Interview: Wie setzen Lehrkräfte Medien im Unterricht ein?

Ina Mangold
Stephanie Wössner

Lehrkraft Stephanie Wössner erzählt wie sie Medien im Unterricht einsetzt. | Martin Storz

Interview: Wie setzen Lehrkräfte Medien im Unterricht ein?

Woher bekomme ich Ideen für den Medieneinsatz im Unterricht? Wie bilde ich mich fort? Ist es überhaupt sinnvoll? Nicht immer ist es leicht, effektive Unterrichtsstunden mit Medieneinsatz zu halten. Wir stellen Ihnen hier Lehrkräfte und ihre Konzepte zum Medieneinsatz vor, um den Schritt zur Medienintegration im Unterricht zu erleichtern. Heute im Interview: Stephanie Wössner.

Stephanie Wössner ist Lehrerin für Englisch und Französisch in den Jahrgangsstufen sieben bis 13 am Albeck-Gymnasium in Sulz. Seit drei Jahren setzt sie regelmäßig digitale Medien im Unterricht ein, besonders Tablets kommen oft zum Einsatz. Hier erklärt sie, wann und warum es sinnvoll ist, Medien einzusetzen, aber auch woher sie ihre Ideen nimmt.

In welchen Unterrichtsszenen und Themen setzen Sie digitale Medien ein?

Immer! Ich nutze konstant Tablets im Unterricht. Bisher habe ich fünf Android-Tablets ausgeliehen, welche die Schülerinnen und Schüler gruppenweise benutzen. Dabei werden dann teilweise einfach Wörter nachgeschlagen oder Informationen gesucht. Ich habe mit verschiedenen Klassen auch schon Projekte gemacht, bei denen die Schülerinnen und Schüler einfacher zum Sprechen gekommen sind als im eher traditionellen Fremdsprachenunterricht. An dem klassischen Grammatikunterricht führt kein Weg vorbei, aber vor allem Transferaufgaben, zum Beispiel bei Dialogen, in denen die Grammatik selbstständig eingebaut werden soll, strukturiere ich gerne für den Medieneinsatz um. Dann werden die Dialoge nicht nur schriftlich festgehalten, sondern auch aufgenommen und durch die App „Buddy Poke“ von Avataren wiedergegeben. Wie oft ich so etwas machen kann, hängt natürlich auch von der Klasse ab und wie schnell ich mit dem Unterricht vorankomme.

Wie läuft eine Stunde mit digitalen Medien ab?

Wir behandeln im Prinzip ein Sprachphänomen ganz normal. Anschließend machen die Schüler/-innen ein paar Übungen, um sich an das Neue zu gewöhnen. Danach geht es dann zu den digitalen Aufgaben. Ich gebe eine App vor, die sie sich meist selbst erschließen können. Jede Gruppe arbeitet anschließend für sich. Es ist auch erlaubt, den Klassenraum zu verlassen, um zum Beispiel bei Aufnahmen ungestört zu sein.

Welche Vorteile hat der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht für Sie?

Die Schüler/-innen werden aktiver. Sie werden zum Akteur ihres eigenen Lernens und ich muss ihnen nicht kleinschrittige Anweisungen geben, denen sie folgen. Sie nutzen das Ganze in einem Kontext, der für sie interessant ist. Dadurch verinnerlichen sie die Sprache weitaus besser als durch sturen Frontalunterricht. Da immer ein digitales Produkt am Ende einer Projektphase steht, kann ich jedoch anders als bei reiner Gruppenarbeit im Unterricht später ein individuelles Feedback geben.

Wie stehen Sie zur Verwendung von eigenen Geräten im Unterricht?

Ich hätte kein Problem damit, könnte ich eine WLAN-Verbindung bieten. Dann hätte jeder wirklich das Gerät, mit dem er klarkommt. Wer in meinem Unterricht das Handy zum Vokabeln Nachschlagen rausholen möchte, darf das, wenn er bereit ist, sein Datenvolumen dafür zu nutzen.

