Über fünf Jahre WhatsApp: Geschichte, Bedeutung und Herausforderungen des Messengers

Sascha Schmidt
Mädchen chattet

GettyImages/urbazon

Die Erfolgsgeschichte von WhatsApp

WhatsApp ist aktuell nicht nur der meistgenutzte Messenger-Dienst weltweit, sondern hat sich in den vergangenen Jahren auch als fester Bestandteil der Alltagskommunikation vieler Menschen etabliert. Anlässlich des mehr als fünfjährigen Bestehens werfen wir einen Blick auf die Geschichte von WhatsApp, seine Bedeutung für Heranwachsende und die Herausforderungen, die sich im Schulalltag durch die Nutzung ergeben.

Im November 2009 wurde der Messenger-Dienst WhatsApp von den zwei ehemaligen Yahoo-Mitarbeitern Brian Acton und Jan Koum veröffentlicht. Die schnelle, einfache und kostengünstige Möglichkeit, per Chat-Nachrichten zu kommunizieren, bescherte der App einen rasend schnellen Popularitätsanstieg. Die Zahl der Nutzer/-innen nahm stetig zu und so konnte WhatsApp Anfang 2012 bereits mehr als 100 Millionen Downloads aufweisen. 2014 knackte der Dienst dann sogar die 500 Millionen-Marke. Im selben Jahr sorgte WhatsApp vor allem aufgrund der Übernahme durch Facebook für Schlagzeilen: Facebook kaufte WhatsApp für etwa 19 Milliarden Dollar auf und tätigte damit die finanziell zweitgrößte Firmenübernahme überhaupt. Der Aufkauf löste bei vielen Nutzerinnen und Nutzern Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes aus. Viele fürchteten, dass ihre WhatsApp-Daten nun auch an Facebook übermittelt und kommerziell weitergenutzt würden. Trotz aller Bedenken und Negativschlagzeilen stieg die Zahl der WhatsApp-Nutzer/-innen jedoch weiter an. Die Verbreitung des Messenger-Dienstes und die Nutzungsroutinen ließen viele Nutzer/-innen scheinbar über mögliche Datenschutzzweifel hinwegsehen.
 

WhatsApp heute

WhatsApp verfügt mittlerweile über mehr als 700 Millionen aktive Nutzer/-innen weltweit und ist damit die aktuell meistgenutzte Messenger-App (Stand: März 2015). Täglich werden über den Dienst im Schnitt etwa 30 Milliarden Nachrichten versendet. Gerade unter den Heranwachsenden spielt der Messenger dabei eine besonders wichtige Rolle: Gemäß der kürzlich veröffentlichten BITKOM Studie „Jung und vernetzt“ nutzen 72 Prozent der 10- bis 18-Jährigen in Deutschland WhatsApp regelmäßig. Damit ist der Dienst das am weitesten verbreitete Soziale Netzwerk unter den Heranwachsenden und steht noch vor Facebook.

Sicherheit und Datenschutz

In der Vergangenheit geriet WhatsApp immer wieder in die Kritik von Datenschützern: Kritisiert wurden vor allem fehlende Verschlüsselungssysteme und die damit verbundene unsichere Verarbeitung der Chatnachrichten. Seit November 2014 setzt WhatsApp nun die Verschlüsselungstechnologie TextSecure ein, welche in Fachkreisen hohes Ansehen genießt. Mit diesem Verfahren sollen Nachrichten so verschlüsselt werden, dass sie nur vom jeweiligen Sender und Empfänger gelesen werden können (sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung). Zwar wird es Fremden hierdurch deutlich erschwert, Chatnachrichten live mitzulesen, jedoch speichert WhatsApp die gesendeten Nachrichten vermutlich weiterhin unverschlüsselt auf den eigenen Servern ab. Hierdurch wären sie dort theoretisch wieder einsehbar und könnten von Kriminellen missbraucht werden.

Ebenfalls kritisch zu betrachten sind nach wie vor die vielen geforderten Berechtigungen bei der Nutzung des Messengers. Wer WhatsApp installiert und nutzt, erteilt dem Dienst unter anderem die Erlaubnis, die Kontaktdaten zu lesen, den Standort via GPS abzufragen, die Systemeinstellungen zu ändern, sämtliche installierte Apps auf dem mobilen Endgerät abzurufen und vieles mehr. Insgesamt erteilt man der App rund 35 Berechtigungen – meist ohne es zu merken. Theoretisch können viele dieser Berechtigungen von Internetkriminellen dazu genutzt werden, die entsprechenden Gerätefunktionen zu missbrauchen und private Daten auszuspionieren. Ob und inwiefern eine Weiterverarbeitung der Daten durch die Betreiber selbst stattfindet, kann zudem auch nur schwer nachgeprüft werden.

