Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012

Der katholische Religionsunterricht der Werkrealschule und Realschule hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung mit dem Bildungsplan 2012 bzw. 2004 nur geringfügig Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ der Realschule und der Werkrealschule wird unter den methodischen Kompetenzen die Medienbildung folgendermaßen erwähnt: Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, mit Medien verantwortungsbewusst umzugehen, und können Lerngegenstände verschieden präsentieren.

Das Lernen mit und über Medien wird unter „Kompetenzen und Inhalte“ als Bestandteil des katholischen Religionsunterrichts nicht explizit thematisiert, so dass das Thema Medienbildung im neuen Bildungsplan einer konkreten Neukonzeption bedarf. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also auch für den katholischen Religionsunterricht eine vergleichsweise umfassende Aufgabe.

Bibel

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Medienkompetenz und Medienbildung im kath. Religionsunterricht ab 2016

Bereits in den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ erfährt man im Bildungsplan 2016 von der Notwendigkeit der Medienbildung: „[…] sie [die Schülerinnen und Schüler] sind konfrontiert mit […] den Möglichkeiten und Gefahren einer globalisierten und digitalisierten Welt, […]. Um diese Herausforderungen bestehen zu können, sind Schülerinnen und Schüler auf Orientierung angewiesen“ (BP 2016, Sek I, Kath. Religionslehre, S. 3). Dieses Orientierungswissen greifen die Ausführungen zu den Beiträgen des Faches Katholische Religionslehre unter „Medienbildung“ wieder auf, wo es heißt: „Im katholischen Religionsunterricht erwerben die Schülerinnen und Schüler Orientierungswissen, das sie befähigt, Auswirkungen der Medien auf das eigene Leben zu erkennen und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen zu entwickeln.“ (S. 5).

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Im Bereich „Wahrnehmen und Darstellen“ gibt der Bildungsplan vor, dass Schülerinnen und Schüler „aus ausgewählten Quellen, Texten, Medien Informationen erheben, die eine Deutung religiöser Sachverhalte ermöglichen“ können (S. 10).

Bezugnehmend auf die Leitgedanken werden medienbildnerische Aspekte auch im Bereich „Deuten“ sichtbar. Hier erwartet der Bildungsplan von den Schülerinnen und Schülern, dass sie „biblische, lehramtliche, theologische und andere Zeugnisse christlichen Glaubens methodisch angemessen erschließen“ können (S. 10). Außerdem sollen sie unter „Gestalten“ „die Präsentation des eigenen Standpunkts und anderer Positionen medial und adressatenbezogen aufbereiten“ können (S. 12).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Der hohe Stellenwert der Medienbildung im Fach Katholische Religionslehre in der Sekundarstufe I wird in den inhaltlichen Kompetenzen sichtbar. Dies wird besonders deutlich in den Kompetenzbereichen „Information und Wissen“, „Produktion und Präsentation“ und „Mediengesellschaft und -analyse“ (mit den Teilbereichen Jugendmedienschutz, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung). Der Bereich „Kommunikation und Kooperation“ ist in vielen Teilbereichen enthalten, wenn auch nicht explizit ausgewiesen.

Klassen 7/8/9

Ein eindeutiger medienbildnerischer Schwerpunkt in dieser Klassenstufe liegt in der „Medienanalyse“ mit den Teilbereichen Jugendmedienschutz, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung.

Im Inhaltsbereich „Mensch“ mit den Schwerpunkten Verhaltensweisen in Beziehungen, dem christlichen Verständnis zu einem verantwortlichen Umgang der Menschen untereinander und der christlichen Sicht zur Menschenwürde wird dies besonders deutlich. Aber auch im Themenbereich „Welt und Verantwortung“ ist die Rede von Cybermobbing, Diskriminierung und Extremismus als gefährdende Elemente des Zusammenlebens und als ethische Herausforderung. Der Umgang mit Medien und die kirchlichen Stellungnahmen sind exemplarisch weitere Themen aus diesem Bereich (S. 30).

Ganz ähnlich verhält es sich beim Themenbereich „Jesus“. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, je nach Kompetenzstufe

  • zu beschreiben, zu erläutern oder zu untersuchen, „welche Vorstellungen von Jesus in der Alltags- und Jugendkultur zu finden sind (zum Beispiel in der Popmusik, im Sport)“ (S. 35), oder
  • zu beschreiben, darzustellen und zu erklären, „wie Jesusvorstellungen Jugendlicher beeinflusst werden (zum Beispiel durch Personen, durch Religionsunterricht, durch Medien wie Kinderbibeln oder Jesusfilme)“ (S. 36).

Auch im Teilbereich „Religionen und Weltanschauungen“ steht die Medienanalyse im Zentrum, wenn die Schülerinnen und Schüler erkennen sollen, wie und wo ihnen in ihrem Lebensumfeld andere Religionen und Sondergemeinschaften begegnen (S. 40).

Die Informationskompetenz, die Produktions- und Präsentationskompetenz sowie die Kommunikationskompetenz sind immer wieder – wenn auch nicht immer explizit benannt – in nahezu allen inhaltlichen Themenbereichen deutlich erkennbar.

Klasse 10

Ein medienbildnerischer Schwerpunkt liegt in dieser Standardstufe auf „Produktion und Präsentation“ sowie „Information und Wissen“, wie zum Beispiel Recherchen über andere Weltreligionen und Glaubensrichtungen (S. 62), Darlegungen zum aktuellen Wirken der Kirche oder die geschichtliche Entwicklung unterschiedlicher Lebens- und Glaubensformen der Kirche und das Jesusbild. Gerade solche Recherchen bieten Lehrkräften die Möglichkeit, die Verlässlichkeit von Quellen im Internet zu reflektieren oder Kriterien zu erarbeiten, mit denen Schülerinnen und Schüler Quellen überprüfen können. Je nach Alter der Schüler/-innen kann es auch sinnvoll sein, eine Quellenauswahl bereitzustellen.

Ein weiterer, manchmal erst auf den zweiten Blick sichtbarer medienanalytischer Schwerpunkt wird deutlich, wenn man sich mit den einzelnen Themenbereichen näher beschäftigt. In den folgenden Bereichen ermöglicht der Bildungsplan Anknüpfungspunkte für die Medienanalyse:

  • im Themenbereich „Mensch“ im Zusammenhang mit der Frage nach der sinnvollen Lebensgestaltung (z.B. bezüglich Beruf, Erholung und Freizeit) (S. 43),
  • im Themenbereich „Welt und Verantwortung“ im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Fragen des gesellschaftlichen Friedens (S. 46),
  • im Themenbereich „Bibel“ im Zusammenhang mit biblischen Texten oder Motiven in den Medien (S. 48),
  • im Themenbereich „Jesus Christus“, wenn die Rede ist von „Jesusvorstellungen in der Alltags- und Jugendkultur erläutern, die von Klischees geprägt werden (zum Beispiel in der Popmusik, im Sport)“ (S. 52),
  • im Themenbereich „Religionen und Weltanschauungen“, wenn es um die Darstellung anderer Weltreligionen oder um die Heilsversprechen in „religiösen Sondergemeinschaften“ geht (S. 57).

Elke Fries

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