Fünf überraschende Ergebnisse der D21 Studie

Sascha Schmidt

Zur aktuellen D21 Studie

Der Zugang zu digitalen Medien steigt weiterhin, Smartphones werden immer mehr zu Alltagsbegleitern und ein Großteil der Gesellschaft verbringt täglich noch mehr Zeit im Internet. Wenn Studien zur Nutzung von digitalen Medien veröffentlicht werden, so lassen sich bereits viele zentrale Ergebnisse vorhersehen und können meist kaum mehr für Überraschungen sorgen. Vergangene Woche wurde die aktuelle D21-Digital-Index Studie vorgestellt und trotz vieler vermeintlich vorhersehbarer Ergebnisse zeigt sie auch Entwicklungen auf, die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Wir stellen Ihnen fünf Ergebnisse aus der D21 Studie vor, die Sie möglicherweise überraschen werden.

1. Zwölf Millionen Bundesbürger/-innen stehen digital im Abseits

Die mobile Internetnutzung befindet sich weiterhin auf stabilem Wachstumskurs. So greifen inzwischen 90 Prozent der 14 bis 29-jährigen Nutzer/-innen über mobile Endgeräte regelmäßig auf das Internet zu. Trotzdem zählen nach wie vor etwa zwölf Millionen Bundesbürger/-innen zu den sogenannten „Offlinern“ und nutzen das Internet selten bis nie. 94 Prozent der Offliner sind 50 Jahre oder älter. Die Gründe für die Nichtnutzung sind vielfältig, liegen aber nicht ausschließlich im fehlenden Zugang zum Medium. Viele geben an, keinen Nutzen im Internet zu sehen, nennen die Kompliziertheit des Mediums oder Sicherheitsbedenken. Zudem ist eine Schere zwischen den Bildungsgraden erkennbar: So nutzen Personen mit einem niedrigen Bildungsstatus digitale Angebote deutlich seltener als Personen mit höherem Bildungsgrad.

2. Wearables sind kaum verbreitet

Während das Smartphone nach wie vor das weitverbreitetste digitale Endgerät darstellt, sind Wearables wie zum Beispiel Smart Watches scheinbar noch nicht richtig auf dem deutschen Markt angekommen. Lediglich 5 Prozent der Bundesbürger/-innen nutzen Wearables entweder beruflich oder privat. Während die Notebook-Nutzung in den letzten fünf Jahren sehr konstant blieb und sogar leicht zunahm, ist bei der Nutzung von Tablets eine gewisse Marktsättigung festzustellen. So erreichte der Nutzungsgrad im Jahr 2016 seinen Höhepunkt, nahm in der Zwischenzeit aber sogar wieder ab. Aktuell nutzen nur 36 Prozent der Befragten ein Tablet.

3. Messenger-Dienste bei den Tätigkeiten im Internet nur auf Platz fünf

Bei der Frage, welchen Tätigkeiten die Nutzer/-innen online regelmäßig nachgehen, wurde von 74 Prozent der Befragten die Informationsrecherche angegeben, danach folgen die Nutzung von Office-Anwendungen, der Konsum von Videos und das Nutzen von Karten- sowie Navigationsdiensten. Die Verwendung von Messenger-Diensten folgt erst auf Rang fünf und wird lediglich von 37 Prozent der Befragten genannt. Dies ist durchaus überraschend, legen Erhebungen wie beispielsweise die JIM-Studie 2017 offen, dass 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen regelmäßig WhatsApp nutzen. Erklärt wird dieses überraschende Ergebnis der D21-Studie möglicherweise damit, dass die Nutzung von Messenger-Diensten mittlerweile so im alltäglichen Handeln verankert ist, dass sie gar nicht mehr als bewusste Online-Handlung wahrgenommen wird.

4. Fachbegriffe aus der Medienwelt sind kaum bekannt

Auch wenn digitale Medien immer mehr unseren Alltag durchdringen: Hinsichtlich des Verständnisses der hiermit verbundenen Fachbegriffe herrscht noch Nachholbedarf. Während etwa die Hälfte der Befragten noch Begriffe wie Cookies und Cloud erklären können, können mit dem Begriff Big Data gerade einmal 21 Prozent der Befragten etwas anfangen. Ähnlich sieht es auch beim Begriffsfeld Bots (Chatbots, Social Bots) aus. Generell sind bezüglich des fachlichen Verständnisses große Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen. So können zwar 32 Prozent der männlichen Befragten den Begriff Bots erklären, aber gerade einmal 14 Prozent der weiblichen. Die Fachbegriffe werden somit zwar in Medien und Politik wie selbstverständlich genutzt, kommen in ihrem Verständnis aber nur bei einem geringen Teil der Bevölkerung an.

5. Diskrepanz zwischen Datenschutzverständnis und App-Nutzung

Persönliche Daten sind den deutschen Bundesbürger/-innen heilig, denn gerade einmal zwölf Prozent der Befragten stimmen folgender Aussage zu: „Es ist für mich in Ordnung, wenn im Tausch für einen Service der Anbieter des Dienstes Zugriff auf meine persönlichen Daten erhält.“ Im direkten Kontrast hierzu stehen die Nutzungszahlen von datenschutztechnisch bedenklichen Apps, insbesondere aus dem Bereich Social Media. Persönliche Daten werden somit zwar als schützenswert erachtet, das Bedürfnis nach der Nutzung entsprechender Apps, dem hiermit verbundenen Mehrwert und möglicherweise auch sozialer Zugehörigkeitsdruck scheinen in Hinblick auf das alltägliche Nutzungsverhalten allerdings als wichtiger empfunden zu werden.

Die Studie D21-Digital-Index wird jährlich veröffentlicht und bietet ein Lagebild zum Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in Deutschland. Befragt werden mehr als 20.000 Bundesbürger/-innen ab 14 Jahren.

Sascha Schmidt

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