Praxisbeispiele: Medienbildung in der Grundschule

Stephanie Wössner

Martin Storz

Projekte aus den Referenzschulen

Präsentieren mit iPads, das Erstellen von Erklärvideos oder die Arbeit mit Stop-Motion-Filmen: Die Möglichkeiten, Medienbildung bereits in der Grundschule zu integrieren, sind vielfältig. Vier Referenzschulen des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg stellen ihre aktuellen Projekte vor.

Digitale Bücher erstellen an der Hörschbachschule Murrhardt

Auch an der Hörschbachschule Murrhardt wird in der dritten Klasse mit dem Book Creator fleißig im Fach Mathe gearbeitet: Hier teilen sich zwei bis drei Lernende ein iPad und nehmen Fotos von Gegenständen auf, um zu üben, Längen zu schätzen und zu messen. So nehmen sie sich im Rahmen von drei Unterrichtsstunden mehrere Gegenstände pro Gruppe und erstellen ein eBook, das auch andere Schülerinnen und Schüler später wieder verwenden können.

Neben eBooks entstehen an der Schule aus dem Rems-Murr-Kreis außerdem StopMotion-Filme. So haben zum Beispiel die Viertklässler der Schule in Religion das Gleichnis des Barmherzigen Samariters in Gruppen von drei bis vier Schülerinnen und Schülern verfilmt und anschließend vertont. Unterstützt wurden sie dabei von einem Medienpädagogischen Berater und einem Lehrerteam.

Außerdem werden an der Schule auch Erklärvideos für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte eingesetzt, um die IT-Infrastruktur (paedML) oder Programme (zum Beispiel Libre Office) bei Bedarf kurz zu erklären oder den Schülerinnen und Schülern bei den ersten Gehversuchen damit helfend unter die Arme zu greifen.

All diese vielfältigen Beispiele der Mediennutzung wurden im Rahmen eines Treffens der Referenzgrundschulen am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) in Stuttgart am 19. Juni 2018 vorgestellt. Die Referenzgrundschulen sind Schulen, die diverse mediale Einsatzszenarien ausprobieren, um ihre Erfahrungen dann auf Augenhöhe weiteren Grundschulen zur Verfügung zu stellen. Sehr erfreulich war die Tatsache, dass viele Lehrkräfte betonten, dass sie klassenübergreifend und auch teils in Lehrerteams arbeiten und sich gegenseitig unterstützen, wo sie können. Außerdem sehen sie in ihrer Rolle als Referenzgrundschulen auch eine Chance, die es ihnen erlaubt, vielfältig zu experimentieren, um anschließend einzelne Bausteine aus diesen Experimenten als Basis eines Mediencurriculums und für ihren Medienentwicklungsplan zu nutzen.

Eine Schülerzeitung herausgeben an der Uhlandschule in Wurmlingen

Die Klasse 4 der Uhlandschule in Wurmlingen bei Tübingen arbeitet nicht vornehmlich mit Tablets, allerdings wurden hier die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse zu Herausgebern einer Schülerzeitung. Medienkompetenz war hier bereits bei der Erstellung des Covers vonnöten: So musste zuerst einmal geklärt werden, was Bildrechte sind, sodass die jungen Herausgeber verstanden, wieso sie nicht einfach schöne Bilder aus dem Internet verwenden dürfen für eine gedruckte Zeitung, die auch in digitaler Version herausgegeben wird. Im Anschluss daran haben sie das Maskottchen der Schule beziehungsweise der Stadt, einen Drachen, als primäre Figur fürs Cover bestimmt. Es wurden also zuerst einmal Drachen genau betrachtet, um dann im Rahmen einer Doppelstunde selbst welche zu zeichnen. Diese wurden von der Lehrerin eingescannt und den Schülerinnen und Schülern über das Tauschverzeichnis der paedML digital zur Verfügung gestellt. Sodann durften sie ihre Kreationen in einer weiteren Doppelstunde mit Paint.net colorieren. Hierbei kann mit verschiedenen Farbvariationen experimentiert und Erkenntnisse über deren Wirkung gesammelt werden, so zum Beispiel ob die Drachen fröhlich, freundlich oder aggressiv wirken. Um einen transparenten Hintergrund zu erhalten, wurden die Drachen schließlich im Zeichenprogramm aus dem Hintergrund geschnitten. So konnten die kleinen Drachen selbst geschossene Fotos der Wurmlinger Kapelle bevölkern. Auch wurde mit verschiedenen Schriftarten und Farben experimentiert und unterschiedliche Zeitschriften als Vorbilder analysiert, um den eigenen Schaffungsprozess zu unterstützen.

Digitale Präsentationen an der Silcherschule Stuttgart

Dass ein neuer Anbau des Schulgebäudes auch als Anlass für die Arbeit mit digitalen Medien genutzt werden kann, beweist die Silcherschule aus Stuttgart. Dort erstellten Drittklässler eine Präsentation, um das neue Gebäude Interessierten und Würdenträgern der Stadt vorzustellen.

Insgesamt arbeiteten 75 Kinder aus drei Klassen aus den Halbtags- und Ganztagszügen circa drei Wochen lang vornehmlich im Sach- und Deutschunterricht, aber auch in Kunst an der Präsentation. Sie arbeiteten eigenständig und ohne große Lenkung ihrer Lehrerinnen in Gruppen mit iPads und Aufnahmegeräten. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler machte Fotos der Gebäude, während ihre Mitschüler/-innen beschreibende Texte zu den Fotos verfassten und sie vertonten. Dabei lernten sie auch, ihre Texte aufs Wichtigste zu reduzieren und laut zu lesen. Außerdem wurde innerhalb der Schülerschaft eine Bildauswahl getroffen und bereits beim Fotografieren lernten die kleinen Fotografen, die Fotos mit der richtigen Belichtung in Szene zu setzen und erwarben erste Kenntnisse im Bereich Urheberrecht und Datenschutz. So sollten sie beispielsweise darauf achten, keine Mitschüler/-innen zu fotografieren. Auch der Umgang mit iPads wurde ganz nebenbei trainiert. Da es sich um ein kollaboratives Projekt handelte, wurde schließlich auch die Sozialkompetenz gefördert.

Als alle Beiträge fertig und die Audiodateien mit Audacity geschnitten waren, wurden sie mit Hilfe von PowerPoint zu einem kleinen Film zusammengefügt. Dabei wurde über jedes Foto eine Tonaufnahme gelegt und die Folien dann automatisch der Länge der Tonaufnahmen angepasst.

Filmarbeit an der Grundschule Michelfeld

An der Grundschule Michelfeld gibt es bereits zahlreiche ganz unterschiedliche Medienprojekte, die zeigen, wie sinnvoller Medieneinsatz in der Grundschule aussehen kann. So erstellten zum Beispiel die Viertklässler einen Film zu Baumvariationen, der aus Fotos, Kohlezeichnungen und mit Wasserfarben gemalten Bildern jeweils eines Baums besteht und mit passender Musik unterlegt ist.

Außerdem erstellen die älteren Schülerinnen und Schüler Erklärvideos für ihre jüngeren Mitschüler/-innen. So erklären sie ihnen beispielsweise den Schulweg und weisen auf Sicherheitsmaßnahmen beim Überqueren der Straße an der Ampel hin. Sie erläutern zudem die Verwendung der Freiarbeitsmaterialien von Logico in kleinen mit iMovie erstellten Videos. Beim Erstellen dieser kleinen Lehrfilme, die natürlich immer wieder für neue Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden können, wurden mehrere iPads verwendet und dann im Anschluss die geeigneten Aufnahmen aus verschiedenen Blickrichtungen ausgewählt. Anschließend wurden die bewegten Bilder anhand von selbstgeschriebenen Texten vertont.

Schließlich erstellen die Grundschüler/-innen aus Michelfeld für ihre Patenklassen mit Apps wie beispielsweise dem Book Creator auch digitale Bücher mit Matheaufgaben. Dabei geht es unter anderem darum, dass die jüngeren Schüler/-innen Aufgaben lösen sollen und nach Auswahl der (vermeintlichen) Lösung ein sprachliches Feedback („Gut gemacht“, „Das ist leider falsch“, „Versuch es nochmal“) erhalten. Auch die „Zahlenjagd“ entstand in diesem Rahmen.

Das Projekt bietet sich auch an, um Erstklässler das Schulgebäude vorzustellen. So kann die Präsentation beispielsweise Tipps enthalten, wo man am besten spielen kann und welche Orte besonders wichtig sind. Oder aber man orientiert das Projekt an Pflanzen, die in und um die Schule zu finden sind.

Stephanie Wössner

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