Kassenloses einkaufen: Datensammlung im Supermarkt

Nora Brockamp, Ina Mangold

Amazon Go

Werbung nimmt in konsumorientierten Gesellschaften einen großen Stellenwert ein. Viele Daten fließen über das Kassenband, wenn Konsumenten Produkte kaufen. Dass dies aus wirtschaftlicher Sicht ein zukunftsweisendes Konzept ist, zeigt auch der neue Einkaufsmarkt Amazon Go, der in dieser Woche eröffnet wurde.

Der amerikanische Konzern Amazon hat ein neues Supermarktkonzept namens Amazon Go marktfähig gemacht: ein tatsächlicher Supermarkt ohne Schlangen und ohne die Suche nach dem Geldbeutel in der Tasche. Das klingt zwar sehr praktisch, hat jedoch einen großen Nachteil. Damit das kassenlose Einkaufen funktioniert, braucht es vor allem eins: sehr viele Kameras. Und sehr viele Kameras sammeln natürlich sehr viele Daten.

Noch gibt es den neuen Laden nur in den USA. In Seattle wurde vergangene Woche der erste Amazon Go Shop eröffnet, dessen Erfolg wohl ausschlaggebend für die Zukunft des Konzepts sein wird. An Schranken ähnlich des Ticket-Checks an der Londoner U-Bahn oder beim Einchecken am Flughafen hält man sein Smartphone mit der geöffneten Amazon-Go App an einen Scanner und der Einkauf kann beginnen. Kameras und Sensoren registrieren, was der Kunde einkauft. Nach dem Einkauf darf man den Laden einfach wieder durch die Schranken verlassen und erhält per App eine Rechnung.

Amazons Datensammlung wächst

Die Kameras und Sensoren bemerken es auch, wenn ein Kunde etwas wieder zurückstellt. Laut Amazon müssen die Produkte weder in die Kamera gehalten werden, noch benötigt die Software Gesichtserkennung. Wer welche Produkte einkauft, wird über das Einchecken mit der App festgehalten. Danach nimmt die intelligente Software den Menschen als 3D-Objekt wahr, das sich durch den Laden bewegt.

Dabei registrieren die Kameras zusätzlich, was der Kunde sich ansieht oder wo er sich zwischen zwei Produkten entscheiden muss. Amazon speichert zudem, zu welcher Uhrzeit ein Produkt bevorzugt gekauft wird. Die neue Technologie ermöglicht es, viel genauere Daten über die Einkaufenden zu erfassen als es bisher möglich war.

Die Eröffnung des Ladens war ursprünglich schon eher geplant. Doch technische Probleme bremsten den Konzern aus. Auch jetzt kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Produkt mal fälschlicherweise im Warenkorb landet. Ganz einfach den Laden verlassen ohne einen letzten Check der Rechnung geht also doch noch nicht, wenn man nicht unnötig Geld ausgeben möchte.

Amazons Datengeschichte

Amazon sammelt in seinem Online-Shop schon lange alle Daten, die über den Besuch der Webseite und den Online-Einkauf erfasst werden können. Dazu gehören Informationen zu den Fragen: Wer kauft wann welches Produkt? Mit welchen Produkten wurde das gekaufte vorher verglichen? Für welche Themenbereiche interessieren sich Einkäufer/-innen? Hieraus entstand bisher meistens: Werbung für (ähnliche) Dinge, die bereits gekauft wurden und somit aktuell möglicherweise gar nicht benötigt werden.

Die Not macht Amazon jedoch scheinbar zur Tugend. Mit seiner Abofunktion ermöglicht der Online-Händler die regelmäßige Lieferung der immer gleichen Produkte. Mithilfe von sogenannten Dash-Buttons, die im Prinzip nichts anderes als einen Knopf aus Plastik darstellen, können Dinge nach Verbrauch nachbestellt werden, ohne an den Computer oder das mobile Gerät gehen zu müssen. Klar ist jedoch: Hier werden viele Daten gesammelt.

Auch der smarte Homeassistent Alexa im Amazon Echo führte bereits zu vielen Datendiskussionen. Die Sorge, sich einen Spion ins eigene Wohnzimmer zu installieren, ist leider nicht ganz unberechtigt. Wer nach „Alexa hacken“ googelt, stellt fest, dass dies durchaus möglich ist. Über die zugehörige App lässt sich leicht nachvollziehen, wie viel der Sprachassistent an Sprache und Geräuschen aufnimmt und speichert. Nun will Amazon seine Nutzer/-innen auch bei ihrem Wocheneinkauf beobachten.

Kunden als Versuchskaninchen

Die Idee ist nicht ganz neu. Viele besitzen und nutzen so etwas: eine Payback-Karte oder andere Kundenkarten für bestimmte Kaufhäuser. Die Vorteile: Kostenersparnisse, besondere Angebote. Der Nutzen für den Konzern ist jedoch viel höher als für den Kunden. Firmen werten die Daten aus, damit die Kaufhäuser ihre Produkte und natürlich auch die Werbung genauer dem Markt und vor allem den einzelnen Kunden anpassen können.

Die Werbeindustrie ist insbesondere für den Onlinemarkt ständig im Wandel. Neue Daten führen zu neuen Einnahmequellen, denn je individueller Werbung angezeigt wird, umso zahlungswilliger sind Werbepartner und desto größer ist die Chance, dass ein Kunde tatsächlich ein vorgeschlagenes Produkt kauft.

Daten sind das Kapital und personalisierte Werbung der Erlös

Datensparsamkeit wird auch in der Zukunft im Zusammenhang mit Konsum kaum durchgesetzt werden können. Zu lukrativ ist der vielschichtige Markt von Sammeln, Analysieren und Auswerten von Daten geworden, um sie in effektivere Werbung umzuwandeln und dadurch wiederum mehr Käufe zu generieren.

Das dystopische Zukunftsszenario von einem einzigen riesigen Datenkonzern, der die alleinige Datenmacht hat, sollte möglichst vermieden werden. Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Datenverhalten sollte daher bereits in jungen Jahren erfolgen.

Informationen zum Thema Datenschutz

Zum Themenbereich

Informationen zum Thema Influencer

Zum Artikel

Informationen zum Thema Werbung

Zum Themenbereich

Video über Amazon Go

Nora Brockamp, Ina Mangold

Diese Seite teilen:

Weitere Informationen

Kategorien: