Interview: „Ein iPad in der Hand bringt nicht automatisch einen Vorteil“

Ina Mangold
Fabian Karg

LMZ

Zu Gast: Fabian Karg

Woher bekomme ich Ideen für den Medieneinsatz im Unterricht? Wie bilde ich mich fort? Hat es überhaupt Sinn?

Nicht immer ist es leicht, effektive Unterrichtsstunden mit Medieneinsatz zu halten. Wir stellen Ihnen hier Lehrkräfte und ihre Konzepte zum Medieneinsatz vor, um den Schritt zur Mediennutzung im Unterricht zu erleichtern. Im zweiten Teil unserer Interviewreihe zu Gast: Fabian Karg.

Fabian Karg unterrichtet am Melanchthon Gymnasium in Bretten Deutsch, Englisch und Sport. Neben der Nutzung von Tablets und Computern setzt er auf das Thematisieren von Medienphänomenen – ohne den direkten Medieneinsatz.

In welchen Unterrichtssituationen setzen Sie digitale Medien ein?

Wenn es sinnvoll ist, hauptsächlich zum kollaborativen Arbeiten. Im Deutschunterricht nutze ich Medien ganz banal zum Visualisieren von Texten. Ich arbeite nicht mehr mit dem Overhead-Projektor, sondern benutze ein iPad mit Stift, zum Beispiel um eine Textanalyse durchzuführen. Im Englischunterricht nutze ich digitale Medien beispielsweise beim Thema Landeskunde. Früher haben die Schülerinnen und Schüler ihr Buch aufgeschlagen und drei Fotos von New York gefunden. Jetzt kann ich Google Maps benutzen, eine virtuelle Stadtführung durchführen und aktuelle Ansichten des Landes verwenden. Auch Material von Muttersprachlern findet man sehr leicht, beispielsweise auf YouTube.

Wie läuft eine Stunde mit digitalen Medien ab?

Zuerst einmal versuche ich immer mit den Medien zu arbeiten, die ich habe. Das sind oft meine eigenen Geräte, an der Schule haben wir nur Beamer und Computer mit Internetanschluss. Wenn ich also in Deutsch kollaborativ schreiben will, dann gehe ich ganz „oldschool“ in den Computerraum. Wie ich dann mit den Medien arbeite, hängt von der Aufgabe ab. Teils verteile ich meine drei Tablets in der Klasse und es wird in Gruppen gearbeitet. Im Computerraum benutze ich oft das ZUMPad . Die Schülerinnen und Schüler schreiben dort gemeinsam Texte und am Ende schauen wir uns die Ergebnisse an. Bevor wir das ZUMPad verwenden, gebe ich noch ein paar Hinweise dazu. Es ist öffentlich zugänglich, also sollen keine personenbezogenen Daten herausgeben werden. Wie dort beispielsweise eine Formatierung funktioniert, findet jeder dann selber heraus. Die klassische Klickkompetenz muss ich nicht mehr vermitteln. Wir haben Zeit für das Wesentliche.

Welche Vorteile hat der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht für Sie?

Die Schüler/-innen nehmen mehr mit und können aktiver sein. Bei einer Gedichtanalyse habe ich den Text auf meinem iPad, so kann während der Analyse direkt ein sinnvolles Skript für die Lernenden entstehen. Das könnte man theoretisch auch auf einem Overhead-Projektor machen, so hat man aber viel mehr Möglichkeiten, die Klasse mit einzubeziehen. Das Gerät kann einfach an die Schülerinnen und Schüler weitergeben werden, die dann selber Veränderungen einfügen. Fehler löscht man wieder heraus. Im Endeffekt ist es vom Workflow her einfacher als mit einer Overheadfolie, obwohl es manchmal länger dauert. Aber für die Schüler/-innen ist es effektiver, das melden sie mir zurück. Vor allem erspart man das Abschreiben, wenn man die Anmerkungen für alle ausdruckt. Was tatsächlich manchmal verloren geht, ist die mündliche Diskussion im Unterricht. Unser Computerraum ist relativ schlecht aufgebaut, sodass man nicht eben noch mal sagen kann: „Wir machen eine Gruppenphase“. Das hat aber nichts mit den Medien zu tun, sondern eher mit dem Aufbau unseres Raumes.

Welche Kompetenzen wollen Sie durch den Einsatz digitaler Medien vermitteln?

Sagen wir es mal andersrum: Nicht vermitteln will ich reine Wisch- und Klickkompetenz. Eigentlich möchte ich das 4-K-Modell vermitteln: Kritisches Denken, Kommunikation, Kollaboration und Kreativität. Ich versuche dabei oft über Medien zu sprechen ohne sie anzuwenden. Nur weil die Schülerinnen und Schüler ein Tablet in der Hand haben, bringt das nicht sofort einen Vorteil. Oftmals ist es sinnvoller, gesamtgesellschaftliche Phänomene zu betrachten, die nicht ausschließlich mit Medien zu tun haben, aber durch den Bezug auf die neuen Medien leichter besprochen werden können. Fake News beispielsweise, oder der Drang zur Selbstdarstellung sind ja nicht unbedingt etwas Neues. Das kann man in einen größeren Kontext einbettet ohne einen Computer oder ein iPad zu verwenden.

Warum halten Sie den Einsatz und die Thematisierung digitaler Medien im Unterricht für wichtig?

Weil um uns rum das Leben tobt. Die digitale Transformation hat sehr große Teile der Gesellschaft schon mitgerissen. Die Schule kann da nicht stillschweigend nebendran stehen. Das heißt nicht, dass wir zwangsweise mitmachen müssen, weil es in der Gesellschaft passiert. Es geht mehr darum, dass die Schüler/-innen verstehen, was außerhalb der Schule passiert.

Woher nehmen Sie Ideen zur Medienbildung?

Hauptsächlich aus meiner persönlichen Filterblase, zum Beispiel auf Twitter oder von den Kollegen am Landesmedienzentrum (LMZ). Aber was digitales Lehren betrifft ist Twitter die Nummer 1. Für das Hintergrundwissen sind auch teilweise die Informationsseiten des LMZs hilfreich.

Zeit ist oft Mangelware, wie bilden Sie sich im Bereich Medien weiter?

Ich besuche nicht mehr Fortbildungen als üblich, ich weiß eher mit welchen Leuten ich mich zur Ideenfindung austauschen muss. Wenn ich auf Twitter bin und mich durch die Links klicke oder mich mit Kollegen austausche, dann ist das in gewisser Weise auch eine Fortbildung. Das passiert auch in den Ferien, durch mein persönliches Interesse an der digitalen Welt kann ich nicht richtig trennen was privat oder schulisch ist. Man betreibt dann eher seine persönliche, private Fortbildung. Dafür nehme ich mir dann einfach die Zeit. Das erlebe ich auch oft bei „digitalen Kollegen“, die sich mal einen Abend hinsetzen und sich mit einem bestimmten Thema befassen.

Wenn alles möglich wäre: Welche Ideen würden Sie gerne im Unterricht umsetzen?

Von der Hardware her wäre mein persönlicher Traum ein iPad mit Stift und WLAN für alle Schüler/-innen – parallel zu Büchern und analogen Schreibmöglichkeiten. Dann würde ich gerne sehr viel mit Videoschnitt arbeiten, im Deutschunterricht zum Beispiel Balladen visualisieren oder Gedichte verfilmen. In einer Traumschule passiert dies dann in Projektarbeit mit freieren Arbeitszeiten und zwei Lehrkräften für 30 Schüler/-innen.

Vielen Dank für das Interview!

Erster Teil der Interviewreihe

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Ina Mangold

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