Aus einem buntem Haufen Schüler wird ein Filmteam

Constantin Schnell
Tatort Bodensee 2018: Kamera

Kameramann Marcel Kächele bewegt die Kamera am fünften Drehtag sehr souverän. Im Hintergrund prüfen Kameracoach Notker Mahr sowie Regieassistentin (und Autorin) Nadine Bela das Bild auf dem Monitor. | Constantin Schnell

„Nur einmal mit Profis arbeiten…“

Wer hat diesen ironischen Spruch nicht schon gehört. Für rund 20 Schülerinnen und Schüler des Sindelfinger Gymnasiums Unterrieden wurde das nun Realität. Innerhalb des Wettbewerbs „Tatort Bodensee“ realisierten sie einen Film gemeinsam mit fünf Filmprofis.

Eigentlich ist „Tatort Bodensee“ ja ein Schreibwettbewerb. Es geht darum, aus drei vorgegebenen Szenen ein Drehbuch für einen Kurzfilm zu schreiben. Rund 150 Gruppen hatten aktuell teilgenommen. Das Drehbuch von drei Sindelfinger Autorinnen gefiel der Jury am besten. Sie verknüpften die Geschichte um einen jungen Syrer, der (vermeintlich) ein Edel-Fahrrad geklaut hat, geschickt mit seiner Familiengeschichte - er und sein Brunder haben sehr unterschiedliche Wege der Anpassung in Deutschland gewählt.

Ein Drehbuch schreiben ist eines, einen Film drehen etwas ganz anderes. Für den Dreh braucht es nämlich einen Regisseur, ein Kamerateam, Tonleute, Maske, Catering, einen Aufnahmeleiter, viele weitere Mitarbeiter und natürlich Darsteller. Es mussten also eine Menge Mitschülerinnen und Mitschüler aktiviert werden, sich in dieses Projekt einzubringen. Motiviert wurden sie nicht zuletzt auch dadurch, dass die fünf Filmprofis diese Schülerfilmproduktion absolut professionell aufzogen. Im Zentrum stand dabei die Regisseurin und Filmpädagogin Sabine Willmann, die bereits das dritte „Tatort Bodensee“-Projekt realisiert. Die Schülerinnen und Schüler lernten nicht nur, dass ein Dreh viel Arbeit schon im Vorfeld macht, was ein Drehplan ist, oder dass man am Set leichter arbeitet, wenn es nicht ganz so laut ist, sondern vor allem, dass Dreharbeiten sehr straff durchorganisiert sind. Der gestandene Kameramann Notker Mahr, der Schauspielcoach Torsten Hoffmann, Tonmann und Komponist Oliver Heise und die Produktionsassistentin Paulina Knobloch gehörten zu Willmanns Profi-Team, das die jungen Filmemacher coachte.

Tatort Bodensee 2018: Szene

Schauspielcoach Torsten Hoffmann (Mitte) instruiert Hauptdarsteller Husam Al-Heraki (links). Der Streit mit seinem Filmbruder, gespielt von Ahmed Abou-Taleb (rechts), erfordert Action und Gefühl. | Constantin Schnell

Entscheidend: Die richtigen Darsteller

Die drei Autorinnen des Gewinnerdrehbuchs nahmen beim fünftägigen Dreh eher eine Nebenrolle ein, sie arbeiteten als Regieassistenz, im Catering oder machten die Klappe. Besonders knifflig war die Suche nach den Darstellern – unter anderem mussten zwei Jungs mit Migrationshintergrund gefunden werden, die Deutsch und Arabisch sprechen und verdammt viel schauspielerisches Talent mitbringen. Husam, einer der der Hauptdarsteller, wurde schließlich sogar aus Fellbach „importiert“. Bei einem Vorbereitungswochenende konnte ausführlich geprobt werden und das Team sich an den Ablauf an einem Drehort gewöhnen.

Auch wenn Kameracoach Notker Mahr am Set immer mal wieder scherzhaft „Nur einmal mit Profis arbeiten…“ stöhnte, so waren sich die fünf Filmcoaches am Ende des letzten Drehtags doch einig, dass die Jugendlichen in kurzer Zeit viel gelernt und sehr gut als Team zusammengearbeitet haben. „Irgendwann wurde jedem klar, dass es am besten funktioniert, wenn man seine Aufgabe gut im Blick hat“, beschreibt Sabine Willmann den pädagogischen Effekt. So haben die Sindelfinger Schüler/-innen nicht nur einen guten Film abgedreht (der am 24. Juli seine Premiere im Böblinger Kino „Bären“ feiern wird), sondern tatsächlich einmal mit Profis gearbeitet. Und sind fast selbst welche geworden.

Ab Oktober selber mitmachen

Tatort Bodensee wird wieder im Oktober 2019 ausgeschrieben. Mitmachen können Schüler- und Jugendgruppen aus Baden-Württemberg. Neben dem Dreh mit Profis gibt es auch Workshops beim SWR und Kinobesuche zu gewinnen. Träger des Wettbewerbs sind das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, die Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS) und die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK). Informationen und weitere Fotos auf www.tatort-bodensee.de

Constantin Schnell

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