Das erste Barcamp „Lernräume“ in Freiburg: ein voller Erfolg

Stephanie Wössner
Barcamp Freiburg

Fionn Große

Nun auch in Süddeutschland

Barcamps für den Bildungsbereich gibt es in der Bundesrepublik inzwischen häufig, seien es Moodle-Moots, Mahara-Huis, mobile.schule-Veranstaltungen oder EduCamps. Doch meistens finden diese Barcamps eher im Norden Deutschlands statt. Nur selten besteht in Baden-Württemberg die Möglichkeit, an einem Barcamp teilzunehmen, zumal an einem Barcamp, welches thematisch sehr offen gehalten ist. Dies bewegte Dejan Mihajlović und Solveig Schwarz und ihr Organisatorenteam dazu, das Barcamp „Lernräume“ in Freiburg ins Leben zu rufen, das am 17. März 2018 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg stattfand.

Was ist ein Barcamp?

Barcamps basieren grundsätzlich auf demokratischen Prinzipien, das heißt man nimmt nicht an einer vorher geplanten Konferenz mit feststehendem Programm teil, sondern die Teilnehmer/-innen sind gleichzeitig die Referenten, sogenannte „Teilgeber“, und bieten vor Ort spontan Workshops und Vorträge an oder stellen Fragen, die dann gemeinsam diskutiert werden. Die einzelnen Beiträge sind auf 45 Minuten begrenzt und laufen teilweise parallel ab. So entsteht ein buntes Programm aus Sessions am Vormittag, Nachmittag und manchmal auch am Abend.

Um mehr über Barcamps zu erfahren, lohnt es sich, die Videos des YouTube-Channels vom Barcamp Freiburg anzuschauen.. 

Das Barcamp „Lernräume“

Bildung wird heutzutage maßgeblich von diversen Arten von Lernräumen mitbestimmt. Diese Lernräume können real und virtuell sein, schulisch und außerschulisch und sie ermöglichen es Jugendlichen, ihre Persönlichkeit bestmöglich zu entfalten, zu lernen, ihre Umwelt mitzugestalten und so zu verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands und Europas zu werden, die die Zukunft aktiv mitgestalten können. Doch auch Erwachsene lernen im Sinne des lebenslangen Lernens in diesen Lernräumen, sei es im Austausch mit Experten zu einem bestimmten Thema oder als Lehrkräfte in der Kommunikation mit Jugendlichen.

Beim Barcamp „Lernräume“ ging es darum, unterschiedliche Arten von Lernräumen im engeren und weiteren Sinne zu thematisieren und sich Gedanken darüber zu machen, wie diese gegebenenfalls auch das Lernen und die Rolle der Lehrkraft verändern.

Wer war dabei?

Organisiert wurde das Barcamp Freiburg maßgeblich von Dejan Mihajlović und Solveig Schwarz. Dejan Mihajlović ist Realschullehrer und Fachberater beim Schulamt Freiburg. Außerdem ist er engagiert in der Schülermitverwaltung tätig und bereichert in unterschiedlichen Funktionen die Diskussion um zeitgemäße Bildung in Baden-Württemberg. Ganz nebenbei schreibt er auch noch regelmäßig Blogbeiträge und ist auf sozialen Netzwerken, vor allem Facebook und Twitter, aktiv. Solveig Schwarz hat an der Karlshochschule International University in Karlsruhe bereits unzählige Barcamps im Bereich Unternehmensmanagement organisiert und ist im Bereich der Hochschulkommunikation tätig, interessiert sich jedoch auch sehr für die Lehre.

Insgesamt hatte das Organisationsteam rund um Mihajlović  und Schwarz 24 Mitgestalter gewinnen können. Dazu zählten neben lokalen Partnern wie dem Kreismedienzentrum Freiburg und dem Schülerrat Freiburg unter anderem auch die Lehrerinnenfortbildung BW, das Regierungspräsidium Freiburg und das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. 

Teilnehmer und -geber waren über 200 am Thema Lernen und Bildung in der digitalen Welt Interessierte. Von Grundschülern bis hin zu Senioren waren alle Altersgruppen vertreten und fanden den Tag sehr bereichernd. Dies wurde von einer der älteren Teilnehmerinnen bei der abschließenden Feedbackrunde auf den Punkt gebracht: „Es gibt ein erfülltes Altern auch ohne Kastanienmännchen basteln.“

Um was ging’s konkret?