WhatsApp im Schulalltag

Auch auf die Kommunikation im Schulalltag nimmt WhatsApp Einfluss: Immer öfter organisieren sich Schülerinnen und Schüler in sogenannten Klassenchats. Dies sind geschlossene Chaträume, in denen sich die Lernenden einer Schulklasse untereinander austauschen. Typische Gesprächsthemen sind dabei Geschehnisse in der Schule, Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder Allgemeines.

Grundsätzlich bietet WhatsApp die Möglichkeit, dass jede/-r Nutzer/-in einen eigenen Gruppenchat mit ausgewählten Mitgliedern einrichten kann. Dieses Feature wird von den Heranwachsenden ausgiebig genutzt und die Konstellationen in den Gruppenchats haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Gruppenbildungsprozesse im Alltag. Die Problematiken, die sich durch die Gruppenchats ergeben, sind vielfältig. Die Hemmschwelle gegenüber abfälligen Bemerkungen ist in digitalen Chaträumen generell wesentlich niedriger als im echten Leben und dadurch werden die Gruppen- und Klassenchats immer öfter zum Schauplatz von Cybermobbing. Auch private und teils intime Fotos werden über Dienste wie WhatsApp rasend schnell verbreitet, auch wenn die Betroffenen dies teilweise nicht beabsichtigen, gar nicht wollen oder mögliche Folgen nicht abschätzen können. Für Außenstehende ist es oft kaum einsehbar, welche Prozesse sich in den Chats tatsächlich abspielen.

Für Lehrkräfte bietet es sich an, vor allem in den niederen Klassenstufen (bis etwa Klasse 6/7) Verhaltens- und Gesprächsregeln für WhatsApp-Chats und ggf. auch andere soziale Netzwerke zu entwickeln. Diese können ähnlich wie reguläre Gesprächsregeln in der Klassengemeinschaft festgelegt und anschließend symbolisch unterzeichnet werden. Generell empfiehlt es sich hierbei, die festgelegten Regeln kurz und knapp zu halten und Ich-Botschaften zu verwenden (zum Beispiel „Ich verhalte mich gegenüber anderen Chatpartnern respektvoll.“ oder „Ich gebe private Daten wie Adresse und Telefonnummer an keine fremden Personen weiter.“) Zur Erarbeitung von Chatregeln in der Schule bietet das LMZ das Unterrichtsmodul „Chatten“.
 

Snapchat als wachsende Konkurrenz

Auch wenn WhatsApp unter den Heranwachsenden aktuell als die meist genutzte Messenger-App gilt, spielen auch andere Messenger-Dienste für sie eine wichtige Rolle. Ebenfalls besonders beliebt bei Jugendlichen ist die App Snapchat: Diese bietet neben der Chatfunktion die Möglichkeit, Fotos und Videos zu versenden, die gleich nach dem Ansehen wieder gelöscht werden. Die Nutzer/-innen können dabei selbst festlegen, wie lange das Foto oder Video vom Empfänger angesehen werden kann. Leider versenden viele Jugendliche über die App oft gutgläubig intime und schützenswerte Bilder von sich. Das Thema Sexting spielt in diesem Kontext daher eine wichtige Rolle.

Die Download-Zahlen von Snapchat nehmen aktuell zu und Ende letzten Jahres konnte die App bereits mehr als 100 Millionen aktive Nutzer/-innen aufweisen. Generell ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass Snapchat den Konkurrenten WhatsApp vom Markt verdrängen wird. Vielmehr nutzen Jugendliche oft beide Apps parallel, um mit verschiedenen Personengruppen in Austausch zu treten und von den unterschiedlichen Funktionen beider Dienste Gebrauch zu machen.
 

Messenger-Alternativen

Neben den bereits genannten Messenger-Apps existieren auch Alternativen, die einen größeren Wert auf Sicherheit und Datenschutz legen. So nutzen bereits mehr als 2,5 Millionen Nutzer/innen in Deutschland die Messenger-App Threema, die sich funktionell nur geringfügig von WhatsApp unterscheidet. Threema nutzt ein Verschlüsselungssystem, bei der nicht einmal der Anbieter selbst Zugriff auf die Chatnachrichten hat, da diese nicht auf Servern gespeichert werden. Zudem ermöglicht der Messenger eine vollständig anonyme Kommunikation, indem auch eine Verschlüsselung der Kontaktdaten stattfindet. Einen ähnlichen Weg geht auch die App SIMSme, die von der Deutschen Post angeboten wird. Auch hier wirbt der Anbieter damit, dass die Nachrichten sicher verschlüsselt übertragen und nicht auf Servern gespeichert werden. Zusätzlich bietet die App gegen einen einmaligen Aufpreis die Selbstzerstörungsfunktion von Nachrichten und Bildern ähnlich wie bei Snapchat.

Weiterführende Links

Chatten ohne Risiko (Infos für Eltern und Lehrkräfte zum sicheren Chatten)

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Internet ABC (Film und interaktive Aufgabe zum Thema Chat-Regeln)

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Klicksafe (Themenseite zum Chatten)

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Mehr Infos zu weiteren WhatsApp-Alternativen.

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Sascha Schmidt

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