Virtuelle Realitäten: Keine Zukunftsmusik mehr

Man setzt sich eine klobig wirkende Brille auf und findet sich in einem Computerspiel, auf den Straßen einer fremden Stadt oder in einer selbst erschaffenen Welt wieder. Große Technologiekonzerne wie Oculus, HTC, Google oder Microsoft arbeiten momentan mit Hochdruck an der Weiterentwicklung verschiedener Technologien, um eine neue Art des medialen Erlebens möglich zu machen. Was nach Zukunftsmusik klingt, hat seine Ursprünge jedoch schon im 19. Jahrhundert – und wird immer alltagstauglicher.

Dabei werden Nutzer/-innen mit einer sogenannten Mixed Reality (Vermischte Realität) konfrontiert: Dabei wird die normale Wahrnehmung mit virtuellen Einflüssen gemischt. Im Grunde kann man alles, was nicht nur virtuell oder nur real ist als gemischte Realität bezeichnen.

Mann mit VR-Brille

GettyImages/Deagreez

Mixed, Augmented und Virtual Reality: Was ist was?

Je nach Stärke der virtuellen Beeinflussung wird  momentan innerhalb des Mixed Reality-Kontinuums primär zwischen Augmented und Virtual Reality unterschieden.

Von Augmented Reality (erweiterte Realität) spricht man im Allgemeinen, wenn in der realen Welt  Informationen oder Elemente eingeblendet werden. Sie kann als Form der Mixed Reality angesehen werden. Dies kann mit Hilfe einer Brille geschehen, die mit einer Kamera ausgestattet ist (wie zum Beispiel Google Glass oder leicht futuristisch wirkende Brillen wie die HoloLens von Microsoft, die es auch ermöglicht, in der realen Welt virtuelle Elemente einzublenden. So kann man zum Beispiel eine neue Wohnung probeweise einrichten oder Minecraft direkt in seinem Wohnzimmer spielen anstatt in einer virtuellen Welt.

Ebenso möglich ist es jedoch, die Smartphone-Kamera zu nutzen und über eine App wie Aurasma auf dem Bildschirm des Smartphones Inhalte über die Bilder zu legen, die von der Kamera stammen. Beispielsweise können so auf einer Reise Informationen über interessante Denkmäler mit historischer Bedeutung eingeblendet werden. Auch können so zum Beispiel über ein Bild von einer Küche Vokabeln aus dem Wortfeld „Küche“ in einer Fremdsprache eingeblendet werden. Das wohl bekannteste Beispiel für Augmented Reality ist bislang das Smartphone-Spiel Pokémon GO, bei dem Pokémons in die aktuelle Umgebung des Nutzers eingeblendet werden.

Spricht man im Umkehrschluss von Virtual Reality (virtueller Realität), dann meint man, dass der Betrachter komplett in eine andere Welt eintaucht. Diese immersive (fachlich für komplett in die VR einzutauchen)  Erfahrung kann den Betrachter komplett von der Außenwelt abschotten, indem eine VR-Brille mit Kopfhörern ihn die reale Welt so gut wie vergessen lässt, und er seinen Avatar mit Gesten, mit Controllern oder einem speziellen Anzug via Motion-Tracking steuert. Er kann ebenso nur visuell in diese Welt eintauchen, wie dies zum Beispiel beim Spielen von Minecraft oder beim Besuch einer virtuellen Welt wie Second Life mittels Computerbildschirm der Fall ist.

Werden in die virtuelle Welt Elemente der realen Welt eingebunden, zum Beispiel eine Türsprechanlage, die auf die Kopfhörer des VR-Headsets geschaltet ist, oder auch Objekte, die man in der virtuellen Welt benutzen kann, spricht man von erweiterter Virtualität. Hier experimentiert momentan vor allem HTC mit dem Vive Tracker.

Einer der größten Unterschiede zwischen AR/MR und VR ist (momentan), dass man AR bzw. MR eher individuell erlebt während man in VR inzwischen problemlos mit anderen Avataren kommunizieren und kollaborieren kann. Und dies nicht nur in Multiplayer-Videospielen. Allerdings wird sich AR laut Berichten in letzter Zeit auch bald in Richtung Kollaboration bewegen.

Dennoch sollte man AR/MR und VR nicht als Konkurrenzprodukte sehen, denn beide haben individuelle Einsatzpotenziale mit Vor- und Nachteilen. Während man zum Beispiel bei Reisen nur Informationen eingeblendet bekommen möchte, möchte man in anderen Einsatzszenarien ganz eintauchen in eine andere Welt. Im Bildungsbereich haben beide Technologien ein großes Potenzial.

Stephanie Wössner

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