Auf vier Sessionschienen verteilt, fanden insgesamt 44 Sessions parallel statt. Diese drehten sich um neue Unterrichtsmethoden, interessante Tools, das Thema Demokratie, aber auch um grundlegende Themen wie die Implementierung von mobilen Geräten im Unterricht, um die Lernräume zu erweitern.

In der Session „Wunschunterricht in der Grundschule“ diskutierten Emmi und Mikko Mihajlović  mit einer großen Teilnehmerrunde darüber, wie der Unterricht in der Grundschule im Rahmen einer zeitgemäßen Bildung aussehen könnte. Sie präsentierten Argumente, wieso mehr Digitales bereits in der Grundschule seinen Platz haben sollte, zeigten live, wie sie in ihrem Alter bereits Werkzeuge wie Kahoot! und Scratch nutzen können und wie diese Tools im Unterricht eingesetzt werden könnten. Bei der Feedbackrunde wurde verkündet, dass die Schulleiterin der beiden Grundschüler ebenfalls bei ihrer Session anwesend war und ihnen zugesichert habe, dass sie im Nachmittagsangebot der Schule bald Workshops zu digitalen Themen für Mitschüler anbieten dürfen. Alles in allem übrigens auch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie erfolgreiche Elternarbeit  im digitalen Bereich aussehen kann.

Im Bereich der Demokratiebildung wurde das Projekt Aula vorgestellt, bei dem es darum geht, Schülerinnen und Schülern mittels einer App die Möglichkeit der Mitbestimmung in der Schule zu geben. 

Zur Umsetzung gibt es neben der Online-Plattform auch viele didaktische Materialien für Lehrkräfte. Die erklärten Ziele von Aula liegen unter anderem in den Bereichen der „4Ks“ (Kollaboration, Kommunikation, Kreativität, kritisches Denken), die mittlerweile untrennbar mit einer zeitgemäßen Bildung verbunden sind.

In der Session „Lernen im Digitalen Wandel“ diskutierte Dejan Mihajlović mit einer Gruppe Gleichgesinnter darüber, wie die Bildungslandschaft sich verändern muss, um mit der Zeit zu gehen. Dabei ging es ebenfalls um die 4Ks und grundlegende Dinge, die heutzutage in der Schule nicht fehlen dürfen. Seine Ideen hat er schon vor einiger Zeit in seinem Blog festgehalten.

Die Sessions von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landesmedienzentrums drehten sich um die SESAM-Mediathek und Virtual Reality als virtueller Lernraum. Ralf Hartmann aus Karlsruhe präsentierte in seiner Session die SESAM-Mediathek  und ihre vielen Vorzüge, allen voran die Tatsache, dass alle urheberrechtlichen Fragen bereits geklärt sind und baden-württembergische Lehrkräfte sich bei der Verwendung der Medien aus der SESAM-Mediathek so nicht mit diesem Thema beschäftigen müssen, sondern sich ganz auf ihren Unterricht konzentrieren können. Ich präsentierte diverse Möglichkeiten, wie Virtual Reality im Unterricht aller Stufen kreativ und gestalterisch eingesetzt werden kann, um die 4Ks zu trainieren und berichtete von einem interessanten deutsch-französischen Projekt, an dem das LMZ beteiligt ist und bei dem die Auswirkung von Virtual Reality im Englischunterricht  wissenschaftlich beleuchtet werden wird. Außerdem hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, selbst in die virtuelle Welt einzutauchen und einen Roman in VR hautnah zu erleben, ein Projekt, welches in meinem Unterricht entstanden war.

Sessionprotokolle

Zur Website

Das Barcamp 2019

Ganz zum Schluss der Veranstaltung wurde bereits angekündigt, dass es auch 2019 ein Barcamp in Freiburg geben wird. Über die Entwicklung der Vorbereitungen und das endgültige Datum können sich Interessierte auf der Website des Barcamps, der dazugehörenden Facebook-Seite und auf Twitter auf dem Laufenden halten. 

Impressionen

Video über die Online Plattform "aula"

Stephanie Wössner

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