Ab wann dürfen Kinder vor den Bildschirm?

Jiří Hönes
Rennendes Mädchen

Mindestens drei Stunden am Tag sollten sich drei- bis vierjährige Kinder bewegen, eine Stunde davon sollten es „moderate bis stark anstrengende Aktivitäten“ sein, so die WHO. | GettyImages/portishead1

Empfehlungen der WHO zu Bewegung, Medienkonsum und Schlaf von Kleinkindern

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Empfehlungen dafür herausgegeben, wie viel sich Kleinkinder täglich bewegen sollten. Enthalten sind darin auch Richtwerte für die tägliche Nutzungsdauer von Bildschirmmedien. Kinder bis zwei Jahre sollten der WHO zufolge ganz von Smartphone, Tablet und Fernseher ferngehalten werden.

Fange spielen, herumtoben, klettern – Kinder sind normalerweise von sich aus körperlich aktiv und müssen nicht erst dazu überredet werden. Was sie jedoch schnell von der Bewegung abhalten kann, sind Smartphones, Tablets oder das klassische Fernsehen. Bildschirmmedien üben eine ungemeine Faszination auf Kinder aus und gehören zur ihrer Erfahrungswelt dazu. Doch wo ist das Limit? Und wie früh sollten sie überhaupt damit anfangen?

Für Kinder unter fünf Jahren geben die neuen Empfehlungen der WHO genau hierzu Antworten. Um gesund aufzuwachsen, sollten diese weniger Zeit vor Bildschirmen oder sitzend und liegend in Kinderwagen verbringen, besseren Schlaf bekommen und mehr Zeit für körperliche Aktivitäten erhalten, so die WHO. Die Empfehlungen wurden nach Angaben der WHO von Experten formuliert, die die negativen Auswirkungen von mangelndem Schlaf und übermäßigem Sitzen sowie die positiven Effekte gesteigerter körperlicher Aktivität bewertet haben. Sie betonen vor allem den Zusammenhang von mehr Bewegung und gesünderem Schlaf.

Die Empfehlungen sind im Einzelnen:

  • Kinder unter einem Jahr sollten pro Tag mindestens 30 Minuten körperlich aktiv sein. Die Eltern sollten ihre Kinder mehrmals pro Tag bei ihren körperlichen Aktivitäten unterstützen, etwa durch gemeinsames Spielen. Im diesem Alter sollten Kinder zudem nicht länger als eine Stunde am Stück fixiert werden, etwa in einem Kinderwagen oder Kinderstuhl. Die sitzende Zeit sollte am besten dafür genutzt werden, gemeinsam ein Bilderbuch zu betrachten oder Geschichten zu erzählen. Auf Bildschirmmedien sollte ganz verzichtet werden, auch aufgrund der Einflüsse auf die geistige und soziale Entwicklung, so die WHO.
  • Kinder von einem bis zwei Jahren sollten täglich mindestens 180 Minuten körperlich aktiv sein und sich mindestens einmal am Tag so stark anstrengen, dass sie außer Atem geraten. Auch in diesem Alter sollten Kinder der WHO zufolge nicht länger als eine Stunde fixiert sitzen. Bildschirmmedien sollten erst ab einem Alter von zwei Jahren genutzt werden und dann auch nicht mehr als eine Stunde am Tag. Weniger sei besser, so die Empfehlung der WHO.
  • Für drei- bis vierjährige Kinder sind die Empfehlungen ähnlich, jedoch sollten unter den 180 Minuten Bewegung mindestens 60 Minuten moderate bis stark anstrengende Aktivitäten sein, etwa Laufen, Radfahren, Ballsport, Schwimmen oder Tanzen. Auch in diesem Alter sollte nicht mehr als eine Stunde täglich am Smartphone, Tablet oder Fernseher verbracht werden.

Ob diese Richtwerte von Eltern und Erziehungsberechtigten immer so einhaltbar sind, ist sicher fraglich. Sie geben jedoch eine Orientierung und können eine Aufmunterung zu mehr aktiver Zeit mit Kindern sein.

Bei Fragen zur Mediennutzung von Kindern gibt die Medienpädagogische Beratungsstelle des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) Auskunft. Eltern finden zudem Anregungen zur Medienerziehung auf den Seiten des Kindermedienlands Baden-Württemberg.

 

Jiří Hönes

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