Fake News auf der Spur – Ein Workshop mit SWR-Journalistin Rebecca Lüer

Jiří Hönes
Jugendliche vor Graffitiwand

GettyImages/FatCamera

Das Programm „Korrespondenten macht Schule“ startet wieder im Rahmen der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg.

Wie entstehen Nachrichten? Wie wird eine Meldung recherchiert? Wie kann man herausfinden, ob eine Nachricht wahr oder falsch ist? Diesen Fragen sind vor kurzem rund 60 Schülerinnen und Schüler der Droste-Hülshoff-Schule in Friedrichshafen beim Workshop „Korrespondenten machen Schule“ nachgegangen.

Das Angebot wird in Kooperation von SWR und Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) im Rahmen der Initiative Kindermedienland der Landesregierung umgesetzt. Rebecca Lüer, Leiterin des SWR-Studios Friedrichshafen, und LMZ-Referent Christian Schmidt leiteten vor Ort den Workshop zum Thema Fake News.

Für die Schulleiterin Angelika Seizinger ist dies ein hochaktuelles und wichtiges Thema. „Bitte kommen“, war ihre Reaktion, als sie von dem Angebot hörte. Die Schülerinnen und Schüler der Droste-Hülshoff-Schule arbeiten tagtäglich mit Tablets, im Unterricht wie zuhause. Ein kompetenter Umgang mit digitalen Medien ist daher ungemein wichtig, so die Pädagogin.

LMZ-Referent Schmidt gab den Schülerinnen und Schülern, allesamt in der elften Klasse, ganz praktische Tipps an die Hand. „Wer steht hinter einer Meldung? Was steht im Impressum einer Seite? Solche Informationen helfen bereits maßgeblich dabei, eine Nachricht bewerten zu können“, erläutert er. Ein wichtiges Werkzeug sei zudem die Rückwärts-Bildersuche von Google. Mit ihr lässt sich herausfinden, wo ein Bild zuerst veröffentlicht wurde und in welchem Kontext es entstanden ist. So konnte schon mancher Fall aufgedeckt werden, bei dem ein Bild völlig aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und für andere Zwecke instrumentalisiert wurde. Ein weiteres Instrument ist der SWR Fake Finder, der auch auf den Seiten des LMZ schon einmal näher vorgestellt wurde.

Nicht alles unreflektiert weiterleiten

„Mir persönlich ist es immer wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler ein bisschen kritischer sind und erst einmal Sachen hinterfragen. Sie sollen eine eigene Meinung haben und sich fragen ‚Kann das überhaupt sein?‘, bevor sie etwas weiterleiten, nur weil es vielleicht gerade lustig ist“, so der Medienpädagoge Schmidt.

Dass auch Experten nicht immer vor Falschmeldungen gefeit sind, konnte die Friedrichshafener Studioleiterin des SMRs Lüer aus ganz aktuellem Anlass veranschaulichen, wenngleich es hier nicht um eine Falschmeldung aus betrügerischer Absicht ging, sondern um ein Missverständnis: „Wir haben beim SWR auch über den schlimmen Unfall auf der A8 bei Pforzheim berichtet. Da hieß es einen Tag lang, ein Gaffer habe die Tür eines Rettungswagens geöffnet, um Fotos vom Verletzten zu machen. Am nächsten Tags stellte sich heraus: Falschmeldung.“ Der Polizist hatte eine Rettungssanitäterin falsch verstanden und diese falsche Information floss dann in eine Polizeimeldung ein. „Also eine Quelle, der man eigentlich erstmal vertraut“, so die Journalistin.

Interesse? Jetzt anmelden

„Die Schülerinnen und Schüler nahmen einiges mit, beteiligten sich rege und stellten schlaue Fragen“, betonte Lüer. Eine Schülerin resümierte: „Ich habe gelernt, dass jeder von zuhause aus schnell Fake News verbreiten kann und wir deswegen ganz konkret auf die Quellen und die Seriosität schauen sollten, etwa auf die Herkunft der Bilder oder auf das Impressum.“ Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagten hinterher, dass ihnen nun bewusst sei, wie schnell man oft unreflektiert Nachrichten weiterleite und sich somit selbst an der Verbreitung von Fake News beteilige. Die Schülerinnen und Schüler erhielten darüber hinaus Einblick in die Arbeit einer Journalistin.

Wer Interesse an einem solchen Workshop hat, sollte sich folgende Termine vormerken: Im Schuljahr 2018/2019 finden die Workshops gebündelt in zwei Wochen statt, und zwar vom 11. bis 15. Februar 2019 und vom 15. bis 19. Juli 2019. Schulen aus allen Landkreisen können sich für die angegebenen Zeiträume anmelden. Mehr Informationen finden  sich auf den Seiten des Kindermedienlands Baden-Württemberg.

SWR 4 hat über den Workshop einen Radiobeitrag mit O-Tönen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer produziert.

Über das Kindermedienland Baden-Württemberg

Die Landesregierung setzt sich mit der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann dafür ein, die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Land zu stärken. Mit dem Kindermedienland Baden-Württemberg werden zahlreiche Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land gebündelt, vernetzt und durch feste Unterstützungsangebote ergänzt. So wird eine breite öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Medienbildung und -erziehung geschaffen. Träger und Medienpartner der Initiative sind die Landesanstalt für Kommunikation (LFK), der Südwestrundfunk (SWR), das Landesmedienzentrum (LMZ), die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG), die Aktion Jugendschutz (ajs) und der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV).

Jiří Hönes

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