Tanja Rix ist die Leiterin der Abteilung Medien beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Zu ihrer Abteilung gehören die Referate „Medienbereitstellung“, „Innovation und Fortentwicklung“ sowie „Service“. Ihre Abteilung ist für die SESAM-Mediathek zuständig. Wir haben Tanja Rix gefragt, was es mit der Mediathek auf sich hat, welche Aufgaben rund um die Datenbank im Hintergrund von SESAM anfallen und wie das LMZ hier bundesweit vernetzt agiert.

Frau Rix, welches Referat beschäftigt sich mit einem Medium, das in der SESAM-Mediathek veröffentlicht werden soll?

Grundsätzlich sind alle Referate unserer Abteilung Medien an dem Prozess beteiligt, bis ein Medium tatsächlich in der Mediathek eingestellt ist und von Lehrkräften genutzt werden kann. Natürlich braucht es dafür erst einmal eine sichere und verlässliche Struktur, die eine beständige und fortlaufende Befüllung der Mediathek, die Verfügbarmachung und Qualitätskontrolle von Medien ermöglicht. Beginnend muss zunächst einmal dafür Sorge getragen werden, dass gute Medien eingekauft werden.

Wenn dann konkretes Interesse an einem Medium besteht, gibt es lizenzrechtliche Verhandlungen. Darum kümmert sich der Bereich „Medienerwerb“, der Kaufmedien, aber auch freie Medien (sogenannte OER – Open Educational Resources) auf dem Markt erkundet und dann entsprechende Lizenzen abfragt und gegebenenfalls erwirbt.

Selbstverständlich werden die Medien vorher durch eine Qualitätskontrolle dahingehend überprüft, ob sie überhaupt für den Unterricht in Baden-Württemberg geeignet sind. Dafür haben wir die Medienbegutachtungskommissionen, die sich aus Lehrkräften verschiedener Schularten zusammensetzen und die die Materialien sichten und gewissenhaft prüfen.
Danach müssen die Materialien auffindbar gemacht werden. Das bedeutet, es braucht eine Verschlagwortung und entsprechende Hinweise, was sich hinter dem Medium genau verbirgt und zu welchen Bildungsstandards es passt, damit es in der Datenbank der Mediathek dann auch gefunden werden kann.

Das heißt, es sind schon einige Schritte im Hintergrund notwendig, damit die Medien professionell in der Mediathek angeboten werden können.

Schlussendlich müssen die Datenbank und das technische System der Mediathek auch noch fortlaufend betreut und weiterentwickelt werden.

 

Das stelle ich mir schwierig vor.

Wie regeln Sie z.B. das Hosting von SESAM?

(lacht) Nun ja, SESAM ist ja mit seinen über 100.000 Einzelmedien, z.B. Audios und Bildern, und seinem Streaming-Angebot wirklich kein kleines Angebot mehr, wir haben ca. 25 TeraBytes zu speichern und auch verfügbar zu machen. Insofern haben wir das Hosting an ein professionelles externes Rechenzentrum gegeben, das sich darum kümmert und somit den verlässlichen Zugriff gewährleisten kann.

Arbeiten Sie auch noch mit anderen externen Firmen und Institutionen zusammen?

Ja, das würde gar nicht anders funktionieren. Wir haben zum Beispiel Firmen, die die Software für SESAM entwickeln und vorantreiben. Wir sind aber auch bundesweit mit anderen Firmen und Institutionen vernetzt, die ähnliche Angebote wie wir machen. Wir schauen uns auch da immer wieder an: „Wie machen das andere?“

Außerdem sind wir in verschiedenen bundesweiten Gremien vertreten, in denen bestimmte technische Standards und Metadatenstandards festgelegt werden und in die auch Standards von Hochschulen einfließen. Allein wäre das alles gar nicht leistbar. Wir sind ja hier auch nicht auf einer Insel…(lacht)

Alles in allem ist es sehr wichtig, dass wir Synergien entwickeln und uns auf dem Markt gut vernetzen. Das geschieht natürlich nicht nur bundesweit, sondern auch landesweit. Genannt seien als Beispiele der Medienzentrenverbund, Hochschulen, die neuen Institute ZSL und IBBW – und natürlich auch das Kultusministerium.

 

Beeindruckend! Danke für diesen Einblick in die vielen Tätigkeitsbereiche Ihrer Abteilung.

Was macht SESAM Ihrer Meinung nach für Lehrkräfte so attraktiv?

Ich denke, dass wir ein sehr vielfältiges Angebot haben, das trotzdem passend zum Unterricht ist. Natürlich gibt es über Google, YouTube und Co. auch eine riesige Menge an Materialien, aber bei uns sind die Materialien nicht nur lizenzrechtlich abgeklärt, sie wurden vor allem auch von Pädagogen dahingehend geprüft, ob sie denn wirklich für den unterrichtlichen Einsatz in Baden-Württemberg geeignet sind.

Zudem haben wir die Möglichkeit, ganz viele verschiedene Medienformate anzubieten, vom einfachen Arbeitsblatt bis hin zu Animationen und Filmen. Und dadurch, dass die einzelnen Materialien meist didaktisch aufbereitet und in einen Kontext eingebunden sind, ist unser Angebot eben auch besonders attraktiv, weil ich als Lehrkraft gleich sehen kann, wie ich die Medien im Unterricht didaktisch einsetzen könnte. In vielen Fächern gibt es auch konkrete Unterrichtsmodule und -ideen, die ganz gezielt einzelne Inhalte des Bildungsplans aufgreifen.

Wir haben übrigens auch zunehmend Materialien, die ohne Anmeldung bei SESAM genutzt werden können, zum Beispiel auch von Schülerinnen und Schülern, weil sie mit einer offenen Lizenz etwa CC-Lizenz als OER zur Verfügung gestellt werden können – auch zur Weiterbearbeitung und -publizierung. Das ist ein wirklich spannendes Feld!

Woher wissen Sie eigentlich, welche Medien gerade neu auf dem Markt sind?

In allen Abteilungen des LMZ arbeiten Pädagogen, die ihre Augen für uns offenhalten – und viele Produzenten lassen uns auch automatisch ihre Neuerscheinungen zukommen, weil sie gerne bei SESAM veröffentlicht werden möchten. Wir sind aber auch immer dankbar für Hinweise und Wünsche vonseiten unserer Kunden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der SESAM-Mediathek?

Ich wünsche mir, dass wir viele weitere Entwicklungen machen können, dass SESAM ständig vorankommt und sich verbessert. Es gibt ja viele neue Entwicklungen wie Virtual Reality (virtuelle Realität), Augmented Reality (erweiterte Realität) und 3D-Druck, in denen Medien auch eine große Rolle spielen. Ich hoffe, dass wir uns da weiterentwickeln können, und auch im Bereich des Mobile Learning möchten wir unser Angebot deutlich erweitern.

Ganz wichtig ist uns auch, dass Lehrkräften unser Angebot noch bekannter gemacht wird, dass SESAM irgendwann ganz selbstverständlich als fester und wichtiger Baustein im Unterricht aller Lehrkräfte in Baden-Württemberg eingesetzt wird.

Kurz gesagt: Am allermeisten wünsche ich mir mehr Menschen, die für und mit SESAM arbeiten.

 

Vielen Dank, Frau Rix!

Gute Ideen?

Haben Sie gute Ideen zu SESAM? Oder kennen Sie Medien, die wir uns unbedingt einmal ansehen sollten?

Kommen Sie mit uns ins Gespräch! Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen und Anregungen.

Danke!

Ihre Rückmeldung

Nikola von Mikusch

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