Die Kunst des Zitierens

Während in den Vor-Internet-Zeiten das richtige Zitieren vor allem an der Universität gelehrt wurde, müssen heute bereits Schülerinnen und Schüler wissen, wie man richtig zitiert. Denn immer mehr von dem, was für die Schule geschrieben wird, kommt per Copy & Paste aus dem Internet. Wenn man dabei den Text eines anderen für seinen eigenen ausgibt, dann ist das ein Betrugs- oder Täuschungsversuch, ein Leistungserschleichen oder schlicht: geistiger Diebstahl. Wenn man den Text eines anderen aber korrekt zitiert, ist es legal.

Plagiat oder Fälschung?

Seit Karl-Theodor zu Guttenberg ist es in aller Munde: das Plagiat. Beim Plagiat gibt man das Werk anderer als sein eigenes aus. Ex-Minister Guttenberg hatte viele Stellen in seiner Dissertation als sein eigenes Geistesprodukt ausgegeben – in Wirklichkeit stammten die Texte von anderen. Etwas anderes als ein Plagiat ist eine Fälschung. Ein Fälscher gibt sein Werk als das Werk eines anderen aus. Recht bekannt geworden ist zum Beispiel Konrad Kujau. Der geniale Maler fertigte nicht nur unzählige Gemälde an, die so aussahen wie die von van Gogh oder Gustav Klimt, sondern er fälschte auch die Hitler-Tagebücher, die der Stern aufkaufte. Er gab sein Werk für das von Hitler aus. Es gibt Menschen, die glauben, dass einige berühmte Gemälde in Museen Fälschungen sind.

Zitieren ist erlaubt

(Fast) jede Art von Kulturleistung basiert auf dem, was die Menschen vor einem geschaffen haben. Isaac Newton wird zitiert mit der Äußerung: „Wenn ich weiter geblickt habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe.“ Gerade wissenschaftlicher Fortschritt wäre nicht möglich, wenn man nicht auf dem aufbauen könnte, was andere vorher geforscht haben. Deshalb ist es in wissenschaftlichen Arbeiten (Bachelor-Arbeiten, Diplom-Arbeiten, Dissertationen) üblich, aus den Werken anderer Wissenschaftler zu zitieren. Es ist nicht nur üblich, sondern geradezu erwünscht – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man es richtig macht.

Generell ist jede Art von geistiger und künstlerischer Leistung durch das Urheberrecht geschützt. Das bedeutet: Man darf sie nicht nutzen, ohne nicht vorher den Urheber gefragt zu haben. Es gibt allerdings Ausnahmen. Die wichtigste in diesem Zusammenhang ist das Recht, aus Werken zu wissenschaftlichen Zwecken zu zitieren (§ 51 Urheberrecht).

Studentin in der Bibliothek

GettyImages/franckreporter

Richtig zitieren

Im Grunde gibt es für ein Zitat drei Grundregeln:

  1. Die Textstelle, die zitiert wurde, muss kenntlich gemacht werden. Meist geschieht das durch Anführungszeichen.
  2. Der Text muss wortwörtlich übernommen werden. Auslassungen müssen kenntlich gemacht werden.
  3. Die Quelle muss genannt werden.

Die Nennung der Quelle war bereits in Printzeiten nicht immer einfach. Üblicherweise wurde der Autor genannt, der Titel der Publikation, das Jahr der Veröffentlichung und eine Angabe zum Verlag, also entweder der Verlag selbst oder der Ort. Im Detail unterschied sich die Zitierweise aber dann noch von Institution zu Institution.

Aus dem Internet wird anders zitiert. Hier ist nicht nur die Quelle anzugeben (also der Name des Autors und die Internetseite), sondern auch das Datum, an dem zitiert wurde, denn im Internet kann eine Seite schnell verändert werden. Der Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Zitat“ müsste folgende Quellenangabe besitzen:

Seite „Zitat“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. August 2014, 09:34 UTC. (Abgerufen: 20. August 2014, 13:03 UTC)

Glücklicherweise bekommt man diese lange Quellenangabe komplett geliefert, wenn man in Wikipedia auf „Seite zitieren“ klickt (unter Werkzeuge in der linken Spalte).

Wichtig dabei ist, dass ein Zitat immer eine Berechtigung haben muss. Man darf nicht zitieren, weil man selbst zu faul zum Schreiben ist oder weil man noch einige Seiten zu füllen hat. „Zulässig ist ein Zitat nur, wenn es die eigenen Ausführungen unterstützt oder der geistigen Auseinandersetzung mit dem zitierten Werk dient und es einen inneren Zusammenhang mit dem eigenen Werk aufweist.“ (Quelle: www.klicksafe.de, abgerufen am 31.5.2012)

Das Zitat muss nicht nur im Kontext des eigenen Textes einen Sinn haben, sondern selbstverständlich sollte das Zitat auch verstanden sein. Ein Zitat steht also nicht anstatt eines eigenen Textes, sondern ist ein Teil, auf das sich der eigene Text bezieht.

Der oben verwendete Link ist als Quellenangabe im Internet erlaubt – vorausgesetzt, man kennzeichnet das Werk eines anderen Autors deutlich. Hingegen ist das Einbinden von Fotos (oder Bilder allgemein) nicht so ohne Weiteres erlaubt, denn dabei benutzt man das Werk (also das Foto) im Gesamten, und meist nicht, um sich damit auseinanderzusetzen, sondern um seinen Beitrag zu illustrieren. Das ist – wenn man sein Werk im Internet veröffentlicht – nicht erlaubt. Anders sieht es aus, wenn Fotos (oder Texte) verwendet werden, die mit einer CC-Lizenz zur Weiterbenutzung freigegeben sind.

Allgemeine Links

Urheberrecht und Datenschutz

Die Lehrerfortbildung Baden-Württemberg klärt den Begriff Öffentlichkeit im Zusammenhang mit rechtlichen Fragestellungen, die das Urheberrecht an der Schule betreffen.

Zur Website

Urheberrecht in der Schule

Informationen der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg zum Thema.

Zur Website

ZUM-Wiki: Zitieren

Einige Tipps zum Zitieren und weitere Links in der offenen Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse.

Zur Website

Constantin Schnell

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