JIM-Studie 2018

Timo Bister
Jugendliche mit Smartphones

GettyImages/ monkeybusinessimages

Medienausstattung bei Jugendlichen

Der MP3-Player verliert, getreu dem Trend der vergangenen Jahre, weiter an Bedeutung bei Jugendlichen. Der Besitz von Desktop-PCs und Laptops stieg im Vergleich zum Jahr 2017 um zwei Prozent auf 71 Prozent. Sowohl das klassische TV-Gerät als auch der Radioempfänger und das Tablet verlieren an Bedeutung und sind in ihrem Anteil um bis zu sechs Prozent gesunken. Im Gegensatz dazu ist der Besitz von Smart-TVs – also Fernsehgeräten mit Internetzugang –  um vier Prozent gestiegen.

Im Bereich des Smartphones ist der Besitz stagnierend und deutet auf die Selbstverständlichkeit eines Smartphones im Leben der 12- bis 19-Jährigen hin. Mit 97 Prozent bleibt es das am häufigsten genutzte Gerät. Auch verwenden die Jugendlichen das Smartphone als meist genutztes Endgerät für digitale Spiele. Obwohl das Smartphone nach wie vor den Hauptzugang zum Internet bereitstellt, sank die zeitliche Internetnutzung um knapp vier Prozent.

Die beliebtesten Angebote und Apps

Die beliebtesten Apps sind, wie auch im vergangenen Jahr, die Videoplattform YouTube, der Messenger WhatsApp, das foto-mediale soziale Netzwerk Instagram und der Streamingdienst Netflix, welcher auf der vierten Position den Foto- und Videomessenger Snapchat ablöst. Facebook hat im Gegenzug an Bedeutung verloren und rangiert nur noch auf Platz acht, hinter Google und dem Musik-Streamingdienst Spotify.

Die wichtigsten Apps unterscheiden sich hingegen, ähnlich zur letzten Befragung, deutlich in ihrer Beliebtheit:

  • WhatsApp (87%)
  • Instagram (48,5%)
  • YouTube (37%)
  • Snapchat (31%)
  • Spotify (10%)
  • Facebook (6%)
  • Google (6,5%)
  • Netflix (5%)

Medienkonsum von Jugendlichen

Während die durchschnittliche Internetnutzung gesunken ist, ist die Zeit vor dem Fernsehgerät leicht gestiegen. So gaben die befragten Jugendlichen an, dass sie im Schnitt 117 Minuten (2017: 115 Minuten) den Fernseher nutzen. Dabei wird im Schnitt zu 90 Prozent ein klassisches Fernsehgerät genutzt. Mit steigenden Alter wird der Computer beim Fernsehkonsum relevanter. Das Smartphone ist bei den unterschiedlichen Altersgruppen relativ gleich beliebt. Das Tablet und die Spielekonsole spielen beim Fernsehkonsum kaum eine Rolle.

Auf inhaltlicher Ebene sind für jugendliche YouTube-Nutzer/-innen nach wie vor Musikvideos am wichtigsten, gefolgt von Comedy und lustigen Clips, aber auch Blogs und Let’s-play-Videos. Zu den beliebtesten Kanälen gehören, wie auch im vergangenen Jahr „Julien Bam“, „Bibis Beauty Palace“, „LeFloid“ und „Gronkh“. Neu hinzukamen „GermanLets’play“, „Dagi Bee“, „Pietsmiet“ und „Joeys Jungle“.

Gleichzeitig zeigt sich bei den Angeboten auf YouTube, dass mit zunehmenden Alter Comedy, Let’s Play-Videos, Tutorials und Beauty-Videos an Relevanz verlieren. Dafür gewinnen Video-on-Demand-Angebote wie Netflix oder Amazon Prime Video an Bedeutung. So nutzen 33 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 13 Jahren bereits Netflix. Bei den 18- bis 19-Jährigen sind es sogar 56 Prozent.

Bei der Rezeption von Musik haben Streaming-Dienste wie Spotify erstmals das Radio als primäres Medien zum Musikhören überholt. So gaben die Jugendlichen an, dass 62 Prozent auf Musik-Streaming-Dienste zurückgreifen, während das Radio mit 57 Prozent auf Platz 2 fällt. Damit teilt sich das Radio den Platz gemeinsam mit YouTube, dessen Prozentzahl um zwei Prozent ebenfalls auf 57 Prozent gesunken ist.

Vertrauen in Nachrichten

Rund um die Debatte um Fake News sorgen sich viele Pädagoginnen und Pädagogen, dass sich Jugendliche falsch oder unzureichend informieren. Anders als im vergangenen Jahr wird nicht aufgeschlüsselt, inwiefern sich Jugendliche über welche Medientypen informieren. Stattdessen wurden Nachrichtenangebote hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit abgefragt. Entsprechend zeigt sich, dass die Tagesschau/Tagesthemen mit 84 Prozent das größte Vertrauen bei Jugendlichen genießen, gefolgt von regionalen Tageszeitungen, öffentlich-rechtlichen Radiosendern und dem Nachrichtenangebot des ZDFs. Das geringste Vertrauen genießen ProSieben-Newstime, Web.de, RTL aktuell und die Bild-Zeitung.

Cybermobbing

Wie in der vergangenen Studie gaben auch nun knapp 20 Prozent der Jugendlichen an, dass über sie (absichtlich oder versehentlich) falsche oder beleidigende Inhalte veröffentlicht wurden. 16- bis 17-Jährige sind am meisten davon betroffen (14 Prozent). Mehr als 30 Prozent haben Cybermobbing im Bekanntenkreis mitbekommen, wobei Mädchen mit 39 Prozent tendenziell mehr Fälle erkannt haben als Jungen mit 30 Prozent.

Hassbotschaften

Jede fünfte befragte Person gab zudem an, dass ihr Hassbotschaften begegnet sind. Die Studie fand zudem heraus, dass mit zunehmenden Alter auch die Häufigkeit der Hassbotschaften steigt. Die Befragten gaben außerdem an, dass Hassbotschaften meistens auf YouTube und Instagram vorkommen, vereinzelt auf Facebook, WhatsApp und Twitter.

Im Umgang mit solchen Botschaften zeigt sich, dass bei Feindseligkeiten darin unterschieden wird, welche Person davon betroffen ist. Werden Stars oder bekannte Persönlichkeiten angegriffen, werden diese von Jugendlichen tendenziell eher ignoriert. Bei persönlichen Bekannten oder der eigenen Person wurden Hassbotschaften auf den jeweiligen Plattformen eher gemeldet und zusätzliche Funktionen wie Blockieren genutzt, teilweise wurde auch Eltern eingeschaltet.

Ausführlichere Ergebnisse zeigen auch die unterschiedlichen Nutzungen und Wahrnehmungen je nach Schulform, Alter und Geschlecht. Wie im vergangenen Jahre waren auch digitale Spiele im Fokus der Studie. Die JIM-Studie 2018 ist als PDF verfügbar. Dort können die hier vorgestellten Ergebnisse und weitere Informationen ausführlich nachgelesen werden. Die JIM-Studie wurde zum 21. Mal vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS), einer Kooperation des Südwestrundfunks, der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz, veröffentlicht. Die Studie feiert dieses Jahr ihr 20. Jubiläum. Sie ist repräsentativ und bildet das Medienverhalten von Jugendlichen in Deutschland ab. Dafür wurden 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren im Sommer 2018 per Telefon befragt.

Handouts

JIM-Studie 2018 (PDF)

Timo Bister

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