Warum halten Sie den Einsatz digitaler Medien im Unterricht für wichtig?

Weil es die Zukunft ist. Die Schüler/-innen sollen befähigt werden, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten, sollen verantwortlich sein und dazu benötigen sie einfach Medienkompetenz. Überall werden digitale Medien genutzt und Vorgänge digitalisiert, darüber muss man Bescheid wissen. Das lasse ich im Unterricht mit einfließen, zum Beispiel bei einer Bildbeschreibung. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler ein lizenzfreies Bild online suchen und ich erkläre in diesem Zuge was Urheberrecht ist. Das heißt, die Klasse lernt das einfach mit, was sie später für den Alltag braucht. Es geht also nicht nur um das Lernen mit Medien, sondern auch um das Lernen über Medien.

Woher nehmen Sie Ideen zur Medienbildung? Überlegen Sie sich das Konzept zum Einsatz der Medien im Unterricht selbst?

Viele Dinge fliegen mir über soziale Netzwerke zu. Vor allem auf Twitter, aber auch Facebook. Ich folge hier vor allem französischen Lehrkräften, aber auch deutschsprachigen Kolleg(-inn)en wie Monika Heusinger oder Elke Höfler. Zusätzlich habe ich an vielen Fortbildungen teilgenommen, vor allem Webinare von zu Hause aus. Ich habe die gelernten Konzepte verändert, zum Beispiel wenn ich Ideen hatte, die man mit demselben Tool umsetzen kann. Aber das entwickelt sich tatsächlich selber, das nimmt so ein Eigenleben an, wenn man sich einmal näher damit beschäftigt.

Zeit ist oft Mangelware, wie bilden Sie sich im Bereich Medien weiter?

Ausprobieren ohne Angst davor zu haben. Es ist gut, Sachen einfach mal auszuprobieren. Dabei darf man natürlich den Nutzen des Tools für die Lehre nicht vergessen und sich in der Technik verlieren. Ich selbst bin auch sehr an Technologie interessiert, hatte in der Schule und an der Uni erste Einführungen ins Programmieren und habe mir darauf aufbauend selbstständig Programme angeschaut, die sich gut für Schüler/-innen eignen. Hier habe ich mir zum Beispiel „Scratch“ zum Programmieren angeschaut und Drohnen, die einfach mit grafischen Programmiersprachen programmiert werden können. Wenn man bei diesen Einsteiger-Programmen das Grundprinzip verstanden hat, ist der Einsatz im Unterricht nicht mehr so schwierig. Die Schüler/-innen bringen sich bei der Verwendung auch gerne Sachen selber bei oder haben teilweise ein besseres Wissen als ich. Sich durch Fortbildungen weiterzubilden finde ich schwierig, vor allem für Anfänger gibt es wenig Angebote. Das ist auch sehr zeitaufwendig. Es fehlt eigentlich so etwas wie eine offizielle Fortbildungszeit für Lehrkräfte. Webinare sind auch ein toller Weg sich fortzubilden, aber die finden eher abends statt.

Wenn alles möglich wäre: Welche Ideen würden Sie gerne im Unterricht umsetzen?

Virtual Reality und Drohnen. Ich setze beides schon ein kleines bisschen ein, könnte mir aber durchaus mehr vorstellen, wenn ich das Equipment für eine komplette Klasse hätte, zum Beispiel an Virtual Reality Brillen. Wenn ich dann noch die Geräte hätte, um VR-Räume zu erstellen und das nicht alles an der Hardware scheitert, wäre es perfekt. Da könnte man ein fächerübergreifendes Projekt starten: In Deutsch könnte ein Drehbuch geschrieben werden, das in Informatik verfilmt und programmiert wird, in Englisch übersetzt und mit Untertiteln versehen wird, in Musik kann eine Hintergrundmusik entstehen und in Kunst die Hintergrundbilder. Aber das ist natürlich zeitaufwendig und Bedarf einer guten Kooperation zwischen Fächern, die traditionell eher wenig miteinander zu tun haben.

Vielen Dank für das Interview!

Ina Mangold

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