TikTok - Eltern sollten auf Sicherheitsregeln achten

Ulrike Boscher
Drei Jungs springen über Mauer

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Was ist TikTok? Hype der jungen Teens.

In Deutschland ist die App TikTok bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, doch die Videoplattform birgt auch Gefahren wie möglichen Missbrauch oder Mobbing. Eltern sollten deswegen ganz genau hinschauen und rechtzeitig Sicherheitsregeln treffen.

TikTok liegt im Trend und TikTok macht Spaß – so die derzeit landläufige Meinung der jungen User. Bei TikTok handelt es sich um eine Social-Media-App aus China, die Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, eigene Musik- und Videoclips zu produzieren und online zu stellen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Tanz, Musik, Comedy und Performance. Die Nutzer/-innen filmen selbst ausgedachte Szenen mit dem Handy, untermalen sie mit Musik und verfremden sie dann mit Spezialeffekten und Filtern.

Teenager tanzen auf Schulhöfen zu Playback-Liedern, singen synchron zu Pop-Stars, turnen auf dem Sofa akrobatische Choreografien, täuschen Stunts vor und bauen abgedrehte Tricks ein. Da jumpt zum Beispiel ein 15-Jähriger vermeintlich rückwärts über einen Zaun oder ein Mädchen feuert ihr Tablet wie einen Bumerang auf den Betrachter zu, während in einem anderen Clip tanzende Mädchen herumschwirrende Buchstaben aus der Bildfläche kicken.

Perfektion ist nicht so wichtig, aber die Clips sollten originell sein und in Sekundenschnelle zünden, denn TikTok setzt auf ein hohes Tempo: Pro Clip stehen nur 15 Sekunden zur Verfügung, um zur Pointe zu kommen. Da bleibt also keine Zeit für Monologe. Die „Muser“ (Nutzer) laden ihre fertigen Videos in ihrem Profil hoch und können sie dann auf TikTok veröffentlichen. Wem es gefällt, vergibt Herzchen (Likes) und davon will natürlich jede/r möglichst viele haben.

Zielgruppe: Teenie-App

Offiziell ist TikTok erst ab 13 Jahren erlaubt, damit richtet sich die App in erster Linie an junge Teenager. In der Realität wird TikTok jedoch häufig schon früher genutzt und ist vor allem bei den 11- bis 15-jährigen weit verbreitet. Für TikTok-User ist Facebook kein Thema und völlig out.

Das soziale Netzwerk TikTok ging aus der früheren Mittsingplattform Musical.ly hervor und wurde im November 2017 vom chinesischen Unternehmen Bytedance aufgekauft. Die damaligen Benutzerdaten und Profile, vorzugsweise von minderjährigen Personen, wurden im November 2017 übernommen.

Verbreitung: 4,1 Millionen täglich in Deutschland

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung (SZ) war TikTok im Jahr 2018 die beliebteste App für Apple-Geräte. Demnach sollen im Juni 2018 etwa 500 Millionen Menschen die App jeden Tag genutzt haben. Die meisten User stammten aus China. Seither steigen die Nutzerzahlen und es bleibt abzuwarten, ob der asiatische Hype auch in Europa einschlagen wird. Angeblich sollen in Deutschland jetzt schon 4,1 Millionen Menschen TikTok täglich nutzen, das berichtet die SZ unter Berufung auf das Newsportal Digiday. Damit kommt TikTok fast schon an Snapchat (Fünf Millionen Nutzer/-innen) heran, kann aber mit Instagram (15 Millionen aktive Nutzern pro Monat in Deutschland) noch lange nicht Schritt halten. Im Vergleich zu Facebook (23 Millionen aktive User täglich) stellen die Tic Toc Fans noch eine vergleichsweise kleine Gruppe dar. Allerdings sind die beiden sozialen Netzwerke nicht miteinander vergleichbar, da sie unterschiedliche Themenschwerpunkte haben und völlig verschiedene Alters- und Zielgruppen ansprechen.

 

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Gefahren: „Mobbing“ und „Cyber-Grooming“

„Werden Videos öffentlich gepostet, können sie nicht nur von jedem gesehen, sondern auch gespeichert werden“ (Schau Hin).

TikTok stand in der Vergangenheit schon sehr häufig in der Kritik – der Grund: Viele Videos zeigen zu viel Haut. Immer wieder tauchen bei TikTok Videos auf, in denen sich junge Mädchen mit Schmollmund, aufreizenden Bewegungen und leichter Bekleidung in Szene setzen. Sie ahmen Pop-Stars und Models nach, wollen bei ihren „Performances“ ähnlich sexy und attraktiv ausschauen, ohne in Erwägung zu ziehen, dass das auch das Interesse von gefährlichen Zuschauern wecken könnte. Das vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geförderte Portal Mobilsicher hatte TikTok deswegen schon länger im Visier. Dabei stellten die Mitarbeiter/-innen von Mobilsicher bei ihren Netzrecherchen fest, dass insbesondere Szenen und Tanzeinlagen in freizügiger Kleidung und bauchfrei geknoteten Shirts besonders viele Herzen (sog. Likes) einbrachten. Häufig gaben Zuschauer Kommentare ab, in denen sie die Mädchen dazu aufstachelten, „noch mehr Haut zu zeigen und weitere Videos zu produzieren“.

Manchmal setzen sich Kinder auch Mobbing aus, etwa wenn vermeintlich schlecht gemachte TikTok Videos zum „Gespött“ im Netz werden. Erwachsene sollten also sehr wohl hinschauen, was ihre Kinder einstellen, wie sie sich körperlich in Szene setzen und was sie von sich preisgeben.

Wie kann man sich schützen?

Auf diese Frage hat Mobilsicher eine deutliche Antwort: „Schützen können nur die Eltern“ Sie sollten mit ihren Kindern sprechen, sie aufklären und begleiten. Nur so können Minderjährige eventuelle Gefahren bzw. Annäherungsversuche anderer Nutzer erkennen. TikTok ist nicht kindersicher, es gibt aber einige Tipps für Eltern, um Mobbing und Missbrauch vorzubeugen:
Für unter 13-Jähre sollte TikTok tabu sein. Bei jüngeren Kindern können die Eltern die App über entsprechende Einstellungen im Smartphone blockieren. Setzen Sie den TikTok-Account in den Profileinstellungen unter „Privatsphäre und Sicherheit“ auf „privat“ und deaktivieren Sie die Funktion „anderen erlauben, mich zu finden“. Damit räumen Sie nur Freunden das Recht ein, Videos zu kommentieren und Kontakt aufzunehmen.
Viele Kinder werden spätestens jetzt protestieren, denn das bedeutet automatisch weniger Herzen. An dieser Stelle ist Aufklärungsarbeit bzw. ein Gespräch zwischen Eltern und ihrem Kind gefragt.

Hilfreiche Links zu TikTok:

Weiterführende Themen:

  • Cybermobbing: Informationen des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg im Überblick.

 

Ulrike Boscher

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