MIT App Inventor- Apps einfach selbst bauen

Timo Bister
Programmieren mit dem Block-Editor des App Inventors

Programmieren mit dem Block-Editor des App Inventors | MIT App Inventor | CC BY-SA 3.0

Was ist der App Inventor?

Der APP Inventor ist eine Browseranwendung, die ursprünglich von Google entwickelt wurde, um eine einfache Programmierumgebung zu schaffen. In dieser können Apps für Android-Smartphones programmiert werden. Dabei setzt das Programm auf eine graphische Benutzeroberfläche, kurz: GUI. Das heißt, dass keine Programmcodezeilen geschrieben werden müssen, stattdessen werden einzelne Puzzleteile aneinanderlegt, um so das gewünschte Verhalten zu erzeugen. Wer schon einmal mit Scratch gearbeitet hat, wird hier ein sehr ähnliches Konzept erkennen. Die Anwendung selbst ist in zwei Abschnitte unterteilt: der Block-Editor und der Design-Editor. Im Design-Editor wird das Aussehen der App bestimmt. Dort kann man auch einzelne Buttons und Schaltflächen setzen, welche im Block-Editor weiterverwendet werden können. Im Block-Editor wird die Programmierung der App mittels der genannten Puzzleteile vorgenommen. Zum Testen der entwickelten App braucht man nicht zwingend ein Android-Smartphone, da ein Emulator in der Anwendung integriert ist. Man kann die App aber auch mittels QR-Code live testen und parallel im Browser bearbeiten, so dass eine Live-Korrektur möglich ist. Damit zeigen sich direkt die Veränderungen in der App. Dazu die Nutzer/-in muss die App „AI Companion“ auf dem Smartphone oder Tablet installieren.

Die Arbeitsweise des App Inventor ist nicht neu, sondern wurde schon von vielen ähnlichen Entwickleranwendungen verwendet. Dabei tritt jedoch häufig das Problem auf, dass bei diesen Programmierkenntnisse in Java oder C++ erforderlich sind. Mit dem App Inventor ist,zumindest in der Theorie, nur ein gutes Logikverständnis vonnöten. Die niedrige Einstiegshürde wird vor allem durch das Drag&Drop-Prinzip der Browseranwendung möglich, mit der ganze Funktionen aus dem Menü in die Programmieroberfläche gezogen und dabei wie Puzzleteile miteinander verknüpft werden können. Von einem Spiel mit einem umherspringenden Ball bis hin zum Instagram/WhatsApp-Verschnitt ist vieles möglich. Dazu bieten sowohl die eigene Seite des App Inventors als auch Seiten zu dem Thema, zum Beispiel der University of San Francisco, viele Tipps und Tricks sowie Anleitungen und Tutorials, jedoch nur in Englisch. Die Anleitungen in Form von Video-Tutorials und Step-by-Step Erläuterungen, arbeiten sich dabei thematisch an verschiedenen Typen von Apps entlang und sind auch nach Schwierigkeit geordnet.

Einen Wermutstropfen hat der App Inventor allerdings. Obwohl Google nicht mehr in Betrieb und Weiterentwicklung involviert ist, ist weiterhin ein vorhandenes Google-Konto vonnöten – im Gegensatz zu Scratch, welches ohne Anmeldung nutzbar ist. Dafür hat dieses Programm gegenüber Scratch den Vorteil, dass die entwickelten Programme auf allen Android-Geräten nutzbar sind und als Webabwendung und durch den Cloud-Speicher von jedem browserfähigen Endgerät abrufbar sind.

Apps mit dem MIT App Inventor entfernen

Apps mit dem MIT App Inventor entwerfen | MIT App Inventor | CC BY-SA 3.0

Anwendungsbereiche & Beispiele

Es empfiehlt sich, dass der App Inventor vor allem in Klassen genutzt wird, die die englische Sprache bereits auf ein konversationssicheres Niveau beherrschen. Die Anwendung ist zurzeit noch vollständig in Englisch geschrieben, an einer deutschen Version wird jedoch gearbeitet. Zudem sind die meisten der auffindbaren Tutorials und Anleitungen ebenfalls nur in englischer Ausgabe verfügbar. Die Anwendungsmöglichkeiten in der Schule sind genauso vielfältig wie die Werkzeuge des Inventors. Für den Fremdsprachenunterricht kann man mit Hilfe der Quiz-App Anleitung einen Vokabeltrainer entwickeln. Für das Fach Kunst lässt sich eine eigene Foto-App mit einer Bearbeitungs- und Teilen-Funktion entwickeln. Im Bereich der Informatik wäre ein schulinterner Messenger denkbar. Dabei muss man allerdings auch bedenken, dass die Entwicklung einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Daher eignet sich der Inventor in den meisten Fällen weniger für den regulären Unterricht als für eine Projektwoche.

Im Rahmen des Projekts „Genial digital? Entwicklung und Erprobung digitaler Vermittlungsmethoden im Kunstmuseum“ wurde mit Jugendlichen eine Guide-App entwickelt, um Kunstwerke und Künstler spielerisch für Kinder und Jugendliche aufzuarbeiten. So entstand ein neuer Zugang zum Thema Kunst und Kunstvermittlung. Zunächst sollten die Teilnehmer/-innen damit, ihre Ideen auf Papier bringen, um daraus einen ersten physischen Prototyp zu entwickeln. Daran konnten sich die jungen App-Entwickler dann während der Arbeit orientieren. Im Anschluss folgt die Einführung in den App Inventor mittels der erwähnten zahlreichen Tutorials und schlussendlich die eigentliche Entwicklungsphase mit regelmäßigen Testphasen. Durch die Möglichkeit, die Apps live am Smartphone, Tablet oder Emulator zu testen, können diese auch direkt auf Whiteboards oder Leinwände projiziert werden. So ist für alle ein guter Überblick gewährleistet und es können gemeinsam Probleme, Schwachstellen oder interessante Lösungen diskutiert werden.

Fazit

Der MIT App Inventor ist ein interessantes Werkzeug, um Konzepte von Apps besser zu verstehen und erste Programmiererfahrungen zu sammeln. Je nach Idee kann der Umgang mit dem Werkzeug und den einzelnen Editoren im Komplexitätsgrad sehr unterschiedlich sein. Es bedarf dabei definitiv einer Einarbeitung und eine Thematisierung einiger der vielzähligen Anleitungen, um die Module im Designer- und im Block-Editor zu verstehen. Es lassen sich viele interessante und auch originelle Ideen umsetzen, die nicht nur im Bereich MINT unterkommen müssen. Für viele Schulfächer lassen sich so Apps entwickeln, die von Schüler/-innen und Lehrer/-innen genutzt werden können. Klassen könnten sich ein Stück weit selbst digitalisieren.

Informatik und Robotik

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