IDeRBlog: Blogging in der Grundschule

Jiří Hönes
Michael Gros

Michael Gros stellte die Blogging-Plattform IDeRBlog vor. | Jiří Hönes

Motivation durch Veröffentlichung

Bloggen und gleichzeitig Rechtschreibung üben: Das ermöglicht das Portal IDerBLog. Das kostenlose Angebot wird im Rahmen des Erasmus+ Programm vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien des Saarlands gemeinsam mit zwei österreichischen Hochschulen entwickelt.

Schülerinnen und Schüler schreiben gerne. Doch in der Schule mangelt es häufig an der Relevanz des Geschriebenen. Ein Schülertext wird von der Lehrkraft und bestenfalls von den Eltern gelesen, im schlechtesten Fall landet er ungelesen im Schulranzen. Hier setzt das Angebot IDeRBlog an, das Michael Gros vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien des Saarlands beim Medienkompetenztag 2019 auf der Learntec in Karlsruhe vorstellte.

Gros ist selbst Grundschullehrer und bloggt mit seinen Schülerinnen und Schülern seit 2006. Er hat beobachtet, dass die Möglichkeit einer Veröffentlichung die Motivation ungemein steigert. Wenn Kinder wissen, dass ihr Text von jemandem gelesen werden kann, so Gros, haben sie mehr Freude am Schreiben und sind gleichzeitig um eine korrekte Rechtschreibung bemüht. IDeRBlog nutzt diese Motivation und verbindet Bloggen mit Rechtschreibübungen. Das Erasmus+ Projekt bietet eine für Grundschulen kostenlose, kindgerechte Blogging-Plattform. Eingebaut sind eine Rechtschreibprüfung sowie eine Korrekturfunktion für die Lehrkraft.

In der Schüleransicht besteht das Backend der Plattform aus einem bewusst sehr simpel gehaltenen Texteditor. „Formatierungsmöglichkeiten würden hier nur ablenken, es geht um schreiben“, so Gros. Der Editor verfügt jedoch über eine Rechtschreibprüfung, die falsch geschriebene Wörter anzeigt. Bevor ein Text nun auf einem Klassenblog veröffentlicht wird, geht der Entwurf an die Lehrkraft. Diese hat dann die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen oder Korrekturen durchzuführen. „Das überlassen wir der Lehrkraft. Wenn ich zum Beispiel einen Schüler habe, der sich mit Rechtschreibung schwertut, aber einen super Text abliefert, dann korrigiere ich es eher selbst. Merke ich, dass es einer besser kann, sich aber aus Faulheit keine Mühe gibt, dann darf er es selbst überarbeiten“, so Gros. Hat ein Text dann die Korrektur passiert, kann er publiziert werden. Das Frontend der Plattform hat verschiedene Ansichten. Im Schülerblog stehen alle Texte einer Schülerin oder eines Schülers, im Klassenblog sind alle Texte einer Klasse versammelt. Die Schülerinnen und Schüler können ihre Beiträge gegenseitig kommentieren.

Zahlreiche Übungen und eine Kartei mit Schreibanlässen

Das Besondere an IDeRBlog ist nun, dass die Software die Rechtschreibfehler der Schülerinnen und Schüler analysiert und auswertet. Sie erhalten ein Diagramm, das anzeigt, ob es sich zum Beispiel vor allem um Ableitungsfehler, Groß- und Kleinschreibung oder Getrennt- und Zusammenschreibung handelt. Je nach Fehlerschwerpunkt können die Schülerinnen und Schüler dann in IDeRBlog direkt auf einen Aufgabenpool zugreifen. Dieser speist sich aus Aufgaben aus dem Netz, darunter Online-Aufgaben, Aufgaben, die im Heft erledigt werden und Arbeitsblätter zum Ausdrucken. Die Aufgaben wurden im Netz recherchiert und von zwei unabhängigen Prüfern auf ihre Richtigkeit getestet. Dieser Aufgabenpool kann übrigens auch ohne Nutzung der Blogfunktion aufgerufen werden.

Ein weiteres Feature sind die Schreibanlässe. Es handelt sich um eine Sammlung an Themen, über die Kinder schreiben können. Die Idee wurde aus der Not geboren. Ein Lehrer der Erprobungsschule im belgischen Raeren hatte nach drei Wochen Bloggen um die 600 Texte von seinen Schülerinnen und Schüler, so dass er kaum noch zum Korrigieren kam. Die Kinder wiederum hatten keine neuen Ideen mehr worüber sie schreiben sollten. Also legte er eine Kartei mit Schreibanlässen an, geordnet nach verschiedenen Kategorien wie Erlebnisse, Schule, Sport, Geografie und viele mehr. Diese Sammlung ist nun auch auf dem Online-Portal für alle Schulen zugänglich.

Zusätzlich zur Förderung ihrer Schreibkompetenz lernen die Kinder mit IDeRBlog einiges über Medien. Sie müssen sich ein sicheres Passwort anlegen und vor allem müssen sie sich die Frage stellen: Was publiziere ich eigentlich? Was besser nicht? Gros berichtete von einem Fall, der dies verdeutlicht. Eine Schülerin hatte geschrieben, dass ihre Mutter kaum noch Zeit für sie habe, seit sie abends arbeiten müsse. Als der Lehrer sie danach fragte, wie sich wohl ihre Mutter fühlen würde, wenn sie den Text im Internet lese, begann sie, den Inhalt zu reflektieren. „Am Ende der Stunde hatte wohl die ganze Klasse einiges darüber gelernt, was in die Öffentlichkeit gehört und was nicht“, so Gros.

Wer sich für den IDeRBlog interessiert, der kann sich auf der Website mit seiner Schule oder Klasse anmelden. Das Team um Michael Gros legt dann die entsprechenden Benutzerkonten an. Wer mehr über das Angebot erfahren oder sich darüber hinaus als Multiplikator für das Angebot engagieren möchte, kann an einem der Webinare teilnehmen, die auf der Website angekündigt werden.

Die Entwicklung von IDeRBlog wird vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien des Saarlands koordiniert. Partner sind die TU Graz und die PH Steiermark sowie zwei Testschulen.

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