten Teil des Tages. Zunächst stellt die SWR-Redaktion Planet Schule ihr Angebot an dokumentarischen Formaten für den Unterricht vor. Ob mittels Reportage oder „inszenierter“ Wirklichkeit in 3D-Animationen und Re-Enactments, ob in aufwendigen Naturdokumentationen oder Kulturportraits: Bei Planet Schule können die Lehrkräfte nach Altersgruppe und methodisch-inhaltlicher Intention aus einer Fülle von dokumentarischen Mitteln wählen. Die Filme und Medien von Planet Schule sind für den Unterricht konzipiert. Sie orientieren sich an den Curricula, sind kostenfrei zugänglich und können gemeinsam mit methodisch-didaktischem Unterrichtsmaterial und Arbeitsblättern im Internet heruntergeladen werden. Für einen vielfältigen und methodisch abwechslungsreichen Einsatz stehen auf www.planet-schule.de Web-Tools zu Verfügung, die es z.B. ermöglichen Ausschnitte zu definieren, die in eigene Präsentationen, Lernplattformen oder (Schüler-)Blogs eingebettet werden können.

Planet Schule: Ich und die anderen

Die Redaktion „Planet Schule“ präsentierte außerdem ihre Filmreihe „Ich und die anderen“. Die Reihe begleitet Jugendliche in der spannenden Phase des Erwachsenwerdens, dann wenn sie entscheiden, wie sie zu sich und anderen stehen. Die Filme bieten Jugendlichen Rede- und Reflexionsanlässe, die den schwierigen Weg der Selbstfindung unterstützen können. Der Fokus der Filme ist jeweils auf den jungen Protagonisten, ihrem Alltag, ihrer Identität und der Interaktion mit ihrem Umfeld. Die Filme sind Originaltonreportagen - die Jugendlichen haben hier das Wort und die Bühne. Sie erzählen von sich und ihrer Welt, ohne leitenden und einordnenden Kommentar. Im Zusammenspiel der Protagonisten wird deutlich, dass jeder irgendwie „anders“ ist.

 

Zielgruppe sind Schüler ab der ab 8. Klasse, die Filme sind in Anlehnung an den Lehrplan in Gemeinschaftskunde, Religion, Ethik und Deutsch einsetzbar, eignen sich aber auch für fächerübergreifenden und Projektunterricht. Die Filme stehen online auf planet-schule.de, ergänzt durch Hintergrundinformationen und Arbeitsmaterialien für den Unterricht.

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Material für den Unterricht: Landesmedienzentrum

Im Vortrag „Film im neuen Bildungsplan“ schließlich stellte das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg speziell für die Filmbildung entwickeltes Material vor, das sich besonders gut im Deutschunterricht einsetzen lässt. Gerade im Fach Deutsch ist Filmbildung stark gefordert: Filmbildnerische Aspekte finden sich hier im aktuellen Bildungsplan der Mittel- und Oberstufe, wobei ein spiralcurricularer Aufbau erkennbar wird. Das Landesmedienzentrum setzt in seinem Filmbildungskonzept dabei auf Kurzfilme, die besonders gut in das Zeitfenster einer Schulstunde passen und sogar eine wiederholte Sichtung ermöglichen. Bedient werden dabei grundsätzlich zwei Seiten der Filmanalyse: Filme sollen zum einen inhaltlich, zum anderen aber auch in ihrer Gestaltung betrachtet werden. Der Vortrag endete mit einer Forderung nach einer Filmdidaktik, die die Möglichkeiten des Filmeinsatzes in Lehr-Lernarrangements auslotet und ihren Weg auch in die Lehrerfortbildung findet.

LMZ: Filmbildung

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Schulpraxis: Profilfach „Mensch und Medien“ am Evangelischen Firstwaldgymnasium

Einen spannenden Einblick in die konkrete Arbeit mit Schülerinnen und Schüler gab zum Abschluss des Tages Regine Walter, Lehrerin am Evangelischen Firstwaldgymnasium Mössingen. Seit 2004 gibt es dort das Profilfach „Mensch und Medien“, das ab der 7. Klasse angeboten wird und in der Oberstufe als Seminarkurs läuft. Die Schülerinnen und Schüler erstellen dabei als Abschlussprojekt in der 10. Klasse einen Film, in 7 bis 8 Teams mit je 4-5 Mitgliedern (abhängig von der Jahrgangsgröße). Die Themenstellung wird mit den Schülerinnen und Schülern zu Beginn des Schuljahres gemeinsam ausgewählt – es muss einerseits offen sein, um verschiedene Herangehensweisen, andererseits konkret genug sein, um dokumentarisches Filmen überhaupt zu ermöglichen. 2017 war das Thema „Respekt“, davor „Die letzten ihrer Art“. Regine Walter stellte den Bildungsplan des Fachs vor, die Ausstattung und das Vorgehen beim filmischen Abschlussprojektes und zeigte auch exemplarisch einen der Abschlussfilme. In Puncto Ausstattung machte sie auf die schlimmsten Antagonisten eines Filmprojektes aufmerksam: Zeit und Technik. Ein eigener Raum für das Profilfach mit guter technischer Ausstattung sei Gold wert, und der der Zugriff auf die Technik müsse unkompliziert sein. Das Resümee einer Schülerin zeigt, wie viel sich mit einem solchen Profilfach erreichen lässt: „Das war wahrscheinlich nicht so vorgesehen, aber in Menschen und Medien lernt man tatsächlich auch etwas über Menschen. Wie verhalten wir uns, wenn wir an unsere Grenzen kommen? Wie lösen wir Probleme und vor allem, wie verhalten wir uns in der Gruppe? Wir haben gelernt, Rückmeldung zu geben und durchaus eigene Ideen und Impulse zu für das Fach zu geben. Sich auch mal durchzusetzen, zusammenzuhalten und manchmal eben auch zu scheitern.“

Evangelische Schulen am Firstwald: Profil: Mensch und Medien

Mehr zum Profilfach inklusive fachspezifischem Bildungsplan.

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