Rückblick auf den Bildungsplan 2004

Der Bildungsplan Chemie hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung mit dem Bildungsplan 2004 nur geringfügig Vorarbeit geleistet. So wird lediglich in den Kompetenzen von Klasse 10 aufgeführt, dass die Schülerinnen und Schüler verschiedene Informationsquellen zur Ermittlung chemischer Daten nutzen und den PC für Recherche, Darstellung von Molekülmodellen und Versuchsauswertung einsetzen (BP 2004, Gym, Chemie, S. 197). Ein Aufgriff von medienbildnerischen Kompetenzen in den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb bleibt aus.

Der Chemieunterricht hat 2004 folglich nur in Ansätzen medienbildnerische Kompetenzen im Bereich „Information und Wissen“ im Unterricht verankert. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Chemieunterricht in vielen Bereichen nachzuholen.

Chemischer Versuch

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Medienkompetenz und Medienbildung im Chemieunterricht ab 2016

In den neuen Bildungsplänen fokussiert sich der Chemieunterricht bei der Vermittlung von medienbildnerischen Kompetenzen vor allem auf die Informationsrecherche sowie die Präsentation von Inhalten. Daher sind im Chemieunterricht des Gymnasiums schwerpunktmäßig die medienbildnerischen Felder „Information und Wissen“ sowie „Produktion und Präsentation“ vertreten.

Im Abschnitt „Beitrag des Faches zu den Leitperspektiven“ wird die Medienbildung im Fach Chemie im Bildungsplan 2016 für das Gymnasium folgendermaßen thematisiert: „Der Chemieunterricht ermöglicht den Einblick in den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und erlaubt die Bewertung von Aussagen über naturwissenschaftliche Zusammenhänge in Medien. Sowohl bei der Erarbeitung von fachlichen Inhalten als auch bei der Präsentation von Arbeitsergebnissen greifen die Schülerinnen und Schüler im Chemieunterricht auf die verschiedensten Medien zurück und üben so den Umgang mit diesen.“ (BP 2016, Gym, Chemie, S. 4). Messwerterfassungssysteme und Simulationsprogramme werden als Möglichkeiten aufgeführt, mithilfe von digitalen Medien einen Einblick in chemische Arbeitsweisen zu erhalten (vgl. ebd.).

Im Rahmen der didaktischen Hinweise wird aufgeführt, dass die Informationsbeschaffung mittels verschiedener analoger und digitaler Medien sowie die Darstellung von Ergebnissen mithilfe des Computers zur eigenständigen Erschließung und Vernetzung des Wissens beitragen sollen (vgl. S. 7).

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Laut prozessbezogener Kompetenzen des Faches Chemie sollen im Bereich „Erkenntnisgewinnung“ Modelle und Simulationen genutzt werden, um naturwissenschaftliche Sachverhalte zu erschließen (vgl. S. 9). Recherchen zu chemischen Sachverhalten sowie zu Forscherpersönlichkeiten sollen in unterschiedlichen analogen und digitalen Medien stattfinden (vgl. S. 10). Beide prozessbezogenen Kompetenzen sind dem medienbildnerischen Bereich „Information und Wissen“ zuzuordnen.  

Der Kompetenzbereich „Produktion und Präsentation“ wird ebenfalls geschult, indem die Schülerinnen und Schüler chemische Sachverhalte in verschiedenen Formen (mit geeigneten Präsentationstechniken und -medien) darstellen (vgl. ebd.).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen – Klassen 5/6

Der Erwerb chemiespezifischer Kompetenzen im Gymnasium beginnt in den Klassen 5/6 im Fächerverbund Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT).

Klassen 8/9/10

Die Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Fach Chemie in den Klassen 8/9/10 legen den thematischen Schwerpunkt auf das Lernen mit Medien.
Im Themenbereich „Stoff – Teilchen – Struktur – Eigenschaften“ sollen die Lernenden „die Zusammensetzung der Luft nennen und Veränderungen des Kohlenstoffdioxidanteils hinsichtlich ihrer globalen Auswirkungen bewerten“ (S. 14). Die Recherche zu den globalen Auswirkungen des Klimawandels kann mithilfe digitaler Medien geschehen, gleiches gilt auch für die Präsentation der Ergebnisse. In diesem Kontext bietet sich zum Thema Klimawandel eine Kooperation mit dem Fach Geographie an.
Des Weiteren sollen die Lernenden die Gefahren und den Nutzen von Ethanol (Alkoholkonsum, Desinfektionsmittel) beschreiben, was beispielsweise erneut anhand einer Internetrecherche stattfinden kann. Der räumliche Bau eines Moleküls kann mithilfe eines (digitalen) Modells erklärt werden (vgl. S. 17). Gleiches gilt für die Beschreibung des Lösungsvorgangs von Salzen auf Molekularebene (vgl. S. 18).

Der Themenbereich „Chemische Reaktion“ greift erneut den medienbildnerischen Bereich „Information und Wissen“ auf, indem bei chemischen Reaktionen Nachweise für ausgewählte Stoffe mithilfe von Simulationen durchgeführt werden, so zum Beispiel für den Kohlenstoffkreislauf in der Natur und Auswirkungen durch Eingriffe des Menschen (vgl. S. 20). Ebenso kann die Verwendung von Erdöl als Rohstoff und als Brennstoff unter Einbeziehung digitaler Medien verglichen und bewertet werden (vgl. S. 22).

Klassen 11/12 (vierstündiger Kurs)

Im Themenbereich „Chemisches Gleichgewicht“ sollen die Schülerinnen und Schüler die gesellschaftliche Bedeutung der Ammoniaksynthese erläutern (vgl. S. 28). Hierzu sind auch zahlreiche Filme und Unterrichtsmaterialien in der SESAM Mediathek zu finden. Der Themenbereich „Säure-Base-Gleichgewichte“ greift das Erklären der Wirkungsweise von Puffersystemen und deren Bedeutung anhand von Beispielen auf. An dieser Stelle ist beispielsweise eine Kooperation mit dem Fach Biologie denkbar, wo die Bedeutung von Puffersystemen für den menschlichen Organismus erarbeitet werden können.
Im Themenbereich „Naturstoffe“ sollen die Lernenden „die Verwendung von Kohlenhydraten als nachwachsende Rohstoffe bewerten“ (S. 31).

Am Beispiel von aromatischen Verbindungen soll im Themenbereich „Aromaten“ die mögliche Gesundheitsgefährdung durch einen Stoff beschrieben werden (Expositions-Risiko-Beziehung) (vgl. S. 32). Im Themenbereich „Kunststoffe“ werden die Verarbeitungsmöglichkeiten von Kunststoffen beschrieben (vgl. S. 34). Zuletzt sollen im Themenbereich „Elektrochemie“ aktuelle Entwicklungen bei elektrochemischen Stromquellen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit diskutiert werden (vgl. S. 35). Dies kann beispielsweise anhand eines aktuellen Fallbeispiels geschehen.

Sascha Schmidt

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