Momo Challenge: Was steckt dahinter?

Sascha Schmidt
Goldfisch mit Haiflosse

GettyImages/Wachiraphorn

Vom Kettenbrief zur Challenge

Eine Gruselpuppe namens Momo treibt seit Monaten ihr Unwesen in sozialen Medien und Messenger-Diensten. In sogenannten „Momo Challenges“ werden Kinder seit einiger Zeit angeblich zu riskanten Mutproben aufgefordert. Was steckt dahinter?

Die Gruselfigur Momo sorgte erstmals im Sommer 2018 für Schlagzeilen, als sie Gegenstand eines Kettenbriefs war. Dieser musste von den Empfänger/-innen weitergeleitet werden, ansonsten sei mit Konsequenzen zu rechnen. Bilder der Figur tauchten inzwischen auch in zahlreichen YouTube-Videos auf, so beispielsweise in manipulierten Ausschnitten von Kinderserien oder Let’s Play Videos. Mittlerweile kursieren wohl Kettenbriefe mit Momo, die nicht nur zum Weiterleiten an andere Personen auffordern, sondern auch dazu, teils riskante Aufgaben zu erledigen. Wer nicht an der sogenannten „Momo Challenge“ teilnimmt, dem drohten erneut Konsequenzen.

Was ist Momo und was ist es nicht?

Die Figur des Momo basiert ursprünglich auf einer Skulptur des japanischen Künstlers Kaisuke Aiso. Dieser soll sein Werk – das eigentlich den Namen „Mother Bird“ trägt – inzwischen sogar zerstört haben, da er dessen Zweckentfremdung nicht unterstützen möchte. Experten gehen davon aus, dass das Phänomen um Momo ursprünglich in einem Online-Forum seinen Anfang nahm. Dort tauschten sich Nutzer/-innen über Bilder der Kunstfigur aus. Möglicherweise wurden hierdurch auch Personen auf die Skulptur aufmerksam, welche die Fotos anschließend in anderen Kontexten verwendeten und somit zum Entstehen des Momo-Hypes beigetragen haben.

Momo ist rational gesehen also nichts weiter als ein viraler Mythos der gegenwärtigen Netzkultur. Hinter der Figur stecken keine bestimmten Personen, die die Verbreitung der Inhalte gezielt steuern. Vielmehr entstand das Phänomen Momo erst durch zahlreiche Berichte in sozialen Medien und der Boulevardpresse. Die zunehmende Aufmerksamkeit zog wiederum Trittbrettfahrer und Trolle (Personen, die mit Online-Inhalten versuchen, andere Menschen zu provozieren) an, die durch verschiedenste Beiträge von der medialen Präsenz Momos profitieren wollen. Auch die Montagevideos auf YouTube verfolgen vor allem ein Interesse: Likes und Klicks auf die jeweiligen Videos und Kanäle. Darüber hinaus soll es auch Fälle geben, bei denen Kriminelle durch die Nutzung der Momo-Thematik versuchen, an sensible Daten von Nutzer/-innen zu gelangen.

Mediale Präsenz führt zu Verunsicherung

Die mediale Präsenz, angebliche Vorkommnisse und Fake News rund um den Momo-Hype führen vor allem zu einem: einer zunehmenden Verunsicherung auf Seiten der Eltern. Gefährlich ist allerdings nicht Momo selbst, sondern die zahlreichen Online-Erscheinungen, die sich daraus entwickelt haben. Videos von Kinderserien, die verfremdet wurden und verstörende Inhalte zeigen, gab es bereits vor Momo. Momo gibt all diesen Inhalten aber aktuell einen Namen und ein Gesicht. Auch die Medien schreiben derzeit viele bedenkliche Online-Inhalte und angebliche Vorfälle häufig unbegründet dem Phänomen Momo zu.

Generell darf die Gefahr von Phänomenen wie der „Momo Challenge“ natürlich nicht verharmlost werden. Die aus dem Hype entstandenen Erscheinungen können für Kinder durchaus verstörend wirken. Aus ursprünglich scherzhaften Ideen können sich durch die mediale Omnipräsenz tatsächlich reale Ängste entwickeln. Auch unsere medienpädagogische Beratungsstelle erhält aktuell viele Anfragen zu Momo. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Thema auf unserem Portal erneut aufzugreifen.

Tipps für Eltern

Generell rät das Landesmedienzentrum dazu, ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Kindern aufzubauen. Nur so besteht die Chance, dass diese sich mit ihren Online-Erlebnissen den Eltern anvertrauen. Von einem generellen Internetverbot oder Nutzungsverbot bestimmter Plattformen raten wir ab. Hierdurch besteht die Möglichkeit, dass die Kinder entsprechende Inhalte heimlich konsumieren und sich anschließend nicht trauen, mit ihren Eltern über verängstigende Erlebnisse zu sprechen. Darüber hinaus sollten Eltern ihre Kinder dafür sensibilisieren, auffällige Inhalte in sozialen Medien und Kettenbriefe in Messenger-Apps nicht einfach weiterzuleiten, sondern diese zu melden. Dabei müssen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern abwägen, entsprechende Beiträge bei den jeweiligen Plattformen oder sogar der Polizei anzuzeigen. Achten Sie bei der Kommunikation stets auf eine gesunde Balance, Online-Phänomene wie Momo zu thematisieren, ohne die Kinder unnötig zu verunsichern.

Bei Fragen zu belastenden Inhalten im Netz steht Ihnen unsere medienpädagogische Beratungsstelle zur Verfügung.

Mehr Informationen zum Thema Fake News finden Sie hier.

 

Sascha Schmidt

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