Rückblick auf den Bildungsplan 2004

Im Bildungsplan 2004 sind für den naturwissenschaftlichen Unterricht des Gymnasiums bereits erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. Zum Kompetenzerwerb für die Naturwissenschaften heißt es, dass Schülerinnen und Schüler „verschiedene Informationsquellen erschließen, nutzen und Informationen kritisch und gezielt auswählen; den Computer als Arbeitsmittel einsetzen; Texte und grafische Darstellungen interpretieren, Kernaussagen erkennen, diese mit erworbenem Wissen verknüpfen und daraus Schlüsse ziehen; Sachverhalte verständlich, übersichtlich und adressatengerecht dokumentieren und präsentieren; konkrete Sachverhalte mit (…) Diagrammen und Simulationen darstellen und veranschaulichen; Datenmaterial und Statistiken interpretieren und bezüglich ihrer Aussagekraft bewerten.“ (BP 2004, Gym, Vorwort Naturwissenschaften, S. 174)

Bei den Kompetenzen und Inhalten in Klasse 10 wird konkret die „computerunterstützte Messwerterfassungs- und Auswertungssysteme im Praktikum unter Anleitung“ (BP 2004, Gym, Physik, S. 184) als spezifisches Methodenrepertoire genannt. In der Kursstufe (gemeinsam für alle Kursarten) wird die selbstständige „computerunterstützte Messwerterfassungs- und Auswertungssysteme im Praktikum“ (S. 186) gefordert.

Das Fach Physik hat im Bildungsplan 2004 keine explizite spiralcurriculare Grundlage für die Leitperspektive Medienbildung gelegt. Die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, müssen folglich noch stärker als bisher in den Physikunterricht des Gymnasiums Einzug erhalten. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist für den Physikunterricht nachzuholen.

Glühbirne und physikalische Formeln

GettyImages/ThomasVogel

Medienkompetenz und Medienbildung im Physikunterricht ab 2016

In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ im Bildungsplan 2016 bezieht sich die Medienbildung für das Gymnasium auf „das naturwissenschaftliche Experiment, die zugehörige Datenerfassung und ‑auswertung mithilfe des Computers, des Smartphones oder vergleichbarer Geräte“ (BP 2016, Gym, Physik, S. 4). Weitere Aufgaben des Physikunterrichts sind die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, „sich Informationen zu beschaffen, deren Quellen zu prüfen und deren Darstellungen kritisch zu interpretieren“ (ebd.) Auch die fachliche Erarbeitung von Inhalten und das Präsentieren mit passenden Medien wird im Fach Physik genannt.

In den didaktischen Hinweisen ist die Medienbildung folgendermaßen verankert: „Der Einsatz von Computern, Smartphones oder vergleichbaren Geräten sowie dem Internet ist im Physikunterricht eine Selbstverständlichkeit – beim Wissenserwerb, beim Erfassen und Auswerten von Messdaten, beim Dokumentieren und Präsentieren sowie beim Einsatz von Simulationssoftware als Ergänzung von Realexperimenten.“ (S. 7).

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Hinsichtlich der prozessbezogenen Kompetenzen (Kommunikation) können die Schülerinnen und Schüler „physikalische Experimente, Ergebnisse und Erkenntnisse – auch mithilfe digitaler Medien – dokumentieren (zum Beispiel Skizzen, Beschreibungen, Tabellen, Diagramme und Formeln)“ und „in unterschiedlichen Quellen recherchieren, Erkenntnisse sinnvoll strukturieren, sachbezogen und adressatengerecht aufbereiten sowie unter Nutzung geeigneter Medien präsentieren“ (S. 11).

Im Bereich „Bewertung“ können die Schülerinnen und Schüler „Informationen aus verschiedenen Quellen auf Relevanz prüfen“ und „Darstellungen in den Medien anhand ihrer physikalischen Erkenntnisse kritisch betrachten (zum Beispiel Filme, Zeitungsartikel, pseudowissenschaftliche Aussagen)“ (S. 12).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Hinsichtlich den inhaltsbezogenen Kompetenzen des Physikunterrichts im Gymnasium wird lediglich in der Klassenstufe 9/10 explizit auf die Leitperspektive Medienbildung eingegangen. In den anderen Klassenstufen werden keine konkreten medienbildnerischen Kompetenzen aufgeführt.

Klassen 7/8

In den inhaltsbezogenen Kompetenzen des Physikunterrichts der Sekundarstufe I wird die Leitperspektive Medienbildung nicht explizit genannt. Denkbar wäre der Einsatz von medienbildnerischen Arbeitsweisen allerdings an verschiedenen Stellen. Das Beschreiben und Erläutern von Modellen in der Physik anhand von Beispielen (vgl. S. 12) kann beispielsweise mithilfe eines digitalen Modells stattfinden. Es wäre auch denkbar, ein analoges sowie digitales Modell gegenüberzustellen und die Schüler/-innen Vor- und Nachteile beider Möglichkeiten erarbeiten zu lassen. Zur Arbeit mit optischen Phänomenen im Weltall können digitale Medien zur Unterstützung herangezogen werden (vgl. S. 13). Denkbar wäre beispielsweise ein virtueller Ausflug ins Weltall mit Hilfe von VR-Brillen. Im Bereich der Kinematik sollen Bewegungsdiagramme erstellt und interpretiert werden (vgl. S. 17). Dies könnte unter Zuhilfenahme von digitalen Medien und entsprechender Software stattfinden.

Klassen 9/10

Im Bereich Mechanik können Schülerinnen und Schüler „Bewegungsabläufe experimentell aufzeichnen (zum Beispiel freier Fall, schiefe Ebene), die Messwerte in Diagrammen darstellen und diese Diagramme interpretieren (s-t-Diagramm, v-t-Diagramm, a-t-Diagramm)“ (S. 23). „Beim Aufzeichnen der Bewegung sowie bei der Auswertung nutzen sie auch digitale Medien (zum Beispiel Videoanalyse)“ (ebd.). Dabei sollen informationstechnische Grundlagen gefördert und die Mediengesellschaft beleuchtet werden.

Neben den explizit aufgeführten medienbildnerischen Kompetenzen ist in den Klassen 9/10 eine Kooperation mit dem Fach Geographie denkbar, wenn es um die Beschreibung des Treibhauseffektes und dessen Auswirkungen auf die Klimaentwicklung geht (vgl. S. 21). Auch hier können digitale Medien beispielsweise zu Recherchezwecken herangezogen werden. Bei der Analyse des Aufbaus eines Atoms (S. 22) können digitale Modelle herangezogen werden, um Gegebenheiten sowie Vorgänge auf Molekularebene visuell verständlich und ansprechend zu vermitteln. 

Klassen 11/12

In den Klassen 11/12 werden erneut keine medienbildnerischen Kompetenzen im Bildungsplan aufgeführt. Nichtsdestotrotz können digitale Medien zur Veranschaulichung in vielen abstrakten Themenbereichen (zum Beispiel Schwingungen, Wellen, Wellenoptik) eingesetzt werden.

Linda Straub

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