Jugendmedienschutz unter der Lupe: Das sagen Eltern und Lehrkräfte

Sascha Schmidt
Mädchen mit Smartphone

Landesmedienzentrum BW

Heranwachsende größtenteils sorglos bei der Online-Nutzung

Der kürzlich von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) herausgegebene Jugendmedienschutzindex soll Aufschluss darüber geben, welche Sorgen und Einstellungen für pädagogische Fach- und Lehrkräfte, Eltern sowie Heranwachsende im Hinblick auf den Jugendmedienschutz eine Rolle spielen. Dieser Beitrag liefert eine Zusammenfassung zentraler Ergebnisse.

Generell lässt sich festhalten, dass Jugendliche selbst die geringsten Sorgen hinsichtlich ihres Online-Verhaltens aufweisen. 42 Prozent der befragten Heranwachsenden gaben an, überhaupt keine Sorgen bei der Nutzung von Online-Angeboten zu haben. Bei den befragten Eltern gaben immerhin 27 Prozent an, sorgenlos auf das Thema Jugendmedienschutz zu blicken. Von den befragten Fach- und Lehrkräften teilen diese Einstellung nur 13 Prozent.

Zu viel Zeit im Internet?

Für Eltern stellen Kontakt-Risiken im Internet den relevantesten Bereich des Jugendmedienschutzes dar. Pädagogische Fach- und Lehrkräfte sehen vor allem inhaltsbezogene Risiken bei der Online-Nutzung. Im Detail wurden folgende drei Risiken am häufigsten genannt: Zu viel verbrachte Zeit im Internet, die Konfrontation mit zu viel Werbung und der nachlässige Umgang mit persönlichen Daten. 86 Prozent gaben an, dass sie unter den Kindern und Jugendlichen, mit denen sie arbeiten, bereits Fälle von Cybermobbing beobachtet haben. Die Berührung mit extremistischen Inhalten wurde als Risiko am wenigsten aufgegriffen. Die befragten Fach- und Lehrkräfte sind sich jedoch weitestgehend einig, dass Bedarf darin bestehe, Heranwachsende im Umgang mit Online-Medien zu unterstützen. Dies gelte vor allem für nicht-technikbezogene Fähigkeiten wie die Überprüfung von Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt und die reflektierte Preisgabe von schützenswerten Daten bei der Selbstdarstellung in sozialen Medien.

Lehrkräfte sehen Verantwortung bei den Eltern

Die höchste Verantwortung für den Jugendmedienschutz sprechen die befragten Fach- und Lehrkräfte den Eltern zu (100%). Des Weiteren wurden im Spitzenfeld die Anbieter von Online-Diensten (beispielsweise soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Spieleanbieter), die Medienaufsichtsbehörden und die Politik im allgemeinen genannt. Die Schule wurde von 76 Prozent der Befragten aufgezählt. Hinsichtlich der Unterstützung in Sachen Jugendmedienschutz zeigen die befragten Fach- und Lehrkräfte eine auffällig zurückhaltende Selbsteinschätzung: Nur etwa die Hälfte der Befragten gab an, Kinder und Jugendliche (sehr) gut im Umgang mit Online-Risiken unterstützen zu können. Meldemöglichkeiten und Hilfsangebote sind den Fach- und Lehrkräften wesentlich bekannter als den Eltern, dennoch besteht bei allen Gruppen großer Nachholbedarf. 65 Prozent der befragten Fach- und Lehrkräfte wünschen sich zudem einen höheren Stellenwert der Medienbildung und Medienpädagogik in der Schule. 

Generell wird in den Ergebnissen sichtbar, dass digitale Medien im Bildungskontext nach wie vor polarisieren und eine Gruppe an Fach- und Lehrkräften vorhanden ist, die digitale Medien meiden und diese auch nicht in ihrer Arbeit thematisieren. Des Weiteren lässt sich feststellen, dass bei Heranwachsenden im fortschreitenden Alter ein regel- und schutzbezogenes Handeln seitens der Eltern abnimmt. Gerade Eltern von 11- bis 12-Jährigen sind besonders besorgt, während bei den 13-/14-Jährigen das schutzbezogene Verhalten der Eltern deutlich zurückgeht. Im Kontrast hierzu steht die Einstellung der Fach- und Lehrkräfte, die auch bei älteren Jugendlichen Handlungsbedarf sehen. 

Der Jugendmedienschutzindex wurde vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und dem Institut für Medienpädagogik Jugend Film Fernsehen (JFF) im Auftrag der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) erstellt. Bei den Fach- und Lehrkräften wurden insgesamt 296 Personen befragt, die an schulischen oder außerschulischen Einrichtungen in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein tätig sind.

Mehr Informationen zu den Themen des Jugendmedienschutzes erhalten Sie hier.

Bei Fragen rund um den Jugendmedienschutz steht Ihnen unsere medienpädagogische Beratungsstelle zur Verfügung.

Sascha Schmidt